Meister der Klarheit Lyriker Walter Helmut Fritz gestorben

Er wurde oft gelobt für die Schnörkellosigkeit seines Stils und galt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker der Nachkriegszeit. Der Schriftsteller und Dichter Walter Helmut Fritz ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Walter Helmut Fritz 1999: Gespür für Nuancen
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Walter Helmut Fritz 1999: Gespür für Nuancen


Hamburg - Walter Helmut Fritz schrieb Romane ("Die Verwechslung"), Essays und arbeitete als Übersetzer, doch seine Herzensangelegenheit blieb in einem halben Jahrhundert literarischen Schaffens stets die Lyrik. Wie der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe am Montag bestätigte, starb der Dichter bereits am vergangenen Samstag nach langer Krankheit. Er wurde 81 Jahre alt.

Zahlreiche Auszeichnungen zeugen von Fritz' Bedeutung in der literarischen Szene im deutschsprachigen Raum, darunter der Georg-Trakl-Preis und der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Fritz war ein Meister der leisen Töne, der wegen seiner einfachen Sprache, seines unaufgeregten Stils und vollständigen Mangels an Pathos immer wieder gelobt wurde. In einem Nachruf schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", er habe es nie auf Bestseller-Ruhm abgesehen, was sich auch in seinen Werken zeige.

Bekannt wurde Fritz vor allem mit seiner Lyrik: Seine ersten Gedichte erschienen in den fünfziger Jahren und stießen gleich auf großes Interesse. Er verzichtete auf sprachliche Schlenker und Schnörkel. Seine Lyrik war klar, ohne Eitelkeit, schlicht und in gewisser Weise zeitlos; seine Gedichte beschäftigten sich mit der Natur, der Schilderung von Alltagsgegenständen und Beobachtungen.

"Die Zeit" bescheinigte Fritz schon vor über zwanzig Jahren ein Gespür für Nuancen, das seine Sparsamkeit an Stilmitteln aufwiegt. "Den Anspruch seines Programms vermag Fritz immer dort zu erfüllen, wo er durch genaues Beobachten das Wesen der Dinge erschließt, wo er nur mitteilt, was durch seine sinnliche Erfahrung verbürgt ist."

Stark beeinflusst war der Schriftsteller von seinem Interesse für französische Literatur. Unter anderem übertrug er Gedichte von Jean Follain, Philippe Jacottet oder René Ménard ins Deutsche. Zu seinen Werken gehören zahlreiche Gedichtbände wie "Zugelassen im Leben", "Maskenzug" und "Herzschlag. Die Liebesgedichte", aber auch der erfolgreiche Roman "Die Verwechslung" sowie drei weitere Romane.

Im vergangenen Jahr war zu seinem 80. Geburtstag sein Gesamtwerk in drei Bänden erschienen. Es umfasst zum einen Gedichte und Prosagedichte, vier Romane aus den sechziger und siebziger Jahren sowie seine vielfältige Prosa.

can/dpa/dapd



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