Wichtigster Literaturpreis Frankreichs Prix Goncourt für Lydie Salvayre

Erstmals seit 2009 geht der Prix Goncourt wieder an eine Frau. Lydie Salvayre erhält renommiertesten Literaturpreis Frankreichs für "Pas pleurer", einen Roman über den Spanischen Bürgerkrieg.

Sie wurde ausgezeichnet für "Pas pleurer" (etwa: Weine nicht): Lydie Salvayre
AFP

Sie wurde ausgezeichnet für "Pas pleurer" (etwa: Weine nicht): Lydie Salvayre


Hamburg/Paris - Für "Pas pleurer", einen Roman über den spanischen Bürgerkrieg, ist die Französin Lydie Salvayre am Mittwoch mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis ausgezeichnet worden, dem Prix Goncourt. Das gab die Jury in Paris bekannt. Erst im fünften Wahlgang konnten sich die Juroren auf die Autorin einigen. Mit fünf zu vier Stimmen setzte sie sich gegen den Algerier Kamel Daoud durch.

"Ich bin sehr glücklich, ich bin sehr bewegt", sagte Salvayre in einer ersten Reaktion - mit Tränen in den Augen. In ihrem Roman geht es um den Schriftsteller Georges Bernanos und ihre eigene Mutter, die ihr an ihrem Lebensende vom Spanischen Bürgerkrieg ab 1936 erzählt. "Pas pleurer" ist aber auch die Geschichte einer Liebe zwischen zwei jungen Leuten, die wegen ihrer unterschiedlichen sozialen und politischen Herkunft unmöglich ist.

Die 1948 geborene Tochter republikanischer Spanier, die vor dem Franco-Regime nach Frankreich geflohen waren, wuchs im südfranzösischen Toulouse auf. Französisch lernte Salvayre, die später studierte und als Psychiaterin arbeitete, erst in der Grundschule. Auf Deutsch sind von ihr der Erfolgsroman "Das Gewicht der Erinnerung", "Die Macht der Fliegen" und "Milas Methode" erschienen.

Der erstmals 1903 vergebene Prix Goncourt ist der wichtigste französische Literaturpreis. Er ist zwar nur mit symbolischen zehn Euro dotiert, sichert aber dem ausgezeichneten Autor in der Regel eine verkaufte Auflage von 400.000 Exemplaren sowie mögliche Übersetzungen.

Zu den Siegern der vergangenen Jahre zählten Pierre Lemaitre, mit dem soeben auf Deutsch erschienen "Wir sehen uns dort oben", einem mitreißenden, handlungs- und figurenprallen Roman über das Ende des Ersten Weltkriegs und die Zwanzigerjahre in Paris. Zudem Jérôme Ferrari mit dem klugen Korsikaroman "Predigt auf den Untergang Roms"; der Gymnasiallehrer Alexis Jenni mit seinem begeisternden Großwerk "Die französische Kunst des Krieges" - und der Literaturstar Michel Houellebecq. Eine Frau gewann zuletzt 2009, als Marie NDiaye ausgezeichnet wurde.

Auch der Literaturnobelpreisträger des Jahres 2014 steht auf der Siegerliste des Prix Goncourt: Patrick Modiano wurde 1978 für "Die Gasse der dunklen Läden" ausgezeichnet. Der spannende Roman über einen Mann, der sich im Paris der Fünfzigerjahre auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit macht, wurde soeben bei Suhrkamp wieder veröffentlicht.

Der Renaudot-Literaturpreis, der stets am selben Tag vergeben wird, ging an David Foenkinos für "Charlotte". Der Roman des 40-Jährigen handelt von der deutschen Malerin Charlotte Salomon, die mit 26 Jahren im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.

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feb/dpa

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