Neue deutsche Comics: Mawil - "Bomb da City"

Wenn es einen deutschen Nick Hornby gäbe, würde er Comics zeichnen und hieße Mawil. Der Berliner überrascht seit einigen Jahren mit amüsanten Alltagscomics und heimst dafür Lob und Preise ein. Der autobiographische Strip "Bomb da City" entstand exklusiv für SPIEGEL ONLINE.

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Mawil - "Bomb da City", 27 Bilder


Der deutsche Nick Hornby lebt in Berlin, zeichnet Comics und heißt Mawil. Es wissen nur noch nicht alle. Dabei genießt Markus Witzel alias Mawil für einen deutschen Independent-Zeichner bereits einen unerhört hohen Bekanntheitsgrad. Spätestens seit ihm 2003 mit "Wir können ja Freunde bleiben" ein großer Wurf gelang. Der Comic war eigentlich seine Diplomarbeit an der Kunsthochschule Weißensee und wurde von Mawil laut eigener Aussage in nur sechs Wochen geschrieben und gezeichnet.

Die Hälfte des deutschen Feuilletons lobte Mawil überschwänglich für diese tragikomische Sammlung von Anti-Liebesgeschichten. Die andere Hälfte der Kulturkritiker zog 2005 mit Mawils nächster Episode "Die Band" nach, der wahren Erzählung über den Versuch, irgendwie zum Rockstar zu werden. Inzwischen ist "Wir können ja Freunde bleiben" in der dritten Auflage erschienen, erhielt den Max-&-Moritz-Preis als bester deutscher Comic und liegt auf Spanisch und Französisch vor.

Der Ruhm kam nicht aus dem Nichts. Seit den späten Achtzigern finden sich die Comics des 1976 in Ost-Berlin geborenen Zeichners in Schülerzeitungen, Fanzines und Anthologien. Später veröffentlichte er bei der Indie-Talentschmiede Schwarzer Turm und im Eigenverlag, unter anderem gemeinsam mit seinem Freund Fil.

Es ist eine Form von wilder Ehrlichkeit, die Mawils Werke auszeichnet. Das betrifft sowohl seine autobiographischen Comics ("Wir können ja Freunde bleiben", "Die Band"), in denen er pointiert eine stinknormale deutsche Jugend in den neunziger Jahren aufarbeitet, als auch seine Episoden um den niedlichen Supa-Hasi ("Strandsafari"), die allerdings nur auf den ersten Blick brav wirken. Nichts wirkt geplant in diesen Comics, alles sieht aus, als wäre es gerade eben spontan aufs Papier geworfen worden. Es sind kleine Brocken Leben, komisch und tragisch, die Mawil den Lesern hinwirft.

Zeichner Mawil: Alltagshumor mit Supa-Hasi
Mawil

Zeichner Mawil: Alltagshumor mit Supa-Hasi

Oft täuscht die Leichtigkeit der Lektüre über die Komplexität der Comics hinweg: Immer wieder überrascht Witzel mit ungewöhnlichen Perspektiven, experimentiert mit dem Zusammenspiel von Form und Inhalt. Harte Arbeit lässt sich dahinter erkennen, aber auch ein intuitives Wissen um Erzählmechanismen. Als einer der wenigen deutschen Comiczeichner ist Mawil dabei ein Meister der kurzen und der langen Form - wovon sich die Leser des jüngst erschienenen "Supa Hasi"-Albums überzeugen konnten. Nach den ausführlichen Erzählungen der Vorjahre ist dies ein Sammelband mit Kurz- und Kürzestgeschichten. Auch die vorliegende, exklusiv für SPIEGEL ONLINE entstandene Episode zeigt, das Witzel zu den treffsichersten Autoren gehört, dessen Geschichten alltäglich, aber nicht beliebig sind.

