Lucky Luke Eine Wildwest-Legende zieht ihren Hut

Den rauchenden Colt lässt Comic-Star Lucky Luke noch einmal mit besonders viel Schwung in seiner Hand rotieren: Mit "Eine Wildwest-Legende" ist unlängst der letzte Band über den gutmütigen Revolverhelden aus der Feder seines geistigen Vaters Morris erschienen.


Wird nie wieder durch Morris' Pinselstrich zum Leben erweckt: Comic-Held Lucky Luke
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Wird nie wieder durch Morris' Pinselstrich zum Leben erweckt: Comic-Held Lucky Luke

Der Wilde Westen ist um eine Attraktion ärmer. 56 Jahre nachdem der einsame Cowboy Lucky Luke zum ersten Mal auf seinem Pferd Jolly Jumper in den Sonnenuntergang geritten ist, wird es für ihn Zeit, in Rente zu gehen. Mit der Veröffentlichung des Bandes "Eine Wildwest-Legende" geht in diesen Tagen eine Ära zu Ende. Nie wieder wird die unvergleichliche Figur mit weißem Cowboy-Hut, rotem Halstuch, gelbem Hemd, blauer Hose und schwarzer Weste zum Leben erweckt werden - zumindest nicht durch den Pinselstrich des Zeichners Morris.

Maurice de Bévère, Morris genannt, starb im vergangenen Jahr im Alter von 77 Jahren in seinem Heimatland Belgien. Zuvor hatte er den letzten Band noch fertig gestellt. Noch einmal erzählt er in dem nunmehr 76. Heft die Geschichte des ewig jung gebliebenen Kuhhirten, der im Wilden Westen für Recht und Ordnung sorgt. Abermals wird Hund Rantanplan über seine tollpatschigen Füße stolpern und auf die Nase fallen, und wie schon ein halbes Jahrhundert zuvor werden die Bösewichte Joe, Jack, William und Averell Dalton wieder aus dem Gefängnis entwischen.

Die Comic-Stars sollen im letzten Band noch einmal zu ganz besonderen Ehren kommen: In seiner Wild-West-Show will Buffalo Bill den "echten Wilden Westen" zeigen, mit Indianern, Cowboys und natürlich mit echten "Gangstern". Während die Daltons zu Stars avancieren, lehnt Lucky Luke das Angebot von Bill bescheiden ab: "Ich habe nicht das Zeug zu einer Wildwest-Legende."

Und ob er Zeug dazu hat. Eine Legende ist der schüchterne, einsame Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten, schon lange. 60 Millionen verkaufte Alben verzeichnet der deutsche Herausgeber Egmont-Ehapa weltweit. In 20 Sprachen verfolgen junge und alte Fans seit 1946 die guten Taten ihres Superhelden ohne Superkräfte, der zwar keine Wände hochläuft und auch nicht fliegen kann, dafür aber mit einem großem Herz die Menschen im Wilden Westen vor Bösewichtern beschützt. Erstmals in der Zeitschrift "L'Almanach de Spirou" als Comicstrip veröffentlicht, entwickelte sich Lucky Luke bald zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Entscheidenden Anteil am Ruhm des Comichelden hatte der geniale Texter und Asterix-Vater René Goscinny, der den Geschichten Witz und Esprit verlieh.

"Eine Wildwest-Legende": Der letzte Band des Schöpfers

"Eine Wildwest-Legende": Der letzte Band des Schöpfers

Einige Veränderungen musste der Cowboy im Laufe der Jahre allerdings über sich ergehen lassen. War er am Anfang noch rundlich im Gesicht, setzte Morris seinen Held bald auf Diät. In den neunziger Jahren musste Lucky Luke sich gar sein Markenzeichen abgewöhnen: Für die geplante 52-teilige Zeichentrickserie im Kinderfernsehen machte Morris aus ihm einen Nichtraucher. Von Band 65 an hielt er einen Grashalm als Ersatzdroge im Mund.

Obwohl es Morris sein Leben lang wichtig war, an jedem Pinselstrich seiner Figur beteiligt zu sein, wird sein Tod wohl doch nicht das Ende für Lucky Luke bedeuten. In den letzten Jahren wurden neue Zeichner an die Serie herangeführt, die nun auch einen neuen Stil mitbringen und die Figur unweigerlich verändern werden. Für die Fans des Klassikers wird es nie wieder dasselbe sein. Lucky Luke wird für sie in diesen Tagen zum letzten Mal in den Sonnenuntergang reiten und leise-melancholisch sein Liedchen singen: "I'm a poor lonesome cowboy..."

Morris: "Lucky Luke - Eine Wildwest-Legende", Ehapa 2002, 48 Seiten, Hardcover 8,60 Euro, Softcover 4,50 Euro. Leseprobe gibt's hier!



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