Literaturnobelpreis Schwedische Akademie beruft externe Juroren

Eine Missbrauchsaffäre hat die Schwedische Akademie erschüttert. Die Nobelpreisstifter forderten Konsequenzen. Nun will man mit Juroren von außen den Preis retten.

Presse wartet auf Verkündung des Literaturnobelpreises (Archivbild)
AFP

Presse wartet auf Verkündung des Literaturnobelpreises (Archivbild)


Die Pressemitteilung ist sehr knapp gehalten. In Absprache mit der Nobelstiftung habe die Schwedische Akademie beschlossen, für die Vergabe der Nobelpreise 2019 und 2020 ein neues Komitee zu bilden. Die Überraschung dabei: Neben fünf Mitgliedern der Akademie dürfen auch fünf externe Sachverständige über die nächsten beiden Literaturnobelpreisträger mitentscheiden.

Diese Öffnung des Entscheidungsgremiums ist offenkundig eine Konsequenz aus dem Skandal um den Ehemann des Akademiemitglieds Katerina Frostenson, Jean-Claude Arnault. Gegen Arnault wurde Anklage wegen Vergewaltigung erhoben, darüber hinaus wird er verdächtigt, die Namen von Preisträgern vorab ausgeplaudert zu haben. Eine mittelbare Folge des Skandals war, dass die Vergabe des Literaturnobelpreises für 2018 ausgesetzt wurde.

Die Nobelstiftung, die den Nachlass des ursprünglichen Stifters Alfred Nobel verwaltet, hatte im Sommer Bedingungen gestellt, die von der Schwedischen Akademie erfüllt werden müssten, damit sie weiterhin für die Vergabe des renommiertesten Literaturpreises der Welt zuständig sein könne. Andernfalls könne auch ein anderes Gremium die Preisvergabe übernehmen.

Nach Angaben der Zeitung "Dagens Nyheter", die zuerst über das neue Preiskomitee berichtet hatte, sei eine dieser Bedingungen gewesen, dass auch externe Experten in die Entscheidung eingebunden werden sollten. Zunächst soll sich dem Zeitungsbericht zufolge die Akademie um ihren Ständigen Sekretär Anders Olsson noch dagegen gesperrt haben - nun kommt es doch so.

Die fünf Akademiemitglieder im Komitee sind Horace Engdahl, Kristina Lugn, Anders Olsson, Jesper Svenbro sowie Per Wästberg, der dem Komitee vorsitzen wird.

Als externe Sachverständige wurden benannt: die 31-Jährige Literatur- und Theaterkritikerin Mikaela Blomqvist, der 56-jährige Kristoffer Leandoer - ein Kenner der französischen und der Fantasyliteratur, der 45-jährige Übersetzer Henrik Petersen, die 73-jährige Romanautorin Gun-Britt Sundström sowie die erst 27 Jahre alte Kritikerin Rebecka Kärde, wohnhaft in Berlin.

feb/AP



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