Neue deutsche Comics Haggi - "Die Lösung von Kringeln"

Vom Strichmännchen-Comic bis zur Asterix-Hommage: Hartmut Klotzbücher alias Haggi ist ein Meister der Parodie. "Die Lösung von Kringeln" heißt seine skurrile Serie - für den vorerst letzten Teil der Comicreihe von SPIEGEL ONLINE entstand eine exklusive Episode.


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Haggi - "Die Lösung von Kringeln" (12 Bilder)


Beschäftigt man sich mit der deutschen Comicszene näher, stößt man beinahe sofort auf den Namen Hartmut Klotzbücher beziehungsweise auf sein Künstler-Alias Haggi. Der 1961 auf der Schwäbischen Alb Geborene ist ein zeichnerisches Multitalent, das vom Krakelstrich bis zur klaren Linie alles beherrscht. Mehr als 1000 Comicseiten hat er seit den achtziger Jahren produziert, größtenteils Parodien, Satiren und Gag-Comics. Erschienen in unzähligen Verlagen und Fanzines, ist so ein schwer überschaubares Comic-Gesamtwerk entstanden, das sicher zu den witzigsten in deutscher Sprache gehört. "Winni mit der Wunderwindel" heißt eine seiner skurrilen Figuren; es gibt auch einen Band namens "Abenteuer vom lieben Gott".

Als wäre so viel Nonsens nicht genug, arbeitet Haggi auch als Letterer, das heißt, er fügt von Hand die Buchstaben in die Sprechblasen ein. In über 200 Comics - von hoher Kunst bis zum Superhelden - reden die Figuren in Haggis eleganter, leicht lesbarer Handschrift.

Zeichner Haggi: Zum Kringeln
Andreas Dierks

Zeichner Haggi: Zum Kringeln

Seine bekannteste Figur ist fraglos "Hartmut" - ein Strichmännchen, das in einer Strichmännchenwelt mehr oder weniger seltsame Abenteuer erlebt. Die Anfang der Neunziger als reine Schnapsidee entstandene Figur ("Wie würde wohl der Comic eines Sechsjährigen aussehen?") hat es inzwischen zum Maskottchen des Carlsen-Verlages geschafft. Dort erschienen auch mehrere Bände der "Geschichten fom Hartmut" (die eigenwillige Schreibweise ist hier Bestandteil des Konzeptes). Nach wie vor produziert Klotzbücher jede Woche einen exklusiven Strip für die Verlags-Homepage.

Kennt man von Haggi nur "Hartmut", läuft man leicht Gefahr, ihn zu unterschätzen. Denn als Ausgleich zum spielerischen Infantilismus zeichnet Klotzbücher seit fast ebenso langer Zeit eine Reihe unter dem seltsamen Titel "Die Lösung von Kringeln" - parodistische Fabeln aus einer vermenschlichten Tierwelt, in der der höhere Nonsens Naturgesetz geworden ist. Der Titel der Reihe macht dabei ebenso wenig Sinn wie viele der meist nur wenige Seiten langen Geschichten.

Hier kann Haggi sich auch grafisch austoben und seinen Comic-Vorbildern von "Asterix" bis "Prinz Eisenherz" nacheifern. Aktuell erscheinen die "Kringel"-Episoden im Fachblatt "Comixene", viele von ihnen liegen auch gesammelt im Hamburger Zwerchfell-Verlag vor. Die hier vorliegende Episode allerdings entstand exklusiv für SPIEGEL ONLINE.

