Literaturnobelpreis 2006 Wer wird Millionär?

Die Spannung steigt: An einem Donnerstag im Oktober verkündet die Schwedische Akademie traditionsgemäß den neuen Literaturnobelpreisträger. Ein alter Favorit kann sich die größten Chancen auf die weltweit begehrteste Literatur-Auszeichnung ausrechnen.


Stockholm - Der Gewinner des diesjährigen Literaturnobelpreises wird aller Voraussicht nach am 12. Oktober bekannt gegeben. Die Entscheidung der Jury der Schwedischen Akademie wird traditionsgemäß an einem Donnerstag im Oktober veröffentlicht. Das genaue Datum wird allerdings stets erst sehr kurzfristig verraten. Da am heutigen Freitag ein entsprechender Hinweis ausblieb, gehen Beobachter nun vom 12. Oktober aus.

Schriftsteller Pamuk: Favorit für den Nobelpreis
DDP

Schriftsteller Pamuk: Favorit für den Nobelpreis

Als Favorit gilt in diesem Jahr der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk, hieß es in der schwedischen Akademie am Freitag. Britischen Medienberichten zufolge hält ihn auch der englische Buchmacher Ladbrokes für den aussichtsreichsten Kandidaten.

Pamuk ist im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden und galt bereits im vergangenen Jahr als Nobelpreis-Kandidat. Seine Werke wurden in 34 Sprachen übersetzt. Zu seinen bekanntesten Titeln zählen "Die weiße Festung", "Rot ist mein Name" und zuletzt "Schnee". Der 54-Jährige ist der international bekannteste türkische Gegenwartsschriftsteller, seine Themen sind das Mit- und Gegeneinander von Orient und Okzident sowie die osmanisch-türkische und die europäische Geschichte.

In den vergangenen Monaten machte Pamuk Schlagzeilen, als er in seiner Heimat Nationalisten gegen sich aufbrachte und sich wegen "Herabsetzung des Türkentums" vor Gericht verantworten musste. In einem Interview hatte Pamuk den bis heute öffentlich unaufgearbeiteten türkischen Massenmord an den Armeniern als "Gräueltaten" bezeichnet. Das Verfahren wurde im Januar wegen eines juristischen Fehlers eingestellt. Der politisch engagierte Schriftsteller betätigte sich in den vergangenen Jahren immer wieder als Vermittler zwischen Türkei und Europa. In seiner Heimat wirbt er für die Aufarbeitung der Vergangenheit, in Europa macht er sich für eine Aufnahme in die EU stark.

Als weitere Anwärter auf die begehrteste Literaturauszeichnung der Welt gelten außerdem der syrische Dichter Adonis und der polnische Publizist Ryszard Kapuscinski. Auch US-Autoren wie Thomas Pynchon, Don DeLillo und Philip Roth sowie der südkoreanische Lyriker Ko U gehören seit längerer Zeit zu den Favoriten.

Aber es kann alles auch noch ganz anders kommen: im letzten Jahr ging der Nobelpreis völlig überraschend an den britischen Dramatiker Harold Pinter. Im Jahr zuvor war die Österreicherin Elfriede Jelinek ausgezeichnet worden - ebenfalls keine Favoritin. Alle Nobelpreise sind mit jeweils zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert. Letzter deutscher Preisträger war 1999 Günter Grass.

bor/dpa

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