Manga-Star Christina Plaka Punk sei Dank!

Niedlich ist zu friedlich, dachte sich Christina Plaka eines Tages und zeichnete keine süßen Boybands mehr, sondern wilde Punkrocker. So wie sie könnte bald die gesamte deutsche Manga-Szene reifen - freilich ohne dabei zu ergrauen.


Aller Anfang war blau. "Prussian Blue" hieß Christina Plakas erste Manga-Serie, die sie später in "Plastic Chew" umbenannte, um Verwechslungen mit der gleichnamigen rechtsextremen US-Girl-Band auszuschließen. Es ging um Popmusik, um ach-so-süße Boys und um schmachtende Girls - also um Mädchenträumereien wie aus der "Bravo". Ab Januar 2003 veröffentlichte sie die Herz-Schmerz-Schwelgereien in monatlichen Kapiteln in dem Magazin "Daisuki", später erschienen sie als Buch. Es war das erste Projekt dieser Art auf dem deutschen Markt. Christina Plaka war damals 19 Jahre alt und hatte just ihr Abitur bestanden. Und nebenbei hatte sie einen Bestseller produziert.

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Tokyopop/ Christina Plaka

Christina Plaka: "Yonen Buzz - Stillness in Time" (28 Bilder)

Inzwischen ist die gebürtige Offenbacherin 23 Jahre alt und kurz davor, ihr Japanologie- und Romanistikstudium in Frankfurt abzuschließen. Ihr jüngstes Mangaprojekt heißt "Yonen Buzz". Und obwohl es auch hier um Musik geht, ist der Inhalt so weit entfernt von "Plastic Chew" wie Plaka selbst von ihrer Schulzeit. Die süßen Boys und schmachtenden Girls von einst sind passé, stattdessen regiert der Punk. Es geht um laute Musik, es geht darum Fehler zu machen und sein Leben so durchzuziehen, wie es einem passt.

In bis dato drei Bänden schildert Plaka die Entwicklung der Drei-Mann-Band "Yonen Buzz", ohne ihnen den schnellen Erfolg auf den Leib zu zeichnen. Stattdessen schreibt sie lieber die Songs. Denn auch das ist "Yonen Buzz": von der Zeichnerin selbstverfasste und vertonte Songtexte. Ihre Lieder sind zwar bis jetzt unveröffentlicht, aber so hat Plaka stets den Rhythmus zur Story im Kopf - und ihre Mangas erhalten einen ganz eigenen Tiefgang.

Zeichnerin Plaka: Kleinmädchenträume adé
Tokyopop/ Christina Plaka

Zeichnerin Plaka: Kleinmädchenträume adé

Kleinmädchenträume adé also. An Plakas Entwicklung lässt sich ablesen, wie erwachsen die hierzulande noch junge Szene der einheimischen Mangaka werden kann, wenn man ihr die Zeit dafür gibt. Und wie erfolgreich: Ihre Mangas erscheinen mittlerweile in Frankreich und den USA.

Vollzeit-Profi möchte sie trotzdem nicht werden, denn sie befürchtet, am Schreibtisch zu versauern. "Ich brauche den sozialen Kontakt und die Gewissheit, regelmäßig das Haus zu verlassen und unter Leute zu kommen", sagt sie. Außerdem möchte sie sich nicht dem Markt unterordnen, sollten ihre Themen bei den Lesern nicht ankommen. Auch das ist Selbstverwirklichung.

Eine leichtere Seite ihres Schaffens zeigt sich in der Geschichte "Stillness in Time", die sie für SPIEGEL ONLINE zeichnete und die zeitgleich in dem Buch "Yonen Buzz United" erscheint. Das Setting ihrer Story: Ein Tag. Ein Strand. Zwei Punk-Bands.

Christina Plaka bei Tokyopop:

http://www.tokyopop.de/buecher/manga/yonen_buzz/autor.php



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