Hamburg/Frankfurt/Main - "Ich diente unbewusst dem Frieden, nun werde ich ihm bewusst dienen, und das wird neue Fähigkeiten in mir wecken." Mit diesen Worten nahm der algerische Schriftsteller Boualem Sansal am Sonntagmorgen in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an, die wichtigste Kulturauszeichnung der Bundesrepublik.
Der streitbare algerische Schriftsteller, der islamischen Nationalismus ebenso kritisiert hat wie die unentschiedene Haltung der Bundesregierung im Libyen-Konflikt, wurde auch stellvertretend für all die Akteure der Arabische Frühling geehrt. Schon zur Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers hatte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, im Juni erklärt: "Mit der diesjährigen Wahl des Friedenspreisträgers will der Börsenverein ein Zeichen setzen für die Demokratiebewegung in Nordafrika."
In seiner Dankesrede vor rund 1.000 geladenen Gästen gab sich Sansal bescheiden. Er hoffe, dass all das, was Schriftsteller und andere Kulturschaffende getan hätten, wenigstens einen winzig kleinen Beitrag zum Aufkommen des Arabischen Frühlings geleistet hätte: "Was derzeit geschieht, ist meines Erachtens nicht nur eine Jagd auf alte bornierte und harthörige Diktatoren, und es beschränkt sich nicht auf die arabischen Länder, sondern es kommt eine weltweite Veränderung auf, eine kopernikanische Revolution: Die Menschen wollen eine echte universelle Demokratie, ohne Grenzen und ohne Tabus."
Um diese zu verwirklichen, müsse man sich allerdings von dem Gedanken lösen, dass sich Frieden aushandeln lasse, betonte Sansal im Hinblick auf den israelisch-palästinensischen Konflikt: "Aushandeln lassen sich Modalitäten, Formen, Etappen, aber der Frieden selbst ist ein Prinzip; er muss öffentlich verkündet werden, auf feierliche Weise. Man muss sagen: Friede, Schalom, Salam, und sich dann die Hand reichen."
cbu
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