Ehemalige Piraten-Geschäftsführerin Weisband will E-Book ohne Kopierschutz veröffentlichen

Die digitale Version von Marina Weisbands Buch soll ohne Kopierschutz im Internet erhältlich sein. Dafür verzichtet die frühere Geschäftsführerin der Piratenpartei nach SPIEGEL-Informationen sogar auf einen Teil ihres Honorars - und geht damit einen anderen Weg als eine Parteikollegin.

Autorin Weisband: "Für gute Inhalte wird bezahlt"
dapd

Autorin Weisband: "Für gute Inhalte wird bezahlt"


Hamburg - Die frühere Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, wird ihr im März erscheinendes Buch auch als E-Book ohne Kopierschutz auf den Markt bringen. Wie der SPIEGEL berichtet, soll jeder Käufer das Buch im Internet unbeschränkt weiterverbreiten dürfen, etwa auf Plattformen wie Dropbox. Um das bei ihrem Verlag Klett-Cotta durchzusetzen, verzichtete Weisband auf einen Teil ihres Vorschusses. "Ich bin überzeugt, dass sich das Buch trotzdem verkaufen wird. Für gute Inhalte wird bezahlt", sagte sie.

Weisbands Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie in Kontrast zum Verhalten ihrer Parteikollegin Julia Schramm steht. Das Vorstandsmitglied der Piratenpartei hat das Buch "Klick mich" geschrieben. Ihr Verlag hatte vergangene Woche eine illegale Gratiskopie ihres Debütwerks im Internet sperren lassen. Das hatte Schramm heftige Kritik eingebracht. Die Piraten in Niedersachsen, wo im Januar Landtagswahl ist, forderten sogar Schramms Rücktritt - die Diskussion über ihr Buch und dessen Vermarktung torpediere die Chancen der Partei in dem Bundesland.

Der Urheberrechtsexperte der Piraten, Bruno Kramm, äußerte scharfe Kritik an Schramm: "Ich ärgere mich, dass die Arbeit der Partei mal wieder in ein schräges Licht gerückt wird. Julias Vorgehen konterkariert unsere Programmatik im Urheberrecht." Der politische Geschäftsführer der bayerischen Piraten gehört zu einer Gruppe von Parteimitgliedern, die in dieser Woche eine Broschüre mit Reformvorschlägen zum Urheberrecht vorstellen.

Diese Meldung kommt aus dem neuen SPIEGEL. Hier können Sie das neue Heft direkt kaufen oder ein Abo abschließen.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kein Ideologe 23.09.2012
1.
Zitat von sysopdapdDie digitale Version von Marina Weisbands Buch soll ohne Kopierschutz im Internet erhältlich sein. Dafür verzichtet die frühere Geschäftsführerin der Piratenpartei nach SPIEGEL-Informationen sogar auf einen Teil ihres Honorars - und geht damit einen anderen Weg als eine Parteikollegin. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,857489,00.html
schon besser. Aber eben nur eine Lösung, wenn man anderweitig ausreichende Einkünfte hat, oder zumindest sicher ist, die jederzeit wieder generieren zu können. Der Autor, der eine Familie ernähren muß, kann sich solche Großherzigkeit nicht leisten.
black_dave 23.09.2012
2.
Eine tolle Idee. Mal schauen was daraus wird
danido 23.09.2012
3. Nein Ja
Zitat von kein Ideologeschon besser. Aber eben nur eine Lösung, wenn man anderweitig ausreichende Einkünfte hat, oder zumindest sicher ist, die jederzeit wieder generieren zu können. Der Autor, der eine Familie ernähren muß, kann sich solche Großherzigkeit nicht leisten.
Dann sollte dieser Autor sich einen Beruf suchen für den er besser geeignet ist.
Zephira 23.09.2012
4.
Zitat von kein Ideologeschon besser. Aber eben nur eine Lösung, wenn man anderweitig ausreichende Einkünfte hat, oder zumindest sicher ist, die jederzeit wieder generieren zu können. Der Autor, der eine Familie ernähren muß, kann sich solche Großherzigkeit nicht leisten.
Um sich ihre Glaubwürdigkeit zurückzukaufen, sollten die Piraten eine Spendenaktion für Künstler starten. Eine Zahlung in Höhe des zehnfachen Vorschusses, das Frau Schramm ging, sollte angemessen sein. Natürlich an die GEMA - es soll ja schließlich wehtun. Da können die Piraten ja mal beweisen, wie gut die freiwillige Entgütung funktioniert...
Atheist_Crusader 23.09.2012
5.
Zitat von kein Ideologeschon besser. Aber eben nur eine Lösung, wenn man anderweitig ausreichende Einkünfte hat, oder zumindest sicher ist, die jederzeit wieder generieren zu können. Der Autor, der eine Familie ernähren muß, kann sich solche Großherzigkeit nicht leisten.
So ist das halt. Mit dem Vertrauenssystem kann man sich sehr leicht auf die Nase legen. Es hat zwar schon funktioniert, aber nie uneingeschränkt. Manche Bands haben so Geld gemacht - das waren aber keine Nobodys die niemand kennt, sondern solche, die schon mit zahllosen (konventionell vermarkteten) Alben Geld gemacht hatten. Für die breite, halb-anynome Masse der kleineren Kunstschaffenden ist das aber keine Option. Wenn die auf die Großzügigkeit der Leute vertrauen, dann verhungern sie.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.