Literaturpreis Marcel Beyer bekommt den Georg-Büchner-Preis 2016

Der Schriftsteller Marcel Beyer bekommt den Georg-Büchner-Preis 2016. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als renommierteste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Schriftsteller Marcel Beyer: Büchner-Preisträger 2016
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Schriftsteller Marcel Beyer: Büchner-Preisträger 2016


Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat Marcel Beyer den Georg-Büchner-Preis 2015 zugesprochen. Das teilte die Akademie am Dienstagmorgen mit. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im November in Darmstadt verliehen.

In der Begründung heißt es, Marcel Beyer "beherrsche das epische Panorama ebenso wie die poetische Mikroskopie". In seinen Gedichten, Romanen, Essays und Opernlibrettos sei für Sprache für Marcel Beyer immer auch Erkundung. Er widme sich der Vergegenwärtigung deutscher Vergangenheit mit derselben Hingabe, mit der er die Welten der Tiere und Pflanzen erforscht.

"Er hat den Sound der Straße im Ohr, er kennt die Testgelände der ästhetischen Avantgarden, er ist vertraut mit der tückischen Magie der Medien. Seine Texte sind kühn und zart, erkenntnisreich und unbestechlich", schreibt die Jury.

Marcel Beyer, geboren am 23. November 1965 in Tailfingen/Württemberg, lebte in Köln, bevor er 1996 nach Dresden umzog. Er studierte Literaturwissenschaften in Siegen und schloss sein Studium 1992 mit einer Arbeit über Friederike Mayröcker ab. Von 1989 bis 2000 gab er gemeinsam mit Karl Riha die Reihe "Vergessene Autoren der Moderne" heraus. Von 1992 bis 1998 veröffentlichte er in der Musikzeitschrift "Spex".

1991 debütierte er als Romanautor mit dem Buch "Das Menschenfleisch", im selben Jahr erschienen Gedichte unter dem Titel "Walkmännin". Einer breiten, auch internationalen Öffentlichkeit wurde Marcel Beyer 1995 mit seinem Roman "Flughunde" bekannt. Darin erzählt er vom Zweiten Weltkrieg, von der Instrumentalisierung der Sprache durch die Propaganda und von Experimenten mit menschlichen Stimmen. Es folgten die Lyrikbände "Falsches Futter" (1997) und "Erdkunde" (2002) sowie die Romane "Spione" (2000) und "Kaltenburg" (2008). Beyer macht hier erneut die Gegenwärtigkeit des Vergangenen sichtbar und zeigt, wie sich Wissenschaft in Literatur "übersetzen" lässt (Kaltenburg). Ebenso veröffentlichte er Erzählungen, Essays wie "Nonfiction" (2003) und "Putins Briefkasten. Acht Recherchen" (2012). 2014 legte Marcel Beyer seinen Gedichtband "Graphit" vor, eine in zwölf Jahren angewachsene Gedichtsammlung, in der er seine Erforschungen von Sprache, Landschaften und Kulturen weiter fortsetzt.

Marcel Beyer hat zahlreiche Poetikdozenturen wahrgenommen, zuletzt, im Januar/Februar 2016, hielt er die Frankfurter Poetikvorlesung "Das blinde (blindgeweinte) Jahrhundert". Im April dieses Jahres kuratierte er die Veranstaltungsreihe "Sprache und Wissen" im Haus der Kulturen der Welt, Berlin.

Seit 2003 arbeitet Marcel Beyer als Librettist mit dem Komponisten Enno Poppe zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit sind bislang drei Opern hervorgegangen ("Interzone" 2004, "Arbeit Nahrung Wohnung" 2008, "IQ" 2012). 2014 schrieb er das Libretto zu Manos Tsangaris "Karl May, Raum der Wahrheit" (Semperoper Dresden).

Im vergangenen Jahr erhielt den Georg-Büchner-Literaturpreis der Berliner Schriftsteller Rainald Goetz.

cpa

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