Stefan Pannor

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Forum - Comics - Zu viel Nostalgie, zu wenig Esprit?
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1. So ein schlecht geschriebener Artikel.
mscholl 26.10.2005
Selten habe ich einen so schlecht geschriebenen Artikel gesehen. Wo hat Stefan Pannor seinen Journalismus gelernt, wo sind die Editoren? Im ersten Satz "Es ist perfide:..." gibt er eine Wertung und postuliert den Grund für die Wiederveröffentlichung vom Fix und Foxi Heften. Er gibt keinen Beweis für seine These an. Ein einzelnes Zitat von 1955 ist genug, den größten Erfolg der deutschen Nachkriegs-Comics als klein-bürgerlich abzutun. Ein Journalist oder Blogger sollte informieren, den Hintergrund beleuchten und dem Leser die Möglichkeit geben eine informierte Entscheidung zu treffen. Nicht im ersten Satz eine Wertung zu geben und dann unreifes Gelaber liefern. Ich bin 47 und habe als Kind Fix und Foxi geliebt. Ich erinnere mich, als ich 6 oder 7 Jahre alt war und einen ganzen Urlaub über ein paar Heftchen verbracht habe. Die Serie hat über mehrere Jahrzehnte hinweg ihr Zielpublikum, Kinder erfolgreich angesprochen. Die heile Welt ist, was Kinder im diesem Alter suchen und brauchen. Später, mit 12 und älter, hat mich Fix und Foxi nicht mehr angesprochen, aber immer eine neue Gruppe von Kindern fand, was sie suchten bis 1994. Die Bürgerlichkeit und heile Welt der deutschen Nachkriegszeit zu verurteilen und damit tiefgründiges Denken abschalten ist zu billig. Da war auch die Manifestation des Lebenswillens der Deutschen, die Ordnung und Einfachheit suchten nachdem 10% der Bevölkerung im Chaos des Krieges umkam. Die Narben davon waren überall zu sein. In den Kriegskrüppeln, in den Trümmergrundstücken, in den Witwen. Fix und Foxi ist nur eine Facette von dem großen Bild. Optimismus war angebracht und Fix und Foxi, Lupo, die Schlümpfe, der Schrat usw. hatten nicht die Gewalt und Niedertracht, die Disney Hefte oft hatten. Ob Fix und Foxi es schaffen wird, die Kinder von 2005 anzusprechen bleibt abzuwarten. Wenn sie es schaffen den ewigen Archetypen der heilen Welt zeitgemäß darstellen wäre es nur zu wünschen.
2.
Terchill 26.10.2005
Anscheinend bedingt die Tatsache, dass ICH etwas mag, dass VIELE andere es nicht mögen. Vermutlich weil ich uncool bin, der Verfasser des Artikels jedoch genau das Gegenteil. Wahrscheinlich ein hipper Typ der keinen Trend auslässt und sich die Wände mit der IN- und OUT- Seite der Bild-Zeitung dekoriert hat. Ja warum passt es denn nicht, dass Fix und Foxi eine heile Welt proklamierten? War's denn nicht ein Comic für Kinder? Langweilig waren die Geschichten jedenfalls nicht. Wofür plädiert der Autor? Braucht er Sex? Den gibt's bei Disney auch nicht wirklich. Ausser in Kinofilmen wo sich zu schwülstigen Tönen Löwen paaren. Der Pickel den er am Gesäß hat, lässt sich wohl mit der Handlung identifizieren. Ja, ja, die ist ein Anachronismus, passt nicht mehr in die heutige Zeit und ist doof. Ich sage - Die Geschichten waren sogar REALISTISCHER (auf eine verrückte Weise) und natürlich auch amüsanter als das, was man im Micky Maus Magazin vorgesetzt bekam. Diese Neuverwurschtung von Fix und Foxi wird übrigens NIX. Ich kauf's nicht, weil's modernisiert wurde, andere werden's nicht kaufen, weil die Leute, die heute solche Comics kaufen würden versiffte Penner sind, die bereits mit 10 saufen, rauchen und im Extremfall gerne auch Drogen nehmen. Immerhin weiß ich jetzt, was die deutsche Comicbranche an Kauka hatte. Mein Urteil - Der Verfasser hat KEINE Ahnung von der Materie.
3.
BlueLion 26.10.2005
Nein, mir scheint, die deutsche Presse sollte besser vom Thema Comic die Finger lassen. Soviel Unwissenheit pralltt hier auf die Realität. Unglaublich. Zum Thema Relaunch von Comic-Zeitschriften kann ich nur sagen: Zack im Jahr 1999 wieder belebt existiert bis heute, muß also gelungen sein. Spricht aber nur Leute meines Alters an (39). Die Auflage ist klein (weniger als 10000, aber konstant). Interessanterweise mußte ein ostdeutscher Verlag (Mosaik) herhalten, da in Westdeutschland keiner daran glaubte. Das gleiche gilt für die deutsche Ausgabe von MAD. Auch der Relaunch hat bis heute geklappt (läuft glaube ich schon seit 1998). Deutsche Kreativität im Comic lebt ungebrochen, aber eben in Klein- und Kleinstauflagen, da in Deutschland immer noch tiefgreifende Ressentiments gegen die "9. Kunst" existieren. Das basiert immer noch auf den in den Fünfzigern geschaffenen "Kult" der Schundliteratur. Nur Asterix, Walt Disney und Kauka haben sich dagegen halten können. Dazu hat sich heute still und leise und ohne Krakelen von irgendwelchen Moralaposteln Manga absolut etabliert. Es geht offensichtlich auch anders. Wie man mit dem Thema Comic offen und ehrlich umgehen kann, zeigt ein kleiner Blick über die Grenzen nach Frankreich und Belgien. Auflagen, von denen die deutschen Klein- und Privatverlage nur träumen können, und die Auffassung, daß Comics die "9. Kunst" darstellen, helfen diesem Medium in der Öffentlichkeit seine Position zu halten. Dort geht ein Artikel wie dieser des Spiegel einfach in der Masse unter. PS: Ich habe nie FF gelesen und war auch kein Kauka-Anhänger. Ebenso kann ich nicht viel mit den Mangas anfangen. Man sollte nur seine Artikel so formulieren, daß daraus kein persönlicher Kommentar wird.
4. Fix und fertig
Skapoon 26.10.2005
Wenigstens rennen die Figuren nicht in "Baggies" rum, telefonieren nicht mit "i-pod-Handies", zumindest nicht in den abgebildeten Strips. "Space Dog" sollte ebenso Pflicht werden wie "Fritz the Cat".
5.
Mummpizz 27.10.2005
Viele Relaunches scheitern, weil sie sich an eine Zielgruppe richten, von der Nostalgiker und Anachronisten glauben, dass sie modern wäre. Disney und Kauka hatten in ihrer Zeit das Monopol unter den Schulschreibtischen - diesem Monopol hängen die Relauncher nach. Dabei ist die Kinder- und Jugendkultur mittlerweile genau so fraktalisiert wie die "Erwachsenenkultur".
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