Urheberrechtsstreit: Gericht stoppt Loriot-Biografie

Loriots Tochter verteidigt das Erbe ihres Vaters: Susanne von Bülow hat im Rechtsstreit mit dem Münchner Riva Verlag einen Teilerfolg erzielt. Eine dort erschienene Biografie des Humoristen muss vom Markt genommen werden. Das Buch verstößt gegen das Urheberrecht.

Streit um Loriot-Biografie: Ein Urteil, ein Urteil! Fotos
DPA

Braunschweig/München - Wie weit geht die Kunstfreiheit beim Einsatz von Zitaten? Nicht so weit, wie in der Loriot-Biografie des Münchner Riva Verlags: Das Buch über den Humoristen Vicco von Bülow alias Loriot muss vom Markt genommen werden. Das Braunschweiger Landgericht hat am Mittwoch der Klage von Loriots Tochter Susanne von Bülow entsprochen: Der Titel "Loriot - Biographie" dürfe in seiner derzeitigen Form nicht weiter vertrieben werden.

Susanne von Bülow beanstandete als Erbin in der Biografie 68 Textstellen. Nach dem Urteil hatte von Bülow mit ihren Beanstandungen in 35 Fällen recht, weil die Zitate unter das Urheberrecht fallen und der Autor kein Zitatrecht gehabt habe. In weiteren 33 beanstandeten Fällen habe der Autor aber wie geschehen zitieren dürfen: Die Übernahme einiger Zitate sei im Rahmen der Erstellung einer Biografie durch den Grundsatz der Kunstfreiheit gerechtfertigt.

Vom Markt genommen muss das kurz nach Loriots Tod erschienene Buch allerdings erst, wenn das Urteil rechtskräftig wird.

Christine Danziger, die Anwältin der Loriot-Tochter, sagte SPIEGEL ONLINE zuletzt zur Begründung des Rechtsstreits, es gehe dabei um eine Verletzung des Urheberrechts: Zitate könnten unter der Voraussetzung verwendet werden, eine eigene im Buch vertretene Meinung zu belegen. Dies sei nicht gegeben. Die Biografie sei streckenweise nur aus den typischen Äußerungen und dem eigentümlichen Humor des Komikers zusammengebaut. Das habe großen Unmut bei den Erben hervorgerufen. "Es ist zu einfach, sich an einem fremden Werk zu bedienen, um ein eigenes zu schaffen. Das Buch scheint mit heißer Nadel gestrickt zu sein", sagte Danziger. Susanne von Bülow habe sich nicht mit dem Verlag einigen wollen, weil er ihr nur kleine Zugeständnisse angeboten hätte.

Das Landgericht sprach von Bülow das Recht zu, vom Verlag Auskunft über die mit dem Buch erzielten Erlöse zu bekommen, damit sie ihre Schadensersatzansprüche beziffern kann. Außerdem muss der Verlag etwa die Hälfte der Rechtsanwaltskosten von Bülows übernehmen - die andere knappe Hälfte muss sie selbst tragen, weil sie in etwa der Hälfte der beanstandeten Zitate kein recht bekam.

Der Münchner Riva Verlag ist dafür bekannt, Promi-Biografien schnell auf den Markt zu bringen. Dort erschien auch Bettina Wulffs Buch "Jenseits des Protokolls". Bereits im Herbst 2012 musste sich der Verlag in einem anderen Fall gegen den Vorwurf der Urheberrechtsverletzung verteidigen. Zahlreiche Nutzer sozialer Netzwerke kritisierten den Titel "Nachts um 3 Uhr klingelte der Nachbar. Mir ist vor Schreck fast die Bohrmaschine aus der Hand gefallen" des Autors Rolf Hohenhaus. Der Text enthalte viele Sprüche, die von anderen Personen im Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht worden seien, berichtete der "Tagesspiegel". Im September stoppte der Verlag die Auslieferung des Buches.

Vicco von Bülow war am 22. August 2011 gestorben. Das Buch "Loriot - Biographie" des Autors Dieter Lobenbrett erschien bereits zwei Wochen nach dem Tod des Humoristen.

Nach Ansicht der Münchner Riva Verlagsgruppe hingegen hat das Buchverlagshaus "einen Teilerfolg erzielt: Wir hätten Frau Susanne von Bülow gerne so einen Änderungsvorschlag gemacht, wie ihn der Richter nun festgelegt hat. Unsere Idee der Einigung war also deckungsgleich mit dem Richterspruch", erklärte Verlagssprecherin Julia Loschelder gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Sie hat unser Angebot auf Änderung aber grundsätzlich abgelehnt", teilte die Sprecherin weiter mit. Damit das Buch künftig nicht vom Markt genommen werden müsse, wolle der Verlag "minimale Änderungen" vornehmen und es sofort wieder zum Verkauf anbieten. Loschelder widersprach zudem der Anwältin Danziger: "Das Buch ist nicht mit heißer Nadel gestrickt. Es ist in langer Arbeit entstanden wie jedes andere Buch auch", sagte Loschelder. Die "Loriot-Biographie" sei zum Zeitpunkt des Todes von Vicco von Bülow bereits in Vorbereitung gewesen. Die Sprecherin fügte hinzu, der Verlag könne manche Bücher zwar schnell auf den Markt bringen, bei Biografien nehme man sich aber die gebotene Zeit.

bos/dpa/AFP

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insgesamt 134 Beiträge
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1.
peddersen 16.01.2013
...diese ganze Rechteverwertungs"kultur" mitsamt den Beteiligten geht einem nur noch auf den S*ck. ER hätte wahrscheinlich drüber gelacht - ein Streit ums Kosakenzipfelchen.
2. Ich schlage den Erben vor...
frankenwagen 16.01.2013
...einfach mal selber was zu erschaffen und sich nicht auf dem angeblichen geistigen Eigentums eines verstorbenen (genialen) Verwandten auszuruhen.
3.
niska 16.01.2013
Zitat von sysopLoriots Tochter verteidigt das Erbe ihres Vaters: Susanne von Bülow hat im Rechtsstreit mit dem Münchner Riva Verlag einen Teilerfolg erzielt. Eine dort erschienene Biografie des Humoristen muss vom Markt genommen werden. Das Buch verstößt gegen das Urheberrecht. Loriot-Tochter gewinnt Rechtsstreit: Biografie wird vom Markt genommen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/loriot-tochter-gewinnt-rechtsstreit-biografie-wird-vom-markt-genommen-a-877809.html)
Es sind diese raffigen Erben, die das derzeitige Urheberrecht dem Normalmenschen so wenig positiv vermittelbar machen. Was bis zum Tode des Künstlers aus Immaterialgut nicht zu Geld gemacht wurde, sollte auch nicht vererbt werden können. Das führt immer zu absurden Situationen. Mit dem Tode des Künstlers sollten die Werke gemeinfrei werden. Schliesslich hat der Künstler ja auch durch die Gemeinschaft bei der Schaffung der Werke profitiert. Es solte ein Geben und Nehmen sein.
4. Die Geier über der Beute
cgjung 16.01.2013
Immer wieder die gleiche Masche.
5. Raffkultur
politikerkritiker 16.01.2013
... Oder besser: Selber essen macht fett! Herr von Bülow würde Schreikrämpfe bekommen, wenn er das wüsste! So kann man auch einen Namen zerstören.
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