Literatur-Pulitzer Richard Russo gewinnt den Prosa-Preis

Überraschung bei der Vergabe der Literatur-Pulitzerpreise: Nicht Favorit Jonathan Franzen gewann die begehrte Prosa-Auszeichnung, sondern sein Kollege Richard Russo für den Gesellschaftsroman "Empire Falls".


Pulitzer-Preisträger: Richard Paul Russo gewann mit "Empire Falls"
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Pulitzer-Preisträger: Richard Paul Russo gewann mit "Empire Falls"

New York - Der 52-Jährige wurde am Montagabend in New York mit dem Pulitzerpreis für Prosa-Literatur ausgezeichnet. In "Empire Falls" schildert Russo den harten Alltag in einer Kleinstadt von Maine, die bei ihm zum Inbegriff für die Träume und Enttäuschungen ihrer Bewohner und letztlich Amerikas wird. Richard Russo setzte sich überraschend gegen den Favoriten Jonathan Franzen durch, dessen in den USA viel beachteter Roman "The Corrections", eine Analyse der amerikanischen Institution Familie, in Deutschland im Juni unter dem Titel "Die Korrekturen" bei Rowohlt erscheinen wird.

Als erste Afroamerikanerin erhielt Suzan-Lori Parks, 38, den Pulitzer-Preis in der Kategorie Drama. Sie wurde für ihr Theaterstück "Topdog/Underdog" geehrt, das mit viel schwarzem Humor die lebenslange Rivalität zweier Brüder aufzeigt. Das Stück hatte im Juli 2001 in dem kleinen, gemeinnützigen "Public Theater" in Manhattan Premiere gehabt und schaffte jetzt den Sprung an den New Yorker Broadway, wo es am Sonntag erstmals begeistert gefeiert wurde.

Für das beste Sachbuch des Jahres wurde Diane McWhorters gewürdigt ("Carry Me Home: Birmingham, Alabama - The Climatic Battle of the Civil Rights Revolution"). In dem Buch zeichnet die Autorin den Rassenkampf in ihrer Heimatstadt Birmingham auf, in der eine untergründige Allianz von Richtern, der Polizei und dem Ku Klux Clan die Integration von Schwarzen verhinderten und die schlimmsten Ausschreitungen gegen die Afroamerikaner in den USA zuließ.

Der Poesie-Preis ging an den Literaturprofessor Carl Dennis für seinen neuen Gedichtband "Practical Gods". Der 62-Jährige ist bekannt für seine einfache Sprache und nach Kritiken der "New York Times" für seine "weisen, originellen und oft sehr bewegenden" Werke.

Die Auszeichnung für die beste Biografie des Jahres ging an David McCullough für sein Werk über einen der ersten US-Präsidenten, "John Adams". Das 700-Seiten-Werk, das von Adams' tiefer Liebe und Bewunderung zu seiner Frau Abigail sowie seinen herausragenden diplomatischen Fähigkeiten erzählt, wurde bisher 1,5 Millionen Mal verkauft - eine überraschend hohe Auflage für ein historisches Werk. McCullough, 68, hatte bereits 1993 mit seiner Biografie "Truman" einen Pulitzer-Preis gewonnen.

In der Kategorie "Geschichte" wurde Louis Menand mit seinem Buch über vier Philosophen des 19. Jahrhunderts geehrt, "The Metaphysical Club: A Story of Ideas in America". Menand ist Professor für Englisch an der City-Universität von New York und schreibt für die angesehene Zeitschrift "The New Yorker".

In der Kategorie Musik entschied sich das Komitee für "Ice Field", eine Komposition von Henry Brant, die am 21. Dezember 2001 von der San Francisco Symphony uraufgeführt worden war. Er habe mehr als 70 Jahre Musik geschrieben und sei "nicht zu überrascht" über den Preis, kommentierte der 88-jährige Gewinner seine Ehrung.



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