Rechter "Jugendkulturpreis" Michel Houellebecq wehrt sich gegen Pegida-Vereinnahmung

Der französische Erfolgsautor als Namenspatron der Rechten? Ein Chemnitzer Blatt aus dem Pegida-Umfeld hat den "Michel-Houellebecq-Jugendkulturpreis" ausgeschrieben. Jetzt will der DuMont-Verlag juristische Schritte prüfen.

Von Volker Weiß

DPA

Hamburg - Michel Houellebecq verwahrt sich gegen den Missbrauch seines Namens durch rechte Medien. Noch vor dem Erscheinen von Michel Houellebecqs neuem Roman "Unterwerfung" schrieb die der neuen Rechten zugeordnete Jugendzeitschrift "Blaue Narzisse" im Jahr 2014 den "Michel-Houellebecq-Jugendkulturpreis" aus. Einsendeschluss für "Lyrik, Prosa und visuelle Künste" war der 30. November, die Gewinner sollen voraussichtlich im Februar 2015 bekannt gegeben werden.

Allerdings war diese Namensnennung weder mit dem Autor noch mit seinem Verlag abgesprochen: "Ich wußte nichts von diesem Preis und habe niemals mein Einverständnis dazu gegeben", sagte Houellebecq auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Sein deutscher Verlag DuMont will nun rechtliche Schritte gegen die Benennung der Auszeichnung prüfen.

Houellebecq hatte sich in Interviews nach dem Erscheinen seines Nummer-eins-Bestsellers immer wieder gegen jede Vereinnahmung seines Werkes durch politische Gruppen verwahrt.

Die von einem Chemnitzer Verein herausgegebene Schüler- und Studentenzeitung "Blaue Narzisse" erscheint unregelmäßig und ist vor allem als Blog präsent. Sie hat im Rahmen von Pegida erstmals bundesweit Aufmerksamkeit erfahren. Ihr Dresdner Büro unterstützte die rechtspopulistische Bewegung von Beginn an. Die "Blaue Narzisse" prägte bereits im Oktober die Schlagzeile "Dresden zeigt, wie's geht!", die schließlich zu einer zentralen Parole von Pegida wurde.

Die Schlüsselfiguren dieser Szene sind einschlägig bekannt. 2009 demonstrierte "Blaue Narzisse"-Gründer Felix Menzel gemeinsam mit dem extrem rechten Verleger Götz Kubitschek vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen eine deutsche Beteiligung an französischen Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs. Kubitschek trat sowohl bei Pegida als auch bei deren Leipziger Ableger Legida als Redner auf. Menzel und seine Mitarbeiter richten zudem ein von Kubitschek ins Leben gerufenes Treffen für Verlage und Organisationen der extremen Rechten aus. Die "Blaue Narzisse" verfügt auch über gute Kontakte in das Milieu nationalistischer Studentenverbindungen - und steht zudem der Identitären Bewegung nahe.

Ausgerechnet die jedoch kommt in Houellebecqs Erfolgsbuch nicht gut weg: Die Köpfe hinter der Islamisierung Europas seien konvertierte Identitäre.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
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tpro, 12.02.2015
1. Na und,
die Welt wird es verkraften, wenn er juristische Schritte prüft.
mightyschneider 12.02.2015
2. Fundament
Menzel und Kubitschek sind einschlägig bekannt, nämlich als Publizisten, die mit ihrer Arbeit erfolgreich genug waren, um gegen den Zeitgeist zu bestehen. "Extrem" rechte Aussagen sind mir von keinem der beiden bekannt. Zu einem guten Journalismus gehört m. M. n., eine solche Aussage zu fundieren. Schade, dass das im Artikel nicht geschehen ist.
chrisof 12.02.2015
3.
dass "Blaue Narzissen-Gründer" Menzel und Kubitschek heutzutage noch gegen die Waffenstillstandsfeierlichkeiten zur Beendigung der beiden Weltkriege am 11.11.1918 respektive 08.05.1945 auf die Straße gehen, spricht für sich und gegen sie. In Frankreich sind diese Tage Nationalfeiertage "armistice" (armistice= Waffenstillstand) und "Braune Nazies" wäre als Name der "Schüler- und Studentenzeitung" ehrlicher gewesen. Warum schreitet das sächsische Kuturministerium nicht ein? Wieweit sind wir schon wieder?
karl-wanninger 12.02.2015
4. ach ja die
Vielleicht ist es Ihnen ja bisher entgangen, aber Menzel und Kubitschek bezeichnen sich selbst als "neue" Rechte und im Artikel steht nichts anderes geschrieben...
karl-wanninger 12.02.2015
5. Ach ja, die...
Zitat von mightyschneiderMenzel und Kubitschek sind einschlägig bekannt, nämlich als Publizisten, die mit ihrer Arbeit erfolgreich genug waren, um gegen den Zeitgeist zu bestehen. "Extrem" rechte Aussagen sind mir von keinem der beiden bekannt. Zu einem guten Journalismus gehört m. M. n., eine solche Aussage zu fundieren. Schade, dass das im Artikel nicht geschehen ist.
... "Lügenpresse" Vielleicht ist es Ihnen ja bisher entgangen, aber Menzel und Kubitschek bezeichnen sich selbst als "neue" Rechte und im Artikel steht nichts anderes geschrieben...
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