Literatur Verwirrend frei

Susanne Heinrich schaut ihren Figuren ins Innere.


Ist sie nun zu alt für ihr jugendliches Alter? Oder so jung, dass sie bei ihren Lesern vor lauter Rührung mütterliche Gefühle provoziert? Ist sie von Chabrol und Truffaut inspiriert, oder spricht aus ihr das Deutsche Literaturinstitut Leipzig, in dem die Autorin nach dem abgebrochenen Abitur ein Jahr studiert hat? Manche Rezensenten verschmelzen Susanne Heinrich autobiografisch mit den sexverlorenen Protagonistinnen um die zwanzig ihres ersten Erzählbandes.

Autorin Heinrich: Um Sprache kämpfen
Fabian Lutz

Autorin Heinrich: Um Sprache kämpfen

Andere entdecken in ihr vor allem eine "judithhermannsche Herbstlichkeit" ("Börsenblatt") und zählen sie zum Missfallen Heinrichs zum literarischen Fräuleinwunder. 21 Jahre alt ist die zarte Schöne, die mit 19 erstmals in Klagenfurt lesen durfte. Ihr Debütroman "Die Andere" erzählt von der schwierigen Freundschaft zwischen der pragmatischen Marion und der exaltierten Luna, von ihrer Konkurrenz um einen Mann. Verwirrend frei schreibt die junge Frau, die von sich sagt, dass sie um ihre Sprache kämpft, wenn sie ihren Geschöpfen ins Innere schaut und sich erlaubt, sich über diese zu wundern. Über den Körper ihrer Heldin Luna etwa, der "ein Körper voller Mitteilungen war". Angestrengt sind manche ihrer Bilder, wenn ein Kinn sich "wie ein hochmütiger Vogel in die Luft" schwingt. Aber Heinrich behauptet auch gar nicht, fertig zu sein. Sie will vor allem eines: "Mehr ausprobieren. Nicht zu früh fest werden."


Die Andere. DuMont Verlag, Köln; 280 Seiten; 17,90 Euro.



© KulturSPIEGEL 6/2007
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