Kultur als Ware Monopolkommission empfiehlt Ende der Buchpreisbindung

Ohne "kulturpolitischen Mehrwert"? Die Monopolkommission spricht sich für die Abschaffung der Buchpreisbindung aus. Kulturstaatsministerin Grütters ist "fassungslos".

DPA


Die Buchpreisbindung gilt als Schutz für Buchläden ebenso wie für die Vielfalt der Literatur. Nun empfiehlt die Monopolkommission, die die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät, ihre Abschaffung.

Die Preisbindung für Bücher sei ein schwerwiegender Markteingriff, dem ein nicht klar definiertes Schutzziel gegenüberstehe, heißt es in einer Mitteilung zu einem Sondergutachten der Kommission. Es sei fraglich, ob die Buchpreisbindung einen "kulturpolitischen Mehrwert" schaffe, der den Markteingriff rechtfertige.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) reagierte empört. "Die Empfehlung der Monopolkommission macht mich fassungslos", ließ sie per Mitteilung verlauten. Sie unterhöhle die jahrelangen Bemühungen der Bundesregierung, den unabhängigen Buchhandel und die Verlage als Garanten der literarischen Vielfalt zu schützen. Sie werde sich weiterhin mit aller Kraft für den Erhalt der Buchpreisbindung einsetzen.

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels verwies auf den Koalitionsvertrag, in dem Union und SPD der Preisbindung eine unverzichtbare Rolle für die Vielfalt des deutschen Buchmarktes zugesprochen hätten. Die Buchpreisbindung schütze das "Kulturgut Buch, ohne den Wettbewerb unangemessen zu beschränken, weder für inländische noch für ausländische Händler", sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis.

Strukturwandel kommt so oder so

Das sieht die Monopolkommission anders. Nach ihrer Ansicht verlangsamt die Buchpreisbindung zwar den Strukturwandel im stationären Buchhandel, sie könne ihn aber nicht unterbinden. Die Buchhandlungen verlören kontinuierlich an Marktanteilen zugunsten des Onlinehandels. Deshalb sei fraglich, ob die herkömmliche Infrastruktur für den Buchvertrieb noch die ihr zugesprochene Rolle spiele.

Zudem sei es wahrscheinlich, dass der Europäische Gerichtshof im Hinblick auf E-Books die Buchpreisbindung für unvereinbar mit der europäischen Warenverkehrsordnung erklären werde.

Die Verleger sind nach dem "Gesetz über die Preisbindung für Bücher" dazu verpflichtet, Preise festzulegen. Händler sind dazu verpflichtet, nicht von diesen Preisen abzuweichen. Neue, in Deutschland verlegte Bücher kosten deshalb in kleinen Buchhandlungen genau so viel wie bei großen Internethändlern.

cbu/dpa



insgesamt 142 Beiträge
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Seite 1
iffelsine 29.05.2018
1. Natürlich ist die Buchpreisbindung für uns Kunden schwachsinnig !
Da lade ich mich ein ebook auf meinen Kindl und muss so viel bezahlen wie für ein gedrucktes Buch. Das geht im Rest der Welt besser als in Deutschland.
yoda56 29.05.2018
2. Ich nutze seit Jahren keine lokalen Buchhandlungen mehr...
...und lese mindestens 2 E-Books in der Woche. Bildbände bestelle ich mir nach hause und habe sie ohne jede Gebrauchsspur nach einem Tag in der Abholstation. Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn die Buchpreisbindung endlich wegfällt. In anderen Sprachen kosten die selben Bücher oftmals nur die Hälfte, dann bestelle ich mir das eine oder andere in englisch.
jayram 29.05.2018
3. Der letzte Satz
sollte die Richtschnur bleiben, sonst können die kleinen Buchläden, in den viele Literatur Begeisterte arbeiten, die auch kompetent beraten können, bald zu machen.
prösus 29.05.2018
4. Verlangsamung, na und?
Na, wenn es die Verlangsamung ist, dann kann man es also kaum erwarten, bis die Kleinen tot sind, oder wie? Und bzgl. EU muss also vorauseilender Gehorsam geübt werden? Auch hier kann man es offenbar nicht abwarten. Was ist nur los?
frenchie3 29.05.2018
5. Dann sterben noch mehr Buchläden
Ich gehe gerne mal wühlen und da hab ich das Buch gleich. Bei Amazon kaufe ich bspw. nur wenn die Lieferzeit bei nicht vorhandenem Titel kürzer ist. Auf der anderen Seite kann man bei etlichen Titeln trefflich darüber streiten was Kultur ist und da stellt sich die Frage warum CDs und Filme nicht dazu gehören. Warum also diese Bevorzugung?
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