Michel Houellebecq lobt "Trump ist einer der besten US-Präsidenten"

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ("Unterwerfung") provoziert gern. Nun hat er in einem US-Magazin ein Loblied auf Präsident Trump gesungen. Der sei eine "notwendige Qual" für die Amerikaner.

Michel Houellebecq (2016 in Buenos Aires)
imago/ ZUMA Press

Michel Houellebecq (2016 in Buenos Aires)


Frankreichs umstrittener Starschriftsteller Michel Houellebecq hat sich als Fan von US-Präsident Donald Trump geoutet. Der Milliardär sei "einer der besten amerikanischen Präsidenten, die ich jemals gesehen habe", schrieb Houellebecq in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag für das New Yorker "Harper's Magazine". Der notorische Provokateur singt darin ein Loblied auf Trump wegen dessen protektionistischer Handelspolitik, der Verachtung für die EU und den harten Umgang mit Staatschefs wie Wladimir Putin und Kim Jong Un.

Zwar beginnt der wegen seiner lakonischen Romane weltweit gefeierte Autor den Artikel, indem er Trump als "schrecklichen Clown" bezeichnet. Anschließend überschüttet er den Republikaner aber mit Lob. "Es scheint, dass es Präsident Trump sogar gelungen ist, den nordkoreanischen Irren zu bändigen; ich fand diese Heldentat in einem positiven Sinn edel", schrieb Houellebecq.

Ganz allgemein kann er Trumps Außenpolitik einiges abgewinnen. "Die Vereinigten Staaten sind nicht länger die führende Macht der Welt." Das müsse für die Menschen in dem Land "nicht notwendigerweise eine schlechte Nachricht sein" - für den Rest der Welt sei es jedenfalls eine "gute Nachricht". Der Grund: "Die Amerikaner lassen uns existieren." Auch ein mögliches Ende der Nato wäre ein "neuer Grund, ein Loblied auf Präsident Trump zu singen". Zum Schluss wendet sich der Schriftsteller an das "ehrenwerte amerikanische Volk": Vielleicht werde man letztendlich Trump als "notwendige Qual" sehen.

Neues Buch für Januar angekündigt

Houellebecq war in der Vergangenheit immer wieder mit politischen Provokationen in Erscheinung getreten. In seinem 2015 erschienenen Bestseller "Unterwerfung" ließ er einen islamistischen Kandidaten die Präsidentschaftswahl in Frankreich im Jahr 2022 gewinnen. Am Tag, als die französische Fassung von "Unterwerfung" erschien, verübten Islamisten einen Angriff auf die Pariser Satirezeitung "Charlie Hebdo".

Für Januar 2019 ist ein neues Buch von Michel Houellebecq angekündigt. Sein deutscher Verlag, Dumont, konnte allerdings noch keine Hinweise auf den Inhalt geben - nicht einmal der Titel der Übersetzung ist bisher bekannt. Anders beim französischen Original: Da wurde in dieser Woche der Titel "Sérotonine" veröffentlicht - nach dem Glückshormon.

In ihrem sehr gelungenen Porträt des Schriftstellers, "Wer ist Michel Houellebecq? Porträt eines Provokateurs" (Rowohlt 2017), schreibt die "FAS"-Literaturverantwortliche Julia Encke, Houellebecqs Grenzüberschreitung falle "in den Bereich seiner künstlerischen Strategien", sie sei Teil seiner Performance. "Sind Sie ein Provokateur?", habe ihn der Moderator einer französischen Talkshow einmal gefragt. Encke zitiert Houellebecqs Antwort: "Ja, von Zeit zu Zeit, wenn ich mich langweile."

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den französischen Titel des kommenden Romans ergänzt.

feb/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
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dasfred 14.12.2018
1. Er verknüpft das Angenehme mit dem Nützlichen
So kann er seinen Selbsthass kanalisieren, bleibt im Gespräch, pflegt sein Ego und macht damit sein Geld. Man kann Bücher schreiben, um der Welt etwas wichtiges mitzuteilen, man kann sich aber auch selbst wichtig machen, indem man durch Provokation Aufmerksamkeit generiert.
Edgard 14.12.2018
2. Über diesen Autor...
... und seine kruden Ansichtenauch nur ein Wort zu verlieren ist eigentlich schon eins zuviel. Wer nur als "enfant terrible" wahrgenommen wird ist kaum Ernstzunehmen; in der Zuisammenfassung mehrerer französischer Kurzgeschichten ("Blau-Weiß-Rot...", Hrsg. u.a. Olga Mannheimer) sind auch zwei von Hollebeque enthalten, u.a. seine Sicht auf die eigene Mutter. Ohne dem vorgreifen zu wollen - es sagt m.E. viel über seinen Charakter aus sich so zu äussern, das in die Öffentlichkeit zu tragen und damit noch Geld zu verdienen. Da wäre schon "zivilisierte Verachtung" (M. Schmidt-Salomon über Toleranz, Akzeptanz und seine Grenzen) angebracht.
gracie 14.12.2018
3. Monsieur Houellebecq...
...wird meiner Meinung nach völlig überbewertet. Sein Werk Unterwerfung hat mich persönlich, fürchterlich gelangweilt, habe es mit viel Mühe und gähnen fertig gelesen. Provokateur ? Eher nicht, es sind die Medien die ihm dieses Lable aufgedruckt haben und ihm eine Bühne zur verfügung stellen. Was er von Trupm hält ist völlig irrelevant und keinen Artikel in der internationalen Presse wert.
Jetztredich 14.12.2018
4. Loblieder
Das Ende von Nato und EU gibst tatsächlich Anlaß für Loblieder auf Trump. Die werden aber nicht von uns, sondern von den Wladimir Putin und Xi Jinping gesungen werden, mit Inbrunst.
Redeye 14.12.2018
5. Notwendiges Übel?
Mir fällt zu Trump nichts positives ein, außer vielleicht, dass durch ihn zumindest einige, die bisher die USA für unfehlbar hielten, endlich die Augen öffnen und sehen, was die USA sind: Eine Oligarchie, die ständig neue Kriege anzettelt, weil einige sehr gut daran verdienen, ein Land, dessen Abgeordnete ihren Wahlkampf durch Pharmaindustrie und Großkonzerne finanzieren lassen und deren Entscheidungen in Kongress und Senat dementsprechend ausfallen, ein Land, dessen Gefängnissystem privatisiert und sehr lukrativ ist, was dazu führt, dass immer mehr Menschen für lächerliche Vergehen in den Knast kommen, ein Land, in dem 90 % aller Medien in der Hand von 6 Konzernen sind, ein Land, das seine Einwohner dumm und arm hält, um sie besser auszubeuten. Ich könnte noch eine Weile weiter schreiben, aber das reicht fürs Erste. Das ist zwar alles schon länger so, aber seit Trump traut man sich endlich wieder, die USA zu kritisieren. Vielleicht meint Houellebecq das mit "notwendige Qual".
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