Neue deutsche Comics (2) Fil - "Didi & Stulle"

Philip Tägert alias Fil war früher Punk, heute zeichnet er politisch unkorrekte Comics über die beiden berlinernden Chauvis "Didi & Stulle". Seine schweinischen Strips sorgen regelmäßig für heftige Kontroversen.


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Fil: "Didi & Stulle", 10 Bilder


Eine Marotte für Namensspielereien hatte er schon als Teenager - sie hat sich bis heute gehalten: Mal agiert er als "der scheue Phil", dann ist er "der schaue Fil" oder "der schlimme Phil". "Ich wollte meine verschiedenen Geheimidentitäten auseinanderhalten", meint Fil. "Ich schreibe mich mit Eff bei den Comics und mit Peha wenn ich auftrete. Um das zu trennen, so hatte ich's mir überlegt, aber jetzt denk' ich - was soll der Scheiß?"

Das denken sich auch einige Leser angesichts der grotesken Kreaturen, die volle Kanne berlinernd den Proll dermaßen heraushängen lassen, dass es für andere wiederum eine reine Freude ist. "Didi & Stulle", die beiden schweinischen Bierbüchsenhelden von vor der Imbissbude, sind die berüchtigsten der politisch unkorrekten Helden des Zeichners. Die Diskussion pro und contra Fil haben im Berliner Stadtmagazin "Zitty" in der Vergangenheit viele Leserbriefseiten gefüllt. Dort erscheinen seine Comics seit 1981. Für die einen ist er genial, für die anderen ein Stümper, wenn nicht gar ein Sexist. Die Frauengruppe der Berliner SPD wählte ihn 1991 zum "Chauvi des Jahres".

Zeichner Fil: Chauvi des Jahres 1991
Andreas Dierks

Zeichner Fil: Chauvi des Jahres 1991

Der scheue Phil war aber auch schon früher ein heftiger Junge. Irgendwann verfrachtete ihn das Jugendamt zwecks Besserung auf ein Schiff. Jung-Philip schipperte ein halbes Jahr durch die Nordsee und kam einigermaßen geläutert zurück.

Zeichner werden wollte er nie. Comics galten Anfang der Achtziger in seinem Umfeld im Berliner Märkischen Viertel, wo er aufgewachsen ist, als total uncool. Cool war es, Punk zu sein. Also war Philip Tägert Punk, mit Band und Skateboard - und zeichnete nebenbei Sprechblasengeschichten für Fanzines, "U-Comic" und "Titanic".

Auch heute noch fährt er zweigleisig, wenn auch jetzt mit umgekehrten Prioritäten. Er ist Comiczeichner und sorgt nebenbei als Bühnenkomiker mit Gitarre und einem Haifisch in Handpuppenformat namens Sharky zwischen Hamburg und Marburg für Furore. Bücher hat er natürlich auch veröffentlicht, im Eigenverlag, bei seltsamen Kleinverlagen - und vor allem bei Reprodukt, wo seine "Didi & Stulle"-Strips gesammelt vorliegen. Nach längerer Pause erscheint im November der vierte Band. Darin jagt Fil seine Schweine ins Weltall, volle Scholle. Der vorliegende Comic ist ein Auszug aus eben dieser Edition mit dem Titel "Endstation Mars".

Friedhelm Teicke

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