Literatur-Auszeichnung Goncourt-Preis für Atiq Rahimi

Der Krieg sowie die gesellschaftliche und religiöse Unterdrückung in Afghanistan sind die Themen des Schriftstellers Atiq Rahimi. Für sein Werk "Stein der Geduld" wurde der Afghane nun mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis Goncourt ausgezeichnet.


Paris - Der aus Afghanistan stammende Schriftsteller Atiq Rahimi hat in diesem Jahr den wichtigsten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt, gewonnen. Der 46-jährige Rahimi bekam den Preis für sein jüngstes Buch "Syngué sabour: La pierre de patience" ("Der Stein der Geduld") zugesprochen. Der Roman erzählt von einer afghanischen Frau, die sich aus den Fesseln der gesellschaftlichen und religiösen Unterdrückung befreit.

Schriftsteller Rahimi: Gewinner des höchsten französischen Literaturpreises Goncourt
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Schriftsteller Rahimi: Gewinner des höchsten französischen Literaturpreises Goncourt

"Stein der Geduld" ist das erste Buch Rahimis in französischer Sprache, das Thema bleibt jedoch wie schon bei seinen früheren Werken sein Heimatland Afghanistan.

Rahimi wurde 1962 in Kabul geboren, studierte Literatur an der Universität Kabul und arbeitete als Filmkritiker. 1984 floh er vor dem afghanischen Krieg gegen die Sowjetunion nach Frankreich, inzwischen besitzt er auch die französische Staatsbürgerschaft. Rahimi promovierte an der Pariser Sorbonne im Fachbereich audio-visueller Kommunikation und begann 1996 mit der Arbeit an "Erde und Asche". Das Buch, das als Antwort auf das neue Taliban-Regime galt und vom Trauma des Krieges handelt, wurde zum Bestseller und 2004 verfilmt. Rahimi führte selbst die Regie.

Seit der amerikanischen Invasion im Jahr 2001 engagierte sich Rahimi auch wieder für das kulturelle Leben in Afghanistan. So gründete er das "Writers House" in Kabul, einen Club für Schriftsteller.

Vergangenes Jahr hatte der Schriftsteller Gilles Leroy den begehrten "Prix Goncourt" erhalten. Der Prix Goncourt wird seit 1903 jeweils im Spätherbst von der 1900 gegründeten Académie Goncourt vergeben und zeichnet das beste erzählerische Werk aus, das im laufenden Jahr in französischer Sprache erschienen ist.

Obwohl nur mit symbolischen 10 Euro dotiert, stellt er den begehrtesten Literaturpreis Frankreichs dar - denn Dank ihm kann Rahimi nun mit einer starken Erhöhung seiner Auflage rechnen. Die Vergabe des Preises wurde von der 10-köpfigen Jury vor dem Pariser Restaurant Drouant verkündet, wo sie sich anschließend für das traditionelle Jury-Mittagessen zurückzog.

ely/dpa



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