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2. Teil: Scott McCloud: "Comics machen"


Scott McCloud: " Comics machen"
Carlsen Comics, 266 S., 19,90 Euro

Scott McCloud ist der bekannteste Comic-Erklärer der Welt. Seit 1993 sein Buch "Comics richtig lesen" erschien, wird es immer wieder als Musterbeispiel herangezogen - sowohl für die Analyse des Mediums wie auch als herausragender Sachcomic: Ein Comic über Comics. Nur eines hat McCloud, der oberste Comicversteher, nie vollbracht: einen wirklich herausragenden Comic zu produzieren, der nicht erklärt, sondern einfach nur erzählt.

Handbuch "Comics machen": Die richtige Perspektive wählen
Carlsen Comics / Scott McCloud

Handbuch "Comics machen": Die richtige Perspektive wählen

"Comics machen" ist in diesem Sinne also eine Art Selbsttherapie. Es schließt - nach dem etwas seltsamen Band "Comics neu erfinden" - die Trilogie seiner Bildgeschichtenanalyse ab. "Ihr wollt also Comics machen?" fragt Scott McCloud seine Leser gleich zu Beginn des Buches. Und sicher wird er viele Comic-Aspiranten ansprechen. Mehr noch aber wird er jene Leser erreichen, die, als Macher oder Leser, das Medium verstehen wollen. Denn obwohl "Comics machen" über weite Strecken von der Wahl der richtigen Perspektive und vom richtigen Zeichenstift handelt, ist es nicht annähernd einer der handelsüblichen Zeichenkurse.

Von denen gibt es nämlich zu viele, wie auch McCloud in seinem Buch beklagt. Die meisten ermuntern die Käufer höchstens zum fröhlichen Plagiieren der gezeigten Vorlagen. McCloud aber will, dass seine Leser Comics verstehen. Deshalb erzählt er in charmantem Tonfall und mit viel Selbstironie über Plotaufbau und erzählerische Variationen, schweift ab zu Gestik und Mimik, redet über Landschaften und Städte, die Bedeutung der Atmosphäre und welche Zeichengeräte seine Comics zeichnenden Kumpels so benutzen.

Und das Erstaunliche: dieser über fast 300 Seiten durchgehaltene Dozierfluss wäre selbst dann spannend, wenn man sich für das Thema gar nicht interessieren würde. Es ist wie im Theater, bevor das Stück beginnt. Stück für Stück legt McCloud alle nötigen Utensilien an den richtigen Platz und erklärt, worum es am Ende gehen soll: die Produktion eines Comics. Wenn McCloud sukzessive alle Einzelbestandteile choreographiert, offenbart er diese damit zugleich dem Leser.

Damit schließt McCloud die letzten Lücken, die "Comics richtig lesen" noch offen gelassen hatte. War dieses Buch der Verstand des Mediums, so bietet "Comics machen" dessen Anatomie. Für McCloud ein Warm-up: Der Amerikaner plant nun doch endlich seine eigene große Graphic Novel. Man darf gespannt sein, was der perfekte Lehrer von sich selbst gelernt hat.

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