Literatur-Nobelpreisträger 2010 Vargas Llosa findet Nobelpreis für Dylan frivol

"Die Kultur ist zu Unterhaltung geworden", klagt der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Ein Indiz dafür sieht der Nobelpreisträger für Literatur darin, dass auch Bob Dylan diesen Titel tragen soll.

Mario Vargas Llosa
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Mario Vargas Llosa


Der peruanische Autor Mario Vargas Llosa sieht die Zuerkennung des Literaturnobelpreises an den US-Musiker Bob Dylan kritisch. "Bob Dylan ist ein guter Sänger, aber er ist längst kein großer Schriftsteller", sagte der Romancier der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview in Berlin.

Die Entscheidung habe ihn sehr überrascht. "Ich glaube, das ist Ausdruck der zunehmenden Frivolität der Kultur in unserer Zeit", ergänzte Vargas Llosa ("Das Fest des Ziegenbocks"), der 2010 selbst mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden war.

"Es gibt viele Schriftsteller, die den Nobelpreis verdient hätten und beiseitegelassen worden sind. Aber dies ist die Zivilisation des Spektakels, und sie reicht inzwischen bis zur Schwedischen Akademie", ergänzte er.

Der 80-Jährige Vargas Llosa hat in Berlin seinen neuen Roman "Die Enthüllung" präsentiert, der im Peru der späten Neunzigerjahre spielt. Dylan, 75, hatte den diesjährigen Literaturnobelpreis als erster Songschreiber für seine poetischen Neuschöpfungen in der amerikanischen Songtradition zugesprochen bekommen.

feb/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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ambulans 27.10.2016
1. bravo,
MVL - "zivilisation des spektakels"(!). besser kann mans nicht ausdrücken ...
irene_vaplus 27.10.2016
2. Märkte
Ja, grüß Gott Herr Vargas Llosa: Wo alles ein Markt ist, ist das Spektakel konstitutiv. Wenn Sie das nicht wollen, laufen Sie aus, was nicht schlimm ist, da Sie ja Ihr Spektakel hatten.
el.tako 27.10.2016
3. Lhosa wer?
Man kann nicht behaupten, dass die Schriften von Herrn Losha die Welt bewegten. Eine kurze Umfrage unter Kollegen zeigt, dass der Bekanntheitsgrad auch nicht besonders hoch ist. Im Gegensatz dazu hat das Werk von Herrn Dylan weltweite Aufmerksamkeit gefunden. Er schrieb Texte und Lieder die zu Hymnen der Bürgerbewegung, der Jungendkultur und der Veränderung der Welt in den 60ern wurden. Er hat die Welt nicht verändert, aber er hat mit seinen Liedern den Veränderungen seiner Zeit Ausdruck verliehen. DAS IST KULTUR! Bei Herrn Lohsa warten wir noch darauf.
Atheist_Crusader 27.10.2016
4.
"Die Kultur ist zu Unterhaltung geworden" Was genau war sie denn vorher?
doctoronsen 27.10.2016
5. Hier irrt Herr Vargas Llosa
Vergeben worden ist der Nobelpreis für Literatur, nicht der Nobelpreis für Schriftsteller.
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