Mexikanischer Schriftsteller: Carlos Fuentes ist tot

Er war einer der Großen der spanischsprachigen Gegenwartsliteratur: Der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes ist gestorben. Staatspräsident Felipe Calderón twitterte: "Auf dass er in Frieden ruhe."

Carlos Fuentes (1928 - 2012) Zur Großansicht
REUTERS

Carlos Fuentes (1928 - 2012)

Der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 83 Jahren an einem Herzschlag, wie Medien in Mexiko berichteten. Außenministerin Patricia Espinoza schrieb: "Er hinterlässt uns ein großes literarisches und intellektuelles Erbe." Präsident Felipe Calderón gab den Tod des Autors am Dienstag über Twitter bekannt. "Auf dass er in Frieden ruhe", schrieb er.

Nach Aussage seines Arztes starb Fuentes an einer inneren Blutung im Verdauungstrakt. Er wurde in das nahe gelegene Krankenhaus Ángeles del Pedregal gebracht, wo er kurz darauf verstarb. Ursache der Blutung sei vermutlich ein Magengeschwür gewesen. In ersten Medienberichten war zunächst von einem Herzschlag als Todesursache die Rede gewesen.

Der Autor von Werken wie "Die gläserne Grenze, "Terra nostra", "Nichts als das Leben" oder "Alle Katzen sind grau" war 1928 in Panama geboren. Er gehörte zu den ganz großen der spanischsprachigen Gegenwartsliteratur und wurde oft in einem Atemzug mit den Nobelpreisträgern Gabriel García Márquez (85) oder Octavio Paz (1914-1998) genannt.

Lange Zeit wurde der schnauzbärtige Mexikaner jedes Jahr wieder zu jenen gezählt, die ebenfalls mit dem Literaturnobelpreis geehrt werden sollten. Doch der Autor selbst gab den Glauben daran irgendwann auf: "Ich glaube, meine Generation wurde mit ausgezeichnet, als García Márquez 1982 den Preis erhielt."

Wie viele mexikanische Dichter hat sich Fuentes in seinem Schaffen in erster Linie mit der Geschichte seines Landes auseinandergesetzt, um dessen Vergangenheit zu analysieren und diese scharf mit der Gegenwart zu konfrontieren.

Eines seiner wichtigsten Bücher, der 1962 erschienene Roman "La muerte de Artemio Cruz" (in Deutschland unter dem Titel "Nichts als das Leben" erschienen), schildert in stilistischer Brillanz die blutige Geschichte der mexikanischen Revolution und geht bitter mit dem Verrat an deren Idealen ins Gericht. Zugleich schildert er darin den moralischen Verfall derjenigen, die dank der Revolution zu Reichtum und Macht kamen.

Fuentes war immer auch ein politischer Mensch, mit ausgeprägten Sympathien für den Sozialismus. Oft wurde er als "Marxist im Smoking" tituliert. Doch auch Fuentes verlor einige seiner früheren Illusionen: "Wir alle haben sehr an die kubanische Revolution geglaubt. Und ich glaube, dass dieser Enthusiasmus nur noch von sehr wenigen Lateinamerikanern geteilt wird."

1987 erhielt er den Cervantes-Preis, der als wichtigste Auszeichnung für spanischsprachige Literatur gilt. 2004 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen.

Stark beeinflusst wurde Fuentes - der Cervantes' "Don Quijote" liebte - auch von der deutschen Literatur, nach seiner Meinung die "reichste des 20. Jahrhunderts". Thomas Manns "Doktor Faustus" sei für ihn "vielleicht der größte europäische Roman".

tok/dpa/afp/ap

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Ein ganz Großer
widower+2 15.05.2012
war Carlos Fuentes! Ich kann nur jedem die Lektüre empfehlen. Insbesondere unseren Politikern!
2. Lesetips!
Blaue Fee 16.05.2012
Romane des Autoren: La región más transparente / 1958 Las buenas conciencias / 1959 La muerte de Artemio Cruz / 1962 Aura / 1962 Zona Sagrada / 1967 Cambio de piel / 1967 Cumpleaños / 1969 Terra Nostra / 1975 La cabeza de la hidra / 1978 Una familia lejana / 1980 Agua Quemada / 1983 Gringo Viejo / 1985 Cristóbal Nonato / 1987 Constancia y otras novelas para vírgenes / 1990 La campaña / 1990 Los años con Laura Díaz /1999 Instinto de Inez / 2001 La silla del águila / 2003 Todas las familias felices / 2006 La voluntad y la fortuna / 2008 Adán en Edén / 2009 Vlad / 2010 Erzählungen: Los días enmascarados / 1954 Cantar de ciegos / 1964 Chac Mool y otros cuentos / 1973 Agua quemada / 1983 El naranjo / 1994 La frontera de cristal. Una novela en nueve cuentos / 1995 Cuentos fantásticos / 2007 Cuentos naturales / 2007 Carolina Grau / 2010 Zwei weitere Romane werden wohl in den nächsten Wochen veröffentlicht.
3. Der alte Gringo
Hermit1 16.05.2012
"Und die Grenze hier drinnen?" hatte die Gringa gesagt und auf ihren Kopf gedeutet. "Und die Grenze hier drinnen?' hatte der General Arroyo gesagt und auf sein Herz gedeutet. "Es gibt eine Grenze, ueber die wir nur bei Nacht zu gehen wagen", hatte der alte Gringo gesagt: "die Grenze unserer Verschiedenheit von den anderen, unsere Kaempfe mit uns selbst". Vaya con Dios, Carlos Fuentes!
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