Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung Masha Gessen für Russland-Buch geehrt

Mit ihrem Buch "Die Zukunft ist Geschichte" versucht Masha Gessen, Russland zu verstehen. Dafür wird die russisch-amerikanische Journalistin und Autorin bei der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet.

Masha Gessen
Tanya Sazansky

Masha Gessen


Masha Gessen erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2019. Ausgezeichnet wird die russisch-US-amerikanische Journalistin und Schriftstellerin für ihr Sachbuch "Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und wieder verlor", teilte die Stadt am Mittwoch mit.

Gessen beschreibt in ihrem Buch Russland von den Achtzigerjahren bis heute. Ihre Grundfrage lautet: Wie konnte es dazu kommen, dass eine Gesellschaft, die zu Freiheit und Emanzipation aufgebrochen war, nun unter Repression leidet? Für ihr Werk sprach Gessen, die unter anderem auch für den "New Yorker" schreibt, mit vier Menschen der Generation 1984.

"Immer häufiger flackert das Feuer der Intoleranz auf, immer häufiger begleitet von Gewalt. Mancherorts entsteht ein Flächenbrand, der eine auf Respekt und Freiheit gründende gesellschaftliche Dynamik zu zerstören droht. In diesen schwierigen Zeiten überzeugt die Hingabe, die Dringlichkeit, die kraftvoll engagierte Intelligenz, mit der uns Masha Gessen als Autorin und auch als Bürgerin begegnet", hieß es in der Begründung der fünfköpfigen Jury. Der Preis wird Masha Gessen anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse am 20. März 2019 im Gewandhaus zu verliehen.

Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung, die seit 1994 vergeben wird, zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat die norwegische Autorin Åsne Seierstad den Preis für ihren Breivik-Roman "Einer von uns" erhalten.

ipp



insgesamt 2 Beiträge
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Bernd.Brincken 22.11.2018
1. Repression
Habe das Buch nicht gelesen, aber die Nachricht über die Preis-Verleihung ist per se ebenso Kommentar-würdig. Die neuere Geschichte Russlands als Abstieg zu resümieren, wird der Sache nicht gerecht - und nährt den Verdacht, dass sich hier einmal wieder jemand dem aktuellen geopolitischen Trend andienen möchte. Es fand und findet dort auch eine gesellschaftliche Differenzierung statt, die nur eben - genau wie in Teilen Europas und den USA - nicht unbedingt den aufklärerischen Weg einschlägt, den sich nachdenkliche Menschen als unvermeidlichen Zukunftspfad für die Menschheit wünschen. In Wirtschaft, Kultur und Politik ist Russland auch heute noch deutlich liberaler als z.B. China. Und mit der Reisefreiheit besteht ein wesentliches Freiheitsrecht weiterhin, das aufgrund der Einkommensentwicklung auch viele Russen wahrnehmen könnten: Wer sich in ein Flugzeug setzt und ausreist, wie lange und mit welchen Motiven auch immer, wird nicht abgehalten. Allein das ist gegenüber 1990 ein großer Fortschritt.
modemhamster 22.11.2018
2. Die Freiheit
unter Jelzni bestand darin, alle Schätze in den Ausverkauf zu geben und er Welt zu sozialverträgliches Frühableben nicht mehr auf die Nerven zu gehen. Seit einigen Jahren steigt die Lebenserwartung in Russland kontinuierlich an, es gibt eine rege und kontroverse Presselandschaft, und wirtschaftlich geht es auch weiter vorwärts. So what?
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