Literaturnobelpreisträger Mo Yan fordert Freiheit für Regimekritiker

Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan gilt als staatsnah und regierungstreu. Doch jetzt spricht sich der 57-Jährige für den inhaftierten chinesischen Aktivisten Liu Xiaobo aus: "Ich hoffe, er erlangt seine Freiheit so schnell wie möglich."

REUTERS

Hamburg - Liu Xiaobo war vor zwei Jahren selbst ein Nobelpreis verliehen worden: der Friedensnobelpreis. "Ich hoffe, er erlangt seine Freiheit so schnell wie möglich", sagte Literaturnobelpreisträger Mo am Freitag vor Journalisten in seiner Heimatstadt Gaomi in der ostchinesischen Provinz Shandong.

Menschenrechtsaktivisten und andere Schriftsteller sagten, Mo sei des Preises nicht würdig. Sie verstehen nicht, warum sich der Literaturnobelpreisträger bislang weigerte, etwas zur Notlage von Liu Xiaobo zu sagen.

Kritik kommt auch vom diesjährigen Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels: Der regimekritische Schriftsteller Liao Yiwu bezeichnete Mo Yan am Freitag als "Staatsautor". Der in China verfolgte Schriftsteller sagte, Mo vertrete das Regime. Zwar habe Mo Yan literarisch eine hohe Ebene erreicht. Es gehe ihm aber nicht um die Menschenrechte im kommunistischen China. "Erstens kommt die Wahrheit, zweitens die Literatur", sagte Liao, der seit seiner Flucht aus China im vergangenen Jahr in Berlin lebt. In seiner Heimat saß der Dissident mehrere Jahre im Gefängnis.

Mo erklärte, er habe in den achtziger Jahren einige von Lius literarischen Kritiken gelesen, aber er hätte kein Verständnis für dessen Werke, seitdem diese politisch geworden seien.

Liu Xiaobo ist einer der prominentesten Inhaftierten Chinas. 2009 wurde er zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Seit 1989 ist Liu politisch aktiv. Er erlebte die Demonstrationen auf dem Platz des himmlischen Friedens und setzt sich seitdem für Menschenrechte in China ein. Liu Xiaobo ist einer der Initiatoren der "Charta 08", die Reformen und den Schutz von Menschenrechten fordert. Seine Frau, die für ihn den Preis entgegennehmen wollte, steht seitdem unter Hausarrest.

Als einer der schärfsten Kritiker der diesjährigen Literaturnobelpreisvergabe gilt der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei. "Einen Nobelpreis an jemanden zu geben, der von der Realität abgehoben lebt, ist eine rückständige und unsensible Verfahrensweise", sagte Ai der Tageszeitung "Die Welt".

kha/Reuters/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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spejismo 12.10.2012
1. Weiter so Mo Yan !
Zitat von sysopREUTERSDer Literaturnobelpreisträger Mo Yan gilt als staatsnah und regierungstreu. Doch jetzt spricht sich der 57-Jährige für den inhaftierten chinesischen Aktivisten Liu Xiaobo aus: "Ich hoffe, er erlangt seine Freiheit so schnell wie möglich." http://www.spiegel.de/kultur/literatur/mo-yan-will-sich-fuer-friedensnobelpreistraeger-liu-xiaobo-einsetzen-a-860908.html
Wollen wir hoffen, dass es endlich jetzt Mo Yan gelingt den Friedensnobelpreisträger zu befreien. LIU XIAOBO gehört längst in die Freiheit, mindestens in die, die wir preisen und die einzige, die wir genießen DÜRFEN. Es gibt Menschenrechtler –die ich SEHR bewundere. Es gibt Friedensnobelpreisträger –die ich nicht alle bewundere. Und es gibt auch LITERATUR. Gönnen wir einem Schriftsteller -der weder ein Mörder noch ein Verbrecher ist- die höchste Annerkennung seines literarischen Werkes. Lassen wir ihn den edlen Osloer-Lorbeerkranz tragen. Die Waffen, die Kriege und Gewalt jeglicher Art ermöglichen, werden nicht ausschließlich, aber hauptsächlich, von den sooo demokratischen, sooo liberalen, sooo meinungsfreiheitstliebenden, und überaus sooo friedlichen Ländern hergestellt. Lassen wir die LITEREARISCHE Kirche im Dorf. ODER . . . sollte die EU den Friedensnobelpreis 2012 ablehnen ?
Worldwatch 12.10.2012
2. ""Erstens kommt die Wahrheit, ...
... zweitens die Literatur", sagte Liao." Ich fuerchte, an der "Wahrheit" wird sich Herr Liao auch in seiner Fluchtwahlheimat Berlin/D/"EU" fruchtlos abmuehen. Gibt es "Wahrheit"? Und wenn ja, wieviele? Selbst in der Mathematik gibt es "nur" "bewiesene, hoechste Wahrscheinlichkeiten". Die der Menschheit an "Wahrheiten" angedienten 'Unwahrheiten' hingegen lassen sich -vielfach- als Zahl ausdruecken. Als einfache Zahlenreihen der Mordopfer, im Namen von "ideologischen Wahrheiten".
spejismo 15.10.2012
3. UUUUPSala !
Zitat von spejismoWollen wir hoffen, dass es endlich jetzt Mo Yan gelingt den Friedensnobelpreisträger zu befreien. LIU XIAOBO gehört längst in die Freiheit, mindestens in die, die wir preisen und die einzige, die wir genießen DÜRFEN. Es gibt Menschenrechtler –die ich SEHR bewundere. Es gibt Friedensnobelpreisträger –die ich nicht alle bewundere. Und es gibt auch LITERATUR. Gönnen wir einem Schriftsteller -der weder ein Mörder noch ein Verbrecher ist- die höchste Annerkennung seines literarischen Werkes. Lassen wir ihn den edlen Osloer-Lorbeerkranz tragen. Die Waffen, die Kriege und Gewalt jeglicher Art ermöglichen, werden nicht ausschließlich, aber hauptsächlich, von den sooo demokratischen, sooo liberalen, sooo meinungsfreiheitstliebenden, und überaus sooo friedlichen Ländern hergestellt. Lassen wir die LITEREARISCHE Kirche im Dorf. ODER . . . sollte die EU den Friedensnobelpreis 2012 ablehnen ?
Sorry ! Ich dachte selbstverständlich "Stockholmer Lorbeerkranz." Schweden entschuldigt es mich nie !
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