Urheberrecht: Loriots Tochter klagt gegen Biografie

Ein Bonmot zu viel: Susanne von Bülow verklagt den Münchner Riva Verlag. Der hatte kurz nach dem Tod ihres Vaters eine Loriot-Biografie herausgegeben. Doch das Buch enthält nach Ansicht der Tochter zu viele wörtliche Zitate.

Loriot: Tochter des Humoristen will Biografie verbieten lassen Fotos
dapd/ SWR

Braunschweig/München - Die Tochter des im vergangenen August verstorbenen Humoristen Vicco von Bülow, Susanne von Bülow, will den Verkauf einer Biografie über ihren Vater gerichtlich verbieten lassen. Der Münchner Verlag erhielt eine Klageschrift vom Landgericht Braunschweig. Der Vorwurf: Autor Dieter Lobenbrett verwende zu viele wörtliche Zitate von Loriot.

Die Klageschrift sei bereits am 21. Mai im Verlagshaus eingegangen. "Wir haben versucht, uns außergerichtlich mit Susanne von Bülows Anwalt zu einigen", sagte Verlagssprecherin Julia Loschelder. "Wir glauben, dass es sich hier um eine Grundsatzentscheidung handelt. Es kann nicht sein, dass uns verboten werden soll, für eine Biografie Zitate zu verwenden." Susanne von Bülow wolle nicht nur das Buch vom Markt nehmen lassen, sondern klage auch auf Schadenersatz für die Verwendung der Zitate.

"Wir verstehen nicht, warum sie uns verklagt", sagte Loschelder. "Es gab bislang keine inhaltlichen Einwände gegen die Biografie. Wir haben ein durchweg positives Buch über ihren Vater geschrieben."

Christine Danziger, die Anwältin der Loriot-Tochter, sagte SPIEGEL ONLINE, es gehe bei dem Rechtsstreit um eine Verletzung des Urheberrechts. Zitate könnten unter der Voraussetzung verwendet werden, eine eigene im Buch vertretene Meinung zu belegen. Dies sei nicht gegeben. Die Biografie sei streckenweise nur aus den typischen Äußerungen und dem eigentümlichen Humor des Komikers zusammengebaut. Das habe großen Unmut bei den Erben hervorgerufen. "Es ist zu einfach, sich an einem fremden Werk zu bedienen, um ein eigenes zu schaffen. Das Buch scheint mit heißer Nadel gestrickt zu sein", sagte Danziger. Susanne von Bülow habe sich nicht mit dem Verlag einigen wollen, weil er ihr nur kleine Zugeständnisse angeboten hätte.

Die Klageschrift ist nach Verlagsauskunft 111 Seiten stark. Darin weise die Klägerin jedes verwendete Zitat aus. Der Riva Verlag argumentiert, im Buch werde ein "übliches Verfahren der Zitierung" verwendet. Die Biografie bestehe zu acht Prozent aus Zitaten und jede Quelle sei korrekt nachgewiesen.

Laut Landgericht Braunschweig liegt die Klage seit Juni vor. Das schriftliche Vorverfahren sei angeordnet worden. Einen Termin für die Verhandlung gebe es allerdings noch nicht.

Erst im November vergangenen Jahres hatte Susanne von Bülow vor dem Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen das Online-Lexikon Wikipedia erwirkt. Daraufhin musste eine Briefmarke mit Motiven wie "Herren im Bad", "Das Frühstücksei", "Auf der Rennbahn" und "Der sprechende Hund" von der Internetseite verbannt werden - nicht unbemerkt von den Nutzern, die ihrerseits nun über Sinn und Rechtmäßigkeit der Entscheidung debattieren.

Vicco von Bülow war am 22. August 2011 gestorben. Das Buch "Loriot: Biographie" des Autors Dieter Lobenbrett erschien bereits zwei Wochen nach dem Tod des Humoristen.

kha/dapd/dpa

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1.
Cotti 05.07.2012
Zitat von sysopEin Bonmot zuviel: Susanne von Bülow verklagt den Münchner Riva-Verlag. Der hatte kurz nach dem Tod ihres Vaters eine Biografie herausgegeben. Doch das Buch enthält nach Ansicht der Tochter zu viele wörtliche Zitate...
Die Klage ist gut und berechtigt, jedoch sollte sie aus Prinzip erfolgen und nicht, weil "zu viele Zitate" verwendet wurden. Was bilden sich Verlage ein, einfach "Biografien" von Personen zu veröffentlichen, mit denen sie nie einen Vertrag geschlossen hatten? Die haben womöglich schon viele andere "Biografien" von alten Persönlichkeiten schon so weit vorbereitet, um gleich nach deren Ableben mit ihnen den großen Reibach machen zu können. Dieter Hildebrand sollte denen vielleicht vorsorglich verbieten, seine "Biografie" nach seinem Tod auf den Markt zu schmeißen.
2. optional
dreyfus2 05.07.2012
Selbstverständlich ist nicht zu bezweifeln, dass Loriots Tocher ihn selbst und seine Wünsche besser kennt, als irgendjemand sonst. Es soll also nicht arrogant oder besserwisserisch sein, wenn ich sage, dass ich (über 30 Jahre Bewunderer und Zuschauer vieler Interviews und Auftritte), mir nicht vorstellen kann, dass ein so vollendet positiv-fatalistischer und pragmatischer Mensch auch nur eine Sekunde seines Lebens auf so einen Krampf verschwendet hätte. Ja, 8% Zitate sind relativ viel (fast schon eine Doktorarbeit eines Koalitionsmitgliedes), aber kein Beinbruch. Außerdem ist Loriots Humor definitiv leichter zu zitieren, als zu beschreiben.
3. optional
bärbeck 05.07.2012
So kann es kommen, wenn die Tochter humorloser ist als der Vater: Loriot als Streitfall für Gerichte. Die Tochter könnte Ihrem Vater einen besseren Dienst erweisen. So steht sie als frustrierte Neiderin da.
4. Na na ...
ratem 05.07.2012
Zitat von sysop"Wir verstehen nicht, warum sie uns verklagt", sagte Loschelder.
... wer wird sich den sooooo blauäugig geben ... ... die Dame möchte Kohle sehen ... ist doch klar.
5.
Trondesson 05.07.2012
Zitat von CottiDie Klage ist gut und berechtigt, jedoch sollte sie aus Prinzip erfolgen und nicht, weil "zu viele Zitate" verwendet wurden. Was bilden sich Verlage ein, einfach "Biografien" von Personen zu veröffentlichen, mit denen sie nie einen Vertrag geschlossen hatten? Die haben womöglich schon viele andere "Biografien" von alten Persönlichkeiten schon so weit vorbereitet, um gleich nach deren Ableben mit ihnen den großen Reibach machen zu können. Dieter Hildebrand sollte denen vielleicht vorsorglich verbieten, seine "Biografie" nach seinem Tod auf den Markt zu schmeißen.
Wenn es nach Ihnen ginge, müßten wohl auch Geschichtsbücher verboten werden, die Hinweise auf Persönlichkeiten enthalten, die mit dem Verlag keinen Vertrag geschlossen haben, z.B. Alexander der Große, Dschinghis Khan, Napoleon usw...
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