Stefan Pannor



insgesamt 40 Beiträge
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mscholl, 26.10.2005
1. So ein schlecht geschriebener Artikel.
Selten habe ich einen so schlecht geschriebenen Artikel gesehen. Wo hat Stefan Pannor seinen Journalismus gelernt, wo sind die Editoren? Im ersten Satz "Es ist perfide:..." gibt er eine Wertung und postuliert den Grund für die Wiederveröffentlichung vom Fix und Foxi Heften. Er gibt keinen Beweis für seine These an. Ein einzelnes Zitat von 1955 ist genug, den größten Erfolg der deutschen Nachkriegs-Comics als klein-bürgerlich abzutun. Ein Journalist oder Blogger sollte informieren, den Hintergrund beleuchten und dem Leser die Möglichkeit geben eine informierte Entscheidung zu treffen. Nicht im ersten Satz eine Wertung zu geben und dann unreifes Gelaber liefern. Ich bin 47 und habe als Kind Fix und Foxi geliebt. Ich erinnere mich, als ich 6 oder 7 Jahre alt war und einen ganzen Urlaub über ein paar Heftchen verbracht habe. Die Serie hat über mehrere Jahrzehnte hinweg ihr Zielpublikum, Kinder erfolgreich angesprochen. Die heile Welt ist, was Kinder im diesem Alter suchen und brauchen. Später, mit 12 und älter, hat mich Fix und Foxi nicht mehr angesprochen, aber immer eine neue Gruppe von Kindern fand, was sie suchten bis 1994. Die Bürgerlichkeit und heile Welt der deutschen Nachkriegszeit zu verurteilen und damit tiefgründiges Denken abschalten ist zu billig. Da war auch die Manifestation des Lebenswillens der Deutschen, die Ordnung und Einfachheit suchten nachdem 10% der Bevölkerung im Chaos des Krieges umkam. Die Narben davon waren überall zu sein. In den Kriegskrüppeln, in den Trümmergrundstücken, in den Witwen. Fix und Foxi ist nur eine Facette von dem großen Bild. Optimismus war angebracht und Fix und Foxi, Lupo, die Schlümpfe, der Schrat usw. hatten nicht die Gewalt und Niedertracht, die Disney Hefte oft hatten. Ob Fix und Foxi es schaffen wird, die Kinder von 2005 anzusprechen bleibt abzuwarten. Wenn sie es schaffen den ewigen Archetypen der heilen Welt zeitgemäß darstellen wäre es nur zu wünschen.
Terchill 26.10.2005
2.
Anscheinend bedingt die Tatsache, dass ICH etwas mag, dass VIELE andere es nicht mögen. Vermutlich weil ich uncool bin, der Verfasser des Artikels jedoch genau das Gegenteil. Wahrscheinlich ein hipper Typ der keinen Trend auslässt und sich die Wände mit der IN- und OUT- Seite der Bild-Zeitung dekoriert hat. Ja warum passt es denn nicht, dass Fix und Foxi eine heile Welt proklamierten? War's denn nicht ein Comic für Kinder? Langweilig waren die Geschichten jedenfalls nicht. Wofür plädiert der Autor? Braucht er Sex? Den gibt's bei Disney auch nicht wirklich. Ausser in Kinofilmen wo sich zu schwülstigen Tönen Löwen paaren. Der Pickel den er am Gesäß hat, lässt sich wohl mit der Handlung identifizieren. Ja, ja, die ist ein Anachronismus, passt nicht mehr in die heutige Zeit und ist doof. Ich sage - Die Geschichten waren sogar REALISTISCHER (auf eine verrückte Weise) und natürlich auch amüsanter als das, was man im Micky Maus Magazin vorgesetzt bekam. Diese Neuverwurschtung von Fix und Foxi wird übrigens NIX. Ich kauf's nicht, weil's modernisiert wurde, andere werden's nicht kaufen, weil die Leute, die heute solche Comics kaufen würden versiffte Penner sind, die bereits mit 10 saufen, rauchen und im Extremfall gerne auch Drogen nehmen. Immerhin weiß ich jetzt, was die deutsche Comicbranche an Kauka hatte. Mein Urteil - Der Verfasser hat KEINE Ahnung von der Materie.
BlueLion, 26.10.2005
3.
Nein, mir scheint, die deutsche Presse sollte besser vom Thema Comic die Finger lassen. Soviel Unwissenheit pralltt hier auf die Realität. Unglaublich. Zum Thema Relaunch von Comic-Zeitschriften kann ich nur sagen: Zack im Jahr 1999 wieder belebt existiert bis heute, muß also gelungen sein. Spricht aber nur Leute meines Alters an (39). Die Auflage ist klein (weniger als 10000, aber konstant). Interessanterweise mußte ein ostdeutscher Verlag (Mosaik) herhalten, da in Westdeutschland keiner daran glaubte. Das gleiche gilt für die deutsche Ausgabe von MAD. Auch der Relaunch hat bis heute geklappt (läuft glaube ich schon seit 1998). Deutsche Kreativität im Comic lebt ungebrochen, aber eben in Klein- und Kleinstauflagen, da in Deutschland immer noch tiefgreifende Ressentiments gegen die "9. Kunst" existieren. Das basiert immer noch auf den in den Fünfzigern geschaffenen "Kult" der Schundliteratur. Nur Asterix, Walt Disney und Kauka haben sich dagegen halten können. Dazu hat sich heute still und leise und ohne Krakelen von irgendwelchen Moralaposteln Manga absolut etabliert. Es geht offensichtlich auch anders. Wie man mit dem Thema Comic offen und ehrlich umgehen kann, zeigt ein kleiner Blick über die Grenzen nach Frankreich und Belgien. Auflagen, von denen die deutschen Klein- und Privatverlage nur träumen können, und die Auffassung, daß Comics die "9. Kunst" darstellen, helfen diesem Medium in der Öffentlichkeit seine Position zu halten. Dort geht ein Artikel wie dieser des Spiegel einfach in der Masse unter. PS: Ich habe nie FF gelesen und war auch kein Kauka-Anhänger. Ebenso kann ich nicht viel mit den Mangas anfangen. Man sollte nur seine Artikel so formulieren, daß daraus kein persönlicher Kommentar wird.
Skapoon 26.10.2005
4. Fix und fertig
Wenigstens rennen die Figuren nicht in "Baggies" rum, telefonieren nicht mit "i-pod-Handies", zumindest nicht in den abgebildeten Strips. "Space Dog" sollte ebenso Pflicht werden wie "Fritz the Cat".
Mummpizz, 27.10.2005
5.
Viele Relaunches scheitern, weil sie sich an eine Zielgruppe richten, von der Nostalgiker und Anachronisten glauben, dass sie modern wäre. Disney und Kauka hatten in ihrer Zeit das Monopol unter den Schulschreibtischen - diesem Monopol hängen die Relauncher nach. Dabei ist die Kinder- und Jugendkultur mittlerweile genau so fraktalisiert wie die "Erwachsenenkultur".
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