Neue deutsche Comics Geier & Robi - "Horst"

Bugs Bunny auf einer Überdosis Hormone - das ist Horst, der sexuell frustrierte Comic-Hase des Duos Geier & Robi. Seit 2000 erscheint die Serie beim Independent-Verlag Schwarzer Turm. Der vorliegende Strip entstand exklusiv für SPIEGEL ONLINE.


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Geier & Robi - "Horst", 8 Bilder


Sprechende Hasen assoziiert man hierzulande am ehesten noch mit Bugs Bunny, möglicherweise auch mit "Alice im Wunderland" - und dann muss man auch schon mal eine Weile überlegen, ehe einem weitere intellektuelle Wunderexemplare der Gattung einfallen. Hasen in der Kunst sind merkwürdige, bekloppte Wesen, die jede Explosion überleben und stets zu spät kommen. Mit Sex bringt man sie gemeinhin nicht in Verbindung.

Dabei ist der Gedanke beim schnell vermehrenden Mümmelvieh naheliegend. Wohl auch deshalb schildert das Kreativgespann Geier & Robi seit 2000 die Erlebnisse von Horst, dem sexuell weitgehend glücklosen Hasen, in einer Welt, in der die Enten, Hunde, Schweine und Nilpferde zwar aufrecht gehen und miteinander reden; Fuchs und Hase sich aber dennoch nich Gute Nacht sagen, sondern sich im Nachtclub treffen. Und hinterher geht der Hase vor Frust in den Puff.

Robi (l.) und Geier: Geschichten vom Hasen-Loser
Andreas Dierks

Robi (l.) und Geier: Geschichten vom Hasen-Loser

Horst ist ein Loser, vor allem bei den Frauen. Ein glückloser Sturkopf, ein Donald Duck auf einer Überdosis Hormone. Seine Welt wirkt wie Anti-Entenhausen, böse, eckig und kantig. Man möchte das Wort "autobiographisch" angesichts der massiven satirischen Verfremdung nicht in den Mund nehmen. Aber Robi, Autor der meisten "Horst"-Episoden, betont immer wieder, dass die Geschichten auf eigenen Erlebnissen und denen von Freunden und Bekannten beruhen.

Robi, das ist Rochus Hahn (geboren 1965 in Hildesheim), hauptberuflich Drehbuchautor, unter anderem beteiligt an "Das Wunder von Bern" und der TV-Serie "Bewegte Männer". Daneben ist er Mitinhaber des Verlags Schwarzer Turm. Der veröffentlicht nicht nur die "Horst"-Hefte (14 Ausgaben sind es aktuell), sondern hat sich in den letzten Jahren zu einer der Keimzellen deutscher Independent-Comics entwickelt.

Hahns häufiger Kompagnon Jürgen Speh alias Geier (geboren 1973 bei Stuttgart) ist eines der wenigen Multitalente im deutschen Comic. Vom absolut realistischen Strich bis zur Karikatur beherrscht er zahlreiche Stile. Seine Handschrift findet sich nicht nur in den eigenen Werken. Speh koloriert auch fremde Comics (u.a. "John Sinclair" für Bastei) oder erstellt Reinzeichnungen. Zusammen mit Hahn erhielt er 2000 den ICOM-Independent-Preis für den realistischen Horror-Comic "Der Ring des Meisters". Neben "Horst" arbeiten die beiden auch an der Erotik-Serie "Arsinoe" zusammen - ohne Hasen.

Stefan Pannor



insgesamt 40 Beiträge
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mscholl, 26.10.2005
1. So ein schlecht geschriebener Artikel.
Selten habe ich einen so schlecht geschriebenen Artikel gesehen. Wo hat Stefan Pannor seinen Journalismus gelernt, wo sind die Editoren? Im ersten Satz "Es ist perfide:..." gibt er eine Wertung und postuliert den Grund für die Wiederveröffentlichung vom Fix und Foxi Heften. Er gibt keinen Beweis für seine These an. Ein einzelnes Zitat von 1955 ist genug, den größten Erfolg der deutschen Nachkriegs-Comics als klein-bürgerlich abzutun. Ein Journalist oder Blogger sollte informieren, den Hintergrund beleuchten und dem Leser die Möglichkeit geben eine informierte Entscheidung zu treffen. Nicht im ersten Satz eine Wertung zu geben und dann unreifes Gelaber liefern. Ich bin 47 und habe als Kind Fix und Foxi geliebt. Ich erinnere mich, als ich 6 oder 7 Jahre alt war und einen ganzen Urlaub über ein paar Heftchen verbracht habe. Die Serie hat über mehrere Jahrzehnte hinweg ihr Zielpublikum, Kinder erfolgreich angesprochen. Die heile Welt ist, was Kinder im diesem Alter suchen und brauchen. Später, mit 12 und älter, hat mich Fix und Foxi nicht mehr angesprochen, aber immer eine neue Gruppe von Kindern fand, was sie suchten bis 1994. Die Bürgerlichkeit und heile Welt der deutschen Nachkriegszeit zu verurteilen und damit tiefgründiges Denken abschalten ist zu billig. Da war auch die Manifestation des Lebenswillens der Deutschen, die Ordnung und Einfachheit suchten nachdem 10% der Bevölkerung im Chaos des Krieges umkam. Die Narben davon waren überall zu sein. In den Kriegskrüppeln, in den Trümmergrundstücken, in den Witwen. Fix und Foxi ist nur eine Facette von dem großen Bild. Optimismus war angebracht und Fix und Foxi, Lupo, die Schlümpfe, der Schrat usw. hatten nicht die Gewalt und Niedertracht, die Disney Hefte oft hatten. Ob Fix und Foxi es schaffen wird, die Kinder von 2005 anzusprechen bleibt abzuwarten. Wenn sie es schaffen den ewigen Archetypen der heilen Welt zeitgemäß darstellen wäre es nur zu wünschen.
Terchill 26.10.2005
2.
Anscheinend bedingt die Tatsache, dass ICH etwas mag, dass VIELE andere es nicht mögen. Vermutlich weil ich uncool bin, der Verfasser des Artikels jedoch genau das Gegenteil. Wahrscheinlich ein hipper Typ der keinen Trend auslässt und sich die Wände mit der IN- und OUT- Seite der Bild-Zeitung dekoriert hat. Ja warum passt es denn nicht, dass Fix und Foxi eine heile Welt proklamierten? War's denn nicht ein Comic für Kinder? Langweilig waren die Geschichten jedenfalls nicht. Wofür plädiert der Autor? Braucht er Sex? Den gibt's bei Disney auch nicht wirklich. Ausser in Kinofilmen wo sich zu schwülstigen Tönen Löwen paaren. Der Pickel den er am Gesäß hat, lässt sich wohl mit der Handlung identifizieren. Ja, ja, die ist ein Anachronismus, passt nicht mehr in die heutige Zeit und ist doof. Ich sage - Die Geschichten waren sogar REALISTISCHER (auf eine verrückte Weise) und natürlich auch amüsanter als das, was man im Micky Maus Magazin vorgesetzt bekam. Diese Neuverwurschtung von Fix und Foxi wird übrigens NIX. Ich kauf's nicht, weil's modernisiert wurde, andere werden's nicht kaufen, weil die Leute, die heute solche Comics kaufen würden versiffte Penner sind, die bereits mit 10 saufen, rauchen und im Extremfall gerne auch Drogen nehmen. Immerhin weiß ich jetzt, was die deutsche Comicbranche an Kauka hatte. Mein Urteil - Der Verfasser hat KEINE Ahnung von der Materie.
BlueLion, 26.10.2005
3.
Nein, mir scheint, die deutsche Presse sollte besser vom Thema Comic die Finger lassen. Soviel Unwissenheit pralltt hier auf die Realität. Unglaublich. Zum Thema Relaunch von Comic-Zeitschriften kann ich nur sagen: Zack im Jahr 1999 wieder belebt existiert bis heute, muß also gelungen sein. Spricht aber nur Leute meines Alters an (39). Die Auflage ist klein (weniger als 10000, aber konstant). Interessanterweise mußte ein ostdeutscher Verlag (Mosaik) herhalten, da in Westdeutschland keiner daran glaubte. Das gleiche gilt für die deutsche Ausgabe von MAD. Auch der Relaunch hat bis heute geklappt (läuft glaube ich schon seit 1998). Deutsche Kreativität im Comic lebt ungebrochen, aber eben in Klein- und Kleinstauflagen, da in Deutschland immer noch tiefgreifende Ressentiments gegen die "9. Kunst" existieren. Das basiert immer noch auf den in den Fünfzigern geschaffenen "Kult" der Schundliteratur. Nur Asterix, Walt Disney und Kauka haben sich dagegen halten können. Dazu hat sich heute still und leise und ohne Krakelen von irgendwelchen Moralaposteln Manga absolut etabliert. Es geht offensichtlich auch anders. Wie man mit dem Thema Comic offen und ehrlich umgehen kann, zeigt ein kleiner Blick über die Grenzen nach Frankreich und Belgien. Auflagen, von denen die deutschen Klein- und Privatverlage nur träumen können, und die Auffassung, daß Comics die "9. Kunst" darstellen, helfen diesem Medium in der Öffentlichkeit seine Position zu halten. Dort geht ein Artikel wie dieser des Spiegel einfach in der Masse unter. PS: Ich habe nie FF gelesen und war auch kein Kauka-Anhänger. Ebenso kann ich nicht viel mit den Mangas anfangen. Man sollte nur seine Artikel so formulieren, daß daraus kein persönlicher Kommentar wird.
Skapoon 26.10.2005
4. Fix und fertig
Wenigstens rennen die Figuren nicht in "Baggies" rum, telefonieren nicht mit "i-pod-Handies", zumindest nicht in den abgebildeten Strips. "Space Dog" sollte ebenso Pflicht werden wie "Fritz the Cat".
Mummpizz, 27.10.2005
5.
Viele Relaunches scheitern, weil sie sich an eine Zielgruppe richten, von der Nostalgiker und Anachronisten glauben, dass sie modern wäre. Disney und Kauka hatten in ihrer Zeit das Monopol unter den Schulschreibtischen - diesem Monopol hängen die Relauncher nach. Dabei ist die Kinder- und Jugendkultur mittlerweile genau so fraktalisiert wie die "Erwachsenenkultur".
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