Literatur Wilhelm Genazino erhält Büchner-Preis

Die wohl wichtigste deutsche Literatur-Auszeichnung, der Georg-Büchner-Preis, geht in diesem Jahr an Wilhelm Genazino. Der 61-jährige Journalist und Autor schrieb in den siebziger Jahren für das Satire-Blatt "Pardon". Bekannt wurde er mit seiner Roman-Trilogie "Abschaffel".


Autor Genazino: Satiriker und Schriftsteller
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Autor Genazino: Satiriker und Schriftsteller

Darmstadt - Der Georg-Büchner-Preis ist mit 40.000 Euro dotiert und wird auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am 23. Oktober in Darmstadt überreicht.

Der 61 Jahre alte Wilhelm Genazino wurde in Mannheim geboren und hat als freier Journalist bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet, unter anderem bei dem Satireblatt "Pardon". Als Schriftsteller bekannt wurde er 1977 mit seiner Trilogie über einen einsamen Angestellten namens Abschaffel. Es folgten mehrere Romane, unter anderem "Die Obdachlosigkeit der Fische" (1994), "Die Kassiererinnen" (1998) und "Ein Regenschirm für diesen Tag" (2001). Im vergangenen Jahr legte er das Buch "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" vor. Der Titel vereint die drei dringlichsten Wünsche eines 17 Jahre alten Lehrlings Ende der fünfziger Jahre. Für seine Werke erhielt Genazino bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Großen Literaturpreis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste.

Die Kritik würdigte den in Frankfurt lebenden Schriftsteller als genauen Beobachter der Adenauer-Ära und selbstironischen Betrachter des Großstadtmilieus. Das Lob kommt gleichermaßen vom früheren literarischen Quartett um Marcel Reich-Ranicki sowie aus den Feuilletons. DER SPIEGEL zählte Genazino im vergangenen Jahr zu den "stärksten deutschen Erzählern".

Der Büchner-Preis ist die wohl renommierteste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur. Er wird jährlich von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vergeben. Zu der Summe von 40.000 Euro werden je 11.000 Euro von der Stadt Darmstadt, dem Land Hessen und dem Bund beigetragen. Den Rest übernimmt die Akademie aus Zinserträgen einer Erbschaft. Namensgeber des Preises ist der deutsche Revolutionär und Dramatiker Georg Büchner, der 1813 im Großherzogtum Hessen geboren wurde und 1837 in Zürich starb.

Erstmals vergeben wurde der Büchnerpreis 1923 vom "Volksstaat Hessen". Für besondere kulturelle Leistungen erhielten ihn auch Maler, Bildhauer und Musiker. In den ersten elf Jahren teilten sich jeweils zwei Künstler die Auszeichnung. Während des Nationalsozialismus (1933-1945) wurde sie nicht vergeben.

Die Akademie für Sprache und Dichtung machte den Büchner-Preis nach dem Krieg zum deutschen Literaturpreis schlechthin. Sie ließ sich 1950 in Darmstadt nieder und legte fest, dass die Auszeichnung nur Schriftsteller und Dichter erhalten sollten, die "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben". Zu den bisherigen Preisträgern gehören Gottfried Benn, Friedrich Dürrenmatt, Heinrich Böll, Erich Kästner, Günter Grass, Wolf Biermann und Friederike Mayröcker. Im vergangenen Jahr wurde Alexander Kluge ausgezeichnet.



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