Literatur Martin Mosebach bekommt Büchner-Preis

Der wichtigste deutsche Literaturpreis wird in diesem Jahr an den Schriftsteller Martin Mosebach verliehen. Der Frankfurter gilt als großes Erzähltalent und wurde mit den Prosa-Werken "Eine lange Nacht" und "Der Nebelfürst" bekannt.


Darmstadt - An Preisen mangelt es Martin Mosebach nicht: Der 1951 in Frankfurt am Main geborene Autor bekam in den vergangenen Jahren so manche Auszeichnung verliehen, darunter der "Blaue Salon Preis" des Literaturhauses Frankfurt und der Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Doch all das ist nichts gegen die wichtigste deutsche Literatur-Ehrung: Der mit 40.000 Euro dotierte Büchner-Preis soll Mosebach in diesem Jahr verliehen werden, wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung heute bekannt gab.

Schriftsteller Mosebach: Bekommt am 27. Oktober den Büchner-Preis.
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Schriftsteller Mosebach: Bekommt am 27. Oktober den Büchner-Preis.

Mosebachs Vater war Arzt von Beruf und lebte nach Aussage seines Sohnes "vollkommen in der Poesie". Auch ein jüngerer Bruder wurde Arzt, Mosebach aber studierte zunächst Jura; erste Erzählungen entstanden spielerisch zur Unterhaltung des Freundeskreises. Erst als Golo Mann als Juror der Ponto-Stiftung auf Mosebachs Talent aufmerksam wurde, begann seine Schriftsteller-Karriere.

Gleich mit seinem Debüt-Roman "Das Bett" zogen die Kritiker alle Register und verglichen Mosebach mit Thomas Mann und Robert Musil. Die beiden Folgeromane "Ruppertshain" und "Westend" zementierten seinen Ruf als Kritikerliebling und Erzähltalent, wenngleich die Verliebtheit in die eigene Sprache zuweilen Unmut erzeugte, vor allem angesichts des 800-Seiten-Schmökers "Westend" (1992), an dem Mosebach sechs Jahre lang gearbeitet hatte.

Den Durchbruch auf dem Buchmarkt erreichte Mosebach 2000 mit seinem Prosa-Werk "Eine lange Nacht", das als "historischer Roman der Gegenwart" ("Die Zeit") gelobt und die semi-biographische Geschichte eines durchs Examen gefallenen Juristen aus Frankfurt erzählt, der durch eine Kette von Zufällen zum Chef einer Importfirma aufsteigt. Der "Rheinische Merkur" jubelte damals: "Deutschland hat wieder einen großen Erzähler."

Zuletzt erschienen mit "Der Nebelfürst", einem Roman über einen Hochstapler im Deutschen Kaiserreich, und "Das Beben" zwei Werke Mosebachs, die auf nahezu einhelliges Kritikerlob stießen. Im August wird sein jüngster Roman "Der Mond und das Mädchen" veröffentlicht.

Mosebach sagte der dpa: "Der Preis kam vollständig überraschend für mich. Die Entwicklung, wie meine Arbeit wahrgenommen worden ist, hat es mir vollständig ausgeschlossen erscheinen lassen, dass ich schon Büchner- Preis würdig sei. Ich bin kein Erfolgsschriftsteller. Es gibt viele gute Leute, die den Preis noch nicht haben."

Die Jury würdigte den 55-Jährigen als einen Schriftsteller, "der stilistische Pracht mit urwüchsiger Erzählfreude verbindet und dabei ein humoristisches Geschichtsbewusstsein beweist, das sich weit über die europäischen Kulturgrenzen hinaus erstreckt". Der Preis wird am 27. Oktober verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern der 1951 zuerst verliehenen Auszeichnung gehören Günter Grass, Heinrich Böll, Hans Magnus Enzensberger, Heinrich Böll, Elfriede Jelinek, Wolf Biermann, Durs Grünbein und Wilhelm Genazino. Im vergangenen Jahr wurde der inzwischen verstorbene Schriftsteller Oskar Pastior geehrt.

Der renommierte Preis ist nach dem deutschen Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner benannt, der 1813 im Großherzogtum Hessen geboren wurde und 1837 in Zürich starb. Die seit 1950 in Darmstadt ansässige Akademie für Sprache und Dichtung hat festgelegt, dass die Auszeichnung nur Schriftsteller und Dichter erhalten sollen, die "in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben".

bor/AP/dpa



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