Literatur-Preis Schlechter Sex? Sie haben gewonnen!

Mitunter schreiben gute Schriftsteller schlechte Sex-Szenen. In England gibt es dafür den "Bad Sex in Fiction Award", eine Auszeichnung für Romane mit peinlichen Bett-Schilderungen. Der diesjährige Gewinner schaffte es gleich mit seinem Erstlingswerk.


London - Es sei ein Kopf-an-Kopf-Rennen gewesen, sagten Mitglieder der Jury der Zeitschrift "Literary Review" später. Aber dann stand der diesjährige Gewinner des "Bad Sex in Fiction Award", des Preises für den Roman mit der schlechtesten Sex-Schilderung, fest. Es ist der 26-jährige Brite Iain Hollingshead mit seinem Debüt "Twenty Something" (noch nicht auf Deutsch erschienen). Wie die BBC berichtet, schlug Hollingshead damit unter anderem die Schriftstellerkollegen Thomas Pynchon und David Mitchell. Letzterer war schon für den Booker Prize nominiert.

Autor Hollingshead: Preis für die mieseste Sexschilderung des Jahres
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Autor Hollingshead: Preis für die mieseste Sexschilderung des Jahres

Anscheinend war die Jury von Hollingsheads miesen Sexpassagen beeindruckt. Ein Auszug aus seinem Werk: "Alles ist strahlend weiß, als wir uns in einem Aufruhr von Grunzen und Quieken verlieren, unzusammenhängende Bilder blitzen auf, Explosionen von Millionen kleiner Partikel." Hollingshead zeigte sich erfreut darüber, der bislang jüngste Gewinner zu sein. Er sagte: "Ich hoffe, jedes Jahr zu gewinnen." Bei der Preisverleihung im Londoner "Naval & Military Club" wird ihm die Rocksängerin Courtney Love die Auszeichnung überreichen, so die BBC. Bei der Festveranstaltung sollen außerdem zwei Schauspielerinnen alle nominierten Passagen vorlesen.

Seit vierzehn Jahren vergibt die Zeitschrift "Literary Review" den "Bad Sex Award" für die überflüssigste Sexszene in einem sonst exzellenten Roman. Der Preis solle auf die geschmacklosen, oft oberflächlichen und überflüssigen Beschreibungen von Sex im modernen Roman aufmerksam machen und abschrecken. Vor zwei Jahren hatte der Schrifsteller Tom Wolfe mit seinem Buch "I am Charlotte Simmons" ("Ich bin Charlotte Simmons") den Preis gewonnen. Die Jury urteilte laut CNN über seine Sex-Szenen: "grauenhaft…unbeholfen…(und) unrealistisch." Er sei einer der wenigen, der seine Auszeichnung nicht persönlich entgegennahm.

Der diesjährige Zweitplatzierte ist Tim Willcocks mit seinem Mittelalter-Roman "The Religion". Kleine Kostprobe: "In der Tiefe seines Magens kochte ein großer Kessel. Etwas brodelte, namenloses Gebräu schoss durch seine Wirbelsäule nach oben und füllte sein Hirn mit dem Teufelsfeuer." Laut CNN bezeichnete Willcocks den Bad-Sex-Preis als "bessere Leseanregung als diese Lieferanten hochwirksamer Schlafpillen: Booker Prize, Pulitzer und so weiter."

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