Hamburg/Stuttgart - Der Stuttgarter Thienemann Verlag streicht das Wort "wichsen" aus den Kinderbuchklassikern Otfried Preußlers. In einer Erklärung heißt es, dass Kinder diesen Begriff heute nicht mehr im Sinn von "putzen", "polieren" kennen würden oder gar als Synonym für die Prügelstrafe. Früher aber seien Stiefel "gewichst" worden - und Kinder wurden "durchgewichst". In diesem speziellen Fall, so der Verlag, "erscheint es uns sinnvoll, daraus 'verhauen' zu machen."
Der Verlag verwahrt sich in seiner Erklärung auch gegen den Vorwurf, Begriffe "auf absurde, aber politisch korrekte Weise" auszutauschen. Niemand habe Otfried Preußler je Rassismus vorgeworfen, heißt es. Mittlerweile aber hätten manche Begriffe eine andere Bedeutung erlangt. Man halte deshalb eine Modernisierung bei veralteten und ungebräuchlichen Wörtern für sinnvoll.
Thienemann reagiert damit auf eine Debatte im Feuilleton. So war in der"FAZ" oder der "Welt" kritisiert worden, dass der Verlag in den Kinderbuchklassikern Otfried Preußlers auf das Wort "Neger" verzichten möchte. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) erregte zuletzt Aufsehen mit dem Bekenntnis, dass sie beim Vorlesen für ihre kleine Tochter heikle Passagen entschärfen will.
Die jüngste Anpassung Thienemanns könnte die Debatte um eine weitere Nuance bereichern. Vielleicht ist die veränderte Bedeutung des Worts "wichsen" ja ein Beispiel für sprachliche Weiterentwicklung, das auch denen einleuchtet, die "Neger" für einen zwar altmodischen, aber durchaus noch Kinderzimmer-tauglichen Begriff halten.
sha
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