US-Dichterin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou ist tot

Maya Angelou galt als bedeutende US-Bürgerrechtlerin. Sie trat bei der Amtseinführung Bill Clintons auf - auch Nelson Mandela zitierte sie. Nach einem bewegten Leben ist die Autorin nun im Alter von 86 Jahren gestorben.

Maya Angelou (1928-2014): "Mahnerin zu Einheit und Vernunft"
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Maya Angelou (1928-2014): "Mahnerin zu Einheit und Vernunft"


In Amerika zählte die am 4. April 1928 in St. Louis geborene Mary Angelou zu den meistgelesenen Autoren. Bekannt wurde Margaruite Annie Johnson, wie Angelou mit Geburtsnamen hieß, nach der Veröffentlichung ihrer Kindheits- und Jugenderinnerungen im Jahr 1970. In "I Know Why The Caged Bird Sings" (dt. "Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt"), das zwei Jahre lang auf der Bestsellerliste stand, erzählte Angelou von ihrer traumatischen Kindheit und Jugend in den Jahren der Rassentrennung.

Als sie drei Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern, die Mutter, eine Nachtclubsängerin, die mehrere Hotels und Bars besaß, schickte sie mit ihrem älteren Bruder Bailey nach Stamps, Arkansas, um dort bei der Großmutter väterlicherseits zu bleiben. Als Angelou vier Jahre später zu ihrer Mutter nach San Francisco zurückkehrte, wurde sie bald darauf von deren Freund missbraucht. Dieses Erlebnis und die Tatsache, dass der Mann wenig später zu Tode geprügelt wurde, ließen sie für die nächsten fünf Jahre buchstäblich verstummen. Obwohl der Tod dieses Mannes in keinerlei Zusammenhang mit ihrem Schicksal stand, war sie in dem Glauben, dass sie allein durch das Aussprechen seines Namens für seinen Tod mitverantwortlich gewesen sei. Sie glaubte, jeden zu töten, den sie beim Namen nannte.

Aus dieser sprachlosen Welt holte sie die Liebe zur Poesie, wie Angelou in ihrer Autobiographie bekannte - diese literarische Gattung sollte die bevorzugte Form ihres Werks werden. In mehreren Bänden schrieb die Schriftstellerin, die in Deutschland längst nicht so viel gelesen wurde wie im angloamerikanischen Sprachraum, ihr Leben fort, ein Leben, in dem sie, bevor sie als Autorin Erfolg hatte, Nachtclubtänzerin, Sängerin, Prostituierte, Zuhälterin und Journalistin war und später auch als Schauspielerin und Regisseurin arbeitete. Angelou führte ein Leben mit vielen Brüchen, sie lebte unter anderem in Ghana und Ägypten. Sie war die erste weibliche schwarze Straßenbahnschaffnerin in San Francisco. Als Sängerin arbeitete sie in Hollywood mit Ikonen wie Billie Holiday, Harry Belafonte und Sidney Poitier zusammen. Prägend wurde für sie die Zusammenarbeit mit Martin Luther King ab 1959, als sie Koordinatorin seiner Organisation wurde und zu einer wichtigen Figur im Bürgerrechtskampf. Auch mit Malcolm X war sie befreundet. Als Schauspielerin wirkte sie in Filmen wie "Ein amerikanischer Quilt" (1995) mit.

Der Erfolg ihres autobiographischen Debüts steigerte ihren Bekanntheitsgrad als Dichterin. Angelous 1971 publizierter Lyrikband "Just Give Me A Cool Drink of Water 'Fore I Die" wurde für den Pulitzer-Preis nominiert. Nicht nur ihrer Reputation als Lyrikerin, sondern auch dem kleinen Ort Stamps in Arkansas, wo sie einen Großteil ihrer Kindheit verbracht hatte, war es zuzuschreiben, dass der im Jahr 1992 zum Präsidenten gewählte Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, sie dazu auserkor, ein Gedicht zu seiner Amtseinführung zu schreiben und zu verlesen. Nach dem Inaugurationsgedicht "On the Pulse Into Morning" schnellte die Auflage von Angelous Gedichtbänden nach oben und sie genoss den Ruf "als gütige Urgroßmutter Amerikas, als Mahnerin zu Einheit und Vernunft", wie die "Süddeutsche Zeitung" zuletzt schrieb.

Insgesamt veröffentlichte Angelou 30 Bücher, in denen sie, wie die Kritik befand, Amerika den Spiegel vorhielt. Angelou selbst, deren erster Ehemann aus Griechenland stammte, bezeichnete sich gerne als "people's poet". Sie inspirierte auch Nelson Mandela. Der südafrikanische Freiheitskämpfer und Staatspräsident rezitierte bei seiner Amtseinführung 1994 ein Gedicht Angelous. Im Dezember 2013 verfasste die Dichterin nach dem Tod Mandelas ein Gedicht zu dessen Ehren mit dem Titel "His Day is Done".

Maya Angelou starb, wie ihre Agentin in den USA mitteilte, am Donnerstag in ihrer Wahlheimat North Carolina.

tha/AP



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