Mohammed-Wettbewerb Stadt Frankfurt distanziert sich von Satire-Aktion

Das Satiremagazin "Titanic" hat einen "Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb" ausgeschrieben, die Siegerehrung sollte in einem Frankfurter Museum stattfinden. Dort fürchtet man Übergriffe - und tritt als Gastgeber der Aktion zurück.


Frankfurt/Main - Die Entrüstung war groß, als Anfang Oktober bekannt wurde, dass das Satiremagazin "Titanic" einen "Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb" plane: Türkische Medien griffen die Aktion auf, Journalisten zeigten sich befremdet.

Zeichnung zum "Titanic"-Wettbewerb: Absage an die falschen Propheten

Zeichnung zum "Titanic"-Wettbewerb: Absage an die falschen Propheten

Auch der Stadt Frankfurt muss der satirisch gemeinte Wettbewerb nicht ganz geheuer gewesen sein. Wie "Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer jetzt mitteilte, habe die Stadt die für Samstag geplante Lesung wegen "Sicherheitsbedenken" kurzfristig abgesagt. Der Organisator sucht nun nach einem neuen Veranstaltungsort - hat jedoch keine große Hoffnung, bis zum Wochenende fündig zu werden.

Die Veranstaltung sollte im neuen Museum für Komische Kunst stattfinden, das zum Historischen Museum der Stadt gehört. Von offizieller Seite wurde die Absage zunächst mit Platzmangel begründet. Die "Titanic" sieht das anders: "Die Stadt Frankfurt hat kalte Füße bekommen", war am Donnerstag auf der Homepage der Zeitschrift zu lesen.

"Wir halten die Ängste der Stadt für übertrieben", sagte Chefredakteur Fischer. Man habe nicht vorgehabt, Karikaturen zu zeigen, die Muslime provozieren könnten.

In der Ankündigung des Wettbewerbs hatte das Magazin auch den türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül eingeladen, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Geplant gewesen sei eine Lesung mit "Titanic"-Autoren - "ohne Turbane oder falsche Bärte".

Die Wettbewerbe des Satirehefts haben Tradition, so lud man beispielsweise zum "Theodor-W.-Adorno-Ähnlichkeits-Wettbewerb". In diesem Jahr habe man wegen des Ehrengastes Türkei "den Erfolgsautor Mohammed" als Namensgeber gewählt.

"Unschön und enttäuschend" findet Fischer vor allem den späten Zeitpunkt der Absage: "Name und Konzept waren seit langem bekannt. Aber die Stadt hat wohl das Medienecho unterschätzt." Tatsächlich sei das Museum als Gastgeber in den vergangenen Tagen förmlich "überrannt" worden von Anfragen, berichtete der Leiter des Historischen Museums, Jan Gerchow.

Die Polizei sei zudem in einer "Gefährdungseinschätzung" zu der Einsicht gelangt, dass das "Risiko unkalkulierbar" sei. Protestnoten von Türken oder gar Attentatsdrohungen seien jedoch nicht eingegangen.

ber/dpa



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