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Neuer Asterix-Band: Viel Nichts um Lärm

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Ein Desaster, beim Teutates! Offenbar erbost über den Erfolg japanischer Mangas und amerikanischer Superhelden, lässt Asterix-Schöpfer Albert Uderzo seine tapferen Gallier im neuen Band gegen die internationale Konkurrenz antreten - und gibt die legendäre Comic-Reihe der Lächerlichkeit preis.

Irgendwann in den letzten Jahren muss Albert Uderzo mal in einem Comicladen gewesen sein. Und da fiel ihm (bildlich gesprochen) der Himmel auf den Kopf. Denn die Hegemonialmacht belgisch-französischer Comics bröckelt im Land von Asterix und Lucky Luke. Längst gehören auch die einst verschmähten Superhelden und natürlich die japanischen Mangas zur allgemeinen Lektüre in Frankreich.

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Asterix, Band 33: Die spinnen, die Gallier
Hat ihn das geärgert? Man weiß es nicht. Als Aufhänger für einen neuen "Asterix"-Band hat es ihm jedenfalls genügt. Es ist der 33. in der Zählung und der inzwischen achte, den Uderzo nach dem Tod seines Partners René Goscinny 1977 völlig allein gestaltet hat.

In der gewohnten Szenerie tauchen nun tatsächlich außerirdische Superman-Klone und Kampfroboter auf, eine weitere Figur ähnelt verblüffend Disneys Micky Maus. Natürlich haben die Eindringlinge nichts Besseres zu tun, als sich auf gallischem Terrain Gebietsschlachten mit überlegener Technologie zu liefern. Denn die Gallier haben angeblich eine Geheimwaffe, derer die verfeindeten Aliens unbedingt habhaft werden wollen. Demnach ist "Gallien in Gefahr", wie der deutsche Titel lautet. Aber so gefährlich ist das alles nicht, denn natürlich sind die Gallier trotz allem überlegen, haben sie doch ihren Zaubertrank. Der ist wesentlich stärker als das Gebräu, das Albert Uderzo hier präsentiert - und möglicherweise hinterlässt er auch einen weniger bitteren Nachgeschmack.

Denn die Handlung des neuen Comics - Orginaltitel: "Le ciel lui tombe sur la tête" ("Ihm fällt der Himmel auf den Kopf") - plätschert gemächlich vor sich hin und reicht trotz exzessiver Streckung durch ganzseitige Bilder nicht einmal, um ein komplettes Album zu füllen. Um auf die benötigte Seitenzahl zu kommen, bosselt Uderzo einen überlangen Epilog ans Ende der Geschichte. Die Wortwitze sind flau und scheinbar willkürlich über das Album verstreut. Hier mal ein Sprüchlein über Wildschweine ("Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Schwarzwildernte heute saumäßig gut ausfällt") dort eines über Waschbrettbäuche ("Der Große hat ja einen tollen Waschbrettbauch!" - "Das Waschbrett wartet zu Hause auf dich!").

Höhö, da sind selbst deutsche Comedyshows witziger. Kein Vergleich jedenfalls zum brillanten Timing der Running Gags in früheren Bänden. Wie man überhaupt den Brachialhumoristen Uderzo nicht mit dem feinsinnigen Goscinny gleichsetzen sollte, auf dessen enormen Gespür für Pointen wohl ein Großteil des weltweiten "Asterix"-Erfolges beruht.

Asterix-Band "Gallien in Gefahr": Medienhype wie bei Harry Potter

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Die ganze Holzhammerwitzelei ist aber gar nichts gegen jenen penetranten Kulturchauvinismus, den Uderzo im vorliegenden Band zur Schau trägt. Da wollen also die Micky-Maus-artigen "Tadsylwines" ebenso Gallien erobern wie die schlitzäugigen "Nagmas". Ein Legastheniker, wer daraus nicht sofort "Walt Disney" und "Manga" entschlüsselt. Und den mitgebrachten Superman-Klonen hat Uderzo auch noch das Gesicht von Arnold Schwarzenegger aufgedrückt. Mithin herrscht Kulturkampf auf französischem Boden.

Aber wie gehabt steht das gallische Dorf geeint gegen die zwar mächtigen, aber lächerlichen Besucher aus fremden Sphären. Das Peinliche daran: Uderzo selbst verbietet inzwischen jede Form von Parodie auf "seinen" Asterix, die nicht von ihm abgesegnet wurde. Sogar Walter Moers und Ralf König hatten bereits mit seinen Anwälten zu tun. Bekommt Uderzo jetzt also Ärger mit Disney oder Warner Brothers, den Inhabern der