Nationalhymnen-Wirrwarr: Reiner Calmunds Buch wird eingestampft

Er singe vor Länderspielen immer die erste Strophe des Deutschlandlieds, steht im neuen Buch des Fußballmanagers Reiner Calmund - gemeint war natürlich die dritte. Der Verlag, in dem "Eine Kalorie kommt selten allein" erscheint, ist zerknirscht: Die erste Auflage muss vom Markt. 

Buchautor Calmund: "Da steht statt einer Drei eine Eins - dann geht's weiter" Zur Großansicht
dapd

Buchautor Calmund: "Da steht statt einer Drei eine Eins - dann geht's weiter"

Auch wenn das Buch vom Essen handelt und vom Leben mit Übergewicht - Reiner Calmund, der langjährige Manager von Bayer 04 Leverkusen, kommt natürlich auch in "Eine Kalorie kommt selten allein" nicht ohne Fußballbezüge aus. Auf Seite 51 des Buches schreibt Calmund: "Intoniert wurde im Wankdorf-Stadion übrigens die erste Strophe des Deutschland-Lieds, die ich auch heute noch bei Länderspielen voll mitsinge. Und meistens kriege ich dabei eine dicke Gänsehaut."

Da würden sich wohl einige auf der Tribüne irritiert umdrehen, wenn Calmund lauthals "Deutschland, Deutschland über alles" sänge. Die Redaktion des Radiosenders HR 3 stolperte über die Passage und konfrontierte den meist gut gelaunten Ex-Funktionär: "Die erste steht leider drin, aber es ist die dritte. 'Einigkeit und Recht und Freiheit' - das singe ich heute noch mit", sagte er dem hessischen Rundfunksender: "Da steht statt einer Drei eine Eins und dann kann man sagen, es ist ein Irrtum und dann geht es weiter. Nicht für jeden Deutschen, aber für mich."

So locker kann das der Verlag nicht sehen: Eine Sprecherin des Mosaik-Verlags bestätigte am Freitag den Bericht des Radiosenders. Es handle sich um einen sehr peinlichen Lektoratsfehler, sagte Janne Wißmann auf der Frankfurter Buchmesse. Die Cheflektorin des Verlags, der zur Bertelsmann-Tochter Random House gehört, sagte dem HR: "Ich glaube, an dem Satz ist etwas verändert worden und jetzt ist es tatsächlich ein missverständliches, seltsames Satzgebilde geworden." Natürlich sei gemeint gewesen, dass 1954 "diese peinliche und heute nicht mehr vertretbare Strophe gesungen wurde", so Monika König. "Was Herr Calmund heute mitsingt, ist natürlich die dritte Strophe."

Der Verlag hat nun die Auslieferung gestoppt, die Erstauflage von 6000 Exemplaren muss eingestampft werden. Eine korrigierte Neuauflage soll möglichst schnell folgen.

feb/dpa

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insgesamt 36 Beiträge
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1.
Sleeper_in_Metropolis 14.10.2011
"Natürlich sei gemeint gewesen, dass 1954 "diese peinliche und heute nicht mehr vertretbare Strophe gesungen wurde", so Monika König." Was ist denn an der ersten Strophe peinlich ? Die wird ja eher aus Rücksicht auf evtl. Missverständnisse nicht mehr gesungen, aber peinlich ist da nun nichts. Kennt Fr.König überhaupt den Text der ersten Strophe ?
2. ...
phboerker 14.10.2011
Im Wankdorf-Stadion wurde aber tatsächlich die heute unerwünschte erste Strophe gesungen, was ja gerade das mitteilenswerte Kuriosum wäre. Eine einfache Verwechslung, wie Calmund sagt, kann also nicht vorliegen, oder woher der Bezug auf die WM 54? Die Verlagssprecherin hat das offensichtlich erkannt und versucht zu retten, was zu retten ist. Was wollte Calmund nun wirklich schreiben? Dass 1954 nach der ersten Strophe auch noch die anderen gesungen wurden? Dass er schwarz-rot-geil beseelt ist und beim Erklingen der Haydn-Melodie ganz patriotisch ergriffen? Irgendwie ist ein Satz "1954 wurde die erste Strophe gesungen und heute singe ich gerne die dritte Strophe mit" eine unwahrscheinliche Konstruktion.
3. .
kugelsicher99 14.10.2011
Zitat von Sleeper_in_MetropolisWas ist denn an der ersten Strophe peinlich ? Die wird ja eher aus Rücksicht auf evtl. Missverständnisse nicht mehr gesungen, aber peinlich ist da nun nichts.
Vielleicht weil die 1. Strophe die selbst gewählte Hymne der Nazis von 33-45 war? Und dass die die Welt in einen 2. Weltkrieg gestürzt haben, bei dem 50-70 Mio. Menschen gestorben sind. Könnte es evtl. daran liegen?
4. Ist Callmund rechtsextrem?
kellitom 14.10.2011
So, So er singt die 1. Strophe voll mit. Das ist nicht verboten, aber tabu, denn es war die Hymne der Nazis. Man muss sich schon fragen, was er sich dabei gedacht hat!
5. Nun,
BDenklich 14.10.2011
Zitat von kugelsicher99Vielleicht weil die 1. Strophe die selbst gewählte Hymne der Nazis von 33-45 war? Und dass die die Welt in einen 2. Weltkrieg gestürzt haben, bei dem 50-70 Mio. Menschen gestorben sind. Könnte es evtl. daran liegen?
... soweit mir bekannt, ist der Text von Fallersleben aus dem Jahr 1841 - Nazis waren da wohl noch kein Thema, Hitler wurde ja erst 40 Jahre später geboren. Nur weil sich dieses Schreckensregime des Textes bedient hat, der absolut nichts mit Faschismus zu tun hat, konstruiert man also diesen zwanghaften Zusammenhang? Peinlich. Nebenbei: Die Nazis haben Deutsch gesprochen - das macht Ihnen aber dann wohl nichts aus? Die Nazis haben übrigens auch die Zähne geputzt, lassen Sie das nun auch? Und meiden Sie auch Autobahnen? Verstehen Sie mich nicht falsch, aber nur weil die Nazis sich einer Sache bemächtigt und sie für ihre widerwärtigen Zwecke missbraucht haben, sollte man diese Kunst nicht in die gleiche Ecke stellen. Klingt ja so, als hätten die Nazis das Lied der Deutschen geschrieben ... Dem war aber bei weitem nicht so.
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