Lyrik Dichter Peter Maiwald gestorben

Alltäglich, aber nicht trivial: Peter Maiwald schöpfte seine Prosa und Gedichte aus der Alltagssprache und dem täglichen Trubel. Im Alter von 62 Jahren ist der Lyriker und Kabarett-Texter jetzt gestorben.


Düsseldorf - Entdeckt wurde Peter Maiwald einst von Marcel Reich-Ranicki. Der damalige Literaturchef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" lobte Maiwalds Lyrikband "Balladen von Samstag auf Sonntag" 1984 als "Ereignis". Nach diesem Ritterschlag durfte sich der in Düsseldorf lebende Lyriker zur ersten Riege deutscher Dichter zählen.

"Sein Vokabular schöpft er, so scheint es, aus einer einzigen Quelle - aus der Sprache des Alltags. Auch in seiner Lyrik bewährt sich die Methode, dem Volk aufs Maul zu schauen. Er verachtet weder Slang noch Jargon, er greift gern auf saloppe Wendungen zurück, hier und da bedient er sich der idiomatisch reduzierten Ausdrucksweise jener, die man 'Aussteiger' zu nennen pflegt. Dies alles gibt seiner Diktion Saft und Kraft, ohne sie zu vulgarisieren und ohne ihre Genauigkeit und Prägnanz zu beeinträchtigen", schrieb Reich-Ranicki damals.

Neben zahlreichen Gedichten, die er in der für ihn typischen Lakonie und Knappheit verfasste, schrieb der in Baden-Württemberg geborene Maiwald auch Kurzprosa, Hörspiele, Drehbücher, Reportagen und Texte fürs Kabarett - unter anderem für das Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" und das Stuttgarter "Renitenz-Theater".

Seine Schriftstellerlaufbahn begann Maiwald 1968 nach einem abgebrochenen Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik und Soziologie in München, schnell eilte ihm der Ruf eines politisch engagierten "Arbeiterdichters" voraus. Einer der ersten Lyrikbände Maiwalds, der im Revolutionsjahr auch in die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) eintrat, erschien unter dem Titel "Geschichten vom Arbeiter B.". 1984 wurde Maiwald aus der DKP ausgeschlossen. Anlass waren seine Beiträge für die Monatszeitschrift "Düsseldorfer Debatten", die sich als kritisches Blatt für Politik, Kunst und Wissenschaften verstand.

Poesie war für den Lyriker Maiwald, um den es in den letzten Jahren still geworden war, ein "Lebensmittel". Gedichte, so schrieb er einmal, könnten "sieben Hungerarten" befriedigen - darunter: Appetit auf Schönheit, Lachreiz, Wortlust und Trauerdurst. Sehnsüchte, die im Gedicht "Arbeitstag" anklingen. Das endet mit der Zeile: "Bevor die Sonne untergeht, hole ich noch schnell das Blaue vom Himmel."

2001 schrieb Maiwald für die "Neue Zürcher Zeitung" eine "Gebrauchsanweisung für Gedichte". Darin heißt es: "Gehen Sie mit den Gedichten so misstrauisch um wie mit einem Hausierer an der Wohnungstür. Denken Sie stets daran, dass Gedichte eitel sind und Ihnen etwas aufschwatzen wollen, vorzugsweise sich selbst. Beachten Sie, dass Gedichte Ihre Zeit und Ihr Geld kosten wollen, weil sie selbst Zeit und Geld gekostet haben. Lesen Sie das Kleingedruckte! Gedichte, die Ihnen Ehrfurcht, Hochachtung, Gottvertrauen in profaner Form, Kunst um der Kunst willen abverlangen - statt Verstand, Gefühl und Vergnügen an beidem, lesen Sie bitte mit doppeltem Misstrauen."

Peter Maiwald starb bereits am vergangenen Montag in Düsseldorf, wie der Carl Hanser Verlag mitteilte.

bor/dpa



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