Comiczeichnerin Lona Rietschel Die Schöpferin der "Abrafaxe" ist tot

Die Berliner Comiczeichnerin Lona Rietschel wollte ursprünglich Modezeichnerin werden, sattelte dann auf Comics um und erfand die "Abrafaxe". Nun ist sie mit 84 Jahren gestorben.

Bei der Arbeit: Comiczeichnerin Lona Rietschel
picture-alliance / ZB

Bei der Arbeit: Comiczeichnerin Lona Rietschel


Die Berliner Comiczeichnerin Lona Rietschel, Schöpferin der beliebten "Abrafaxe"-Figuren, ist tot. Sie starb am Dienstag im Alter von 84 Jahren, wie der MOSAIK-Verlag mitteilte. Die im heutigen Polen geborene Rietschel studierte Modegrafik und Zeichentrick, wollte ursprünglich Modezeichnerin werden und "was für schicke Damen machen", wie das MOSAIK-Team in einem Nachruf auf die Künstlerin schreibt.

Stattdessen wechselte sie zu Comics und fing 1960 als Zeichnerin beim DDR-MOSAIK-Verlag an, dessen Hefte Millionenauflagen erreichten. Sie gestaltete dort in der von 1955 bis 1975 monatlich erscheinenden Comiczeitschrift die drei Hauptfiguren Dig, Dag und Digedag.

Drei abenteuerlustige Kobolde

Ab Mitte der Siebzigerjahre gab Rietschel den Abrafaxen Abrax, Brabax und Califax Gestalt und ein freundliches Wesen. 2016 feierten die drei abenteuerlustigen Kobolde mit den Knollennasen ihren 40. Geburtstag. Abrax zeichnete Rietschel dabei als Draufgänger, der sich möglicher Konsequenzen nicht immer bewusst war. Brabax war dank ihres Zeichenstrichs ein kluges Wesen, das der bunten Truppe stets aus der Patsche half. Und der gemütliche Califax, der gern auch faulenzte, hatte dank seines Talents eine gute Eigenschaft: Er bekochte mit Leidenschaft seine Freunde.

1990 beendete Rietschel nach Verlagsangaben die Arbeit an den Heften. Im Laufe der Jahre zeichnete sie aber immer wieder Titelbilder für Sammelausgaben. Bis heute erscheinen die beliebten Mosaik-Comics monatlich. Zu DDR-Zeiten waren sie nur schwer zu bekommen.

2013 war Lona Rietschel auf dem Comicfestival München mit dem PENG!-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Im gleichen Jahr erschien ein Sonderband mit dem Titel "Lona Rietschel - Bilder meines Lebens". Laut MOSAIK-Team diene die Künstlerin nach wie vor als "Vorbild für die acht Zeichner, die heute das MOSAIK-Heft gestalten. Das größte Kompliment, das sie einander machen, heißt, dass etwas LONÖS geworden ist, was bedeuten soll, es sieht mehr oder weniger wie von Lona gezeichnet aus."

bsc/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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streckengeher 19.12.2017
1. Danke!
Liebe Lona, ruhe in Frieden und danke für all die Freude, die Du mir mit den Abrafaxen gemacht hast. Auch wenn es "nur" ein Comic war - für Kinder in der engen DDR waren die Abrafaxe etwas Besonderes, weil sie auf unterhaltsame und intelligente Weise hungrig auf die weite Welt, Wissenschaft, Geschichte und Kultur gemacht haben. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese kleinen Comics ein wichtiger Grund dafür waren, dass ich mich heute so gerne in der Welt herumtreibe und mich für alles interessiere.
antaron 19.12.2017
2. Unvergesslich und zig-Mal durchgelesen
Es war teuer und schwer zu bekommen in unserer kleinen Stadt in der DDR. Einen Comic habe ich sogar als Kind selbst besessen und von meinem Taschengeld gekauft - andere nur in der Stadtbücherei geliehen oder direkt dort gelesen. Ich habe meine eigene Ausgabe geliebt und bestimmt 10x als Kind immer wieder gelesen.
herrfroschi 19.12.2017
3. "Zu DDR-Zeiten waren sie nur schwer zu bekommen"
Sagt wer? Ich habe mir meine Mosaik-Hefte ohne jegliche Probleme jeden Monat ganz normal am Kiosk kaufen können - genau wie Frösi oder Atze.
rudolfsikorsky 19.12.2017
4. Die" Berliner Comiczeichnerin "
war sicher eine der grössten internationalen Comickünstlerinen unserer Zeit. Behaupte ich jetzt mal einfach .Auch wenn ihr das im Westen nicht so mitbekommen habt. Menschen die ohne das Mosaik aufgewachsen sind haben eh irgendwie eine etwas fremde Mentalität. ??
quark2@mailinator.com 19.12.2017
5.
Zitat von herrfroschiSagt wer? Ich habe mir meine Mosaik-Hefte ohne jegliche Probleme jeden Monat ganz normal am Kiosk kaufen können - genau wie Frösi oder Atze.
Genau mein erster Gedanke ... seltsam ... Aber wieso steht auf den Mosaiks dann vor überall Hannes Hegen drauf ? Ärgerlich sowas. Hätten ja wenigstens beide gleich genannt werden können. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden. Immer schlimm und traurig ...
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