Literaturnobelpreisträger Wer Reich-Ranickis Gnade findet

Zur diesjährigen Nobelpreisträgerin Herta Müller mag sich Marcel Reich-Ranicki nicht recht äußern. Bei den Ausgezeichneten der vergangenen Jahre hielt sich der Literaturkritiker aber nicht zurück. Besonders auf eine Frau schimpfte er ausgiebig.


Er ist Deutschlands bekanntester Literaturkritiker. Doch ausgerechnet zu Herta Müller, der ersten deutschen Frau, die mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, mag Marcel Reich-Ranicki nichts sagen. In der Vergangenheit kommentierte der Kritiker die Entscheidungen des Stockholmer Nobelpreis-Komitees hingegen gern - und in manchem Fall sogar äußerst empört.

2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio (Frankreich)

"Ich habe noch keines seiner Bücher gelesen. Er soll ein seriöser Autor sein."

2007: Doris Lessing (Großbritannien)

"Ich finde sie [die Entscheidung] bedauerlich."

2006: Orhan Pamuk (Türkei)

"Türkische Literatur hat mich nie interessiert. Ich muss nicht alle Literaturen dieser Welt lesen."

2005: Harold Pinter (Großbritannien)

"Eine gute, eine richtige Entscheidung. Pinters Arbeiten charakterisieren die Darstellung des Alltags einsamer Individuen und das Bild der Bedrohung dieser Individuen durch mysteriöse Mächte."

2004: Elfriede Jelinek (Österreich)

"Von den vielen Büchern der Jelinek habe ich zwei ("Die Klavierspielerin" und "Lust") gelesen, wenn auch nicht ganz zu Ende, weil die Lektüre mein Wohlbefinden gefährdete, zumal meine Magennerven auf unangenehme Weise reizte. Mit ihren anderen Büchern habe ich, wie Thomas Mann sich auszudrücken pflegte, immerhin Kontakt aufgenommen. Das Ergebnis: Ich glaube, ja, ich bin sicher, dass das Schreiben nicht gerade zu den starken Seiten der Elfriede Jelinek gehört. Mehr möchte ich lieber nicht sagen, um nicht die bedeutendste Feministin Mitteleuropas, Alice Schwarzer, zu ärgern."

2003: John M. Coetzee (Südafrika),

"Ich glaube, das ist eine vernünftige Entscheidung. Coetzee ist ein ernster südafrikanischer Schriftsteller, dessen Bücher ich gerne gelesen habe".

2002: Imre Kertész (Ungarn)

"Ich freue mich, dass ein so ernster und wichtiger Schriftsteller wie Kertész ausgezeichnet wird. Er hat Auschwitz überlebt. Damit hängen die zeitkritischen Fragen in seinem Werk zusammen, die er mit ungewöhnlicher Anschaulichkeit und Suggestivität dargestellt hat."

2001: V.S. Naipaul (Trinidad/England)

"Keine Überraschung, aber eine Enttäuschung."

2000: Gao Xingjian (China/Frankreich)

"Ich habe noch nie in meinem Leben ein chinesisches Buch gelesen."

1999: Günter Grass (Deutschland)

"Ich freue mich außerordentlich, dass Günter Grass den Nobelpreis erhalten hat. Er hat ihn längst verdient, schon vor zwanzig oder zehn Jahren. Dass die letzten Bücher schlechter sind als sein Frühwerk, spielt dabei keine Rolle."

hpi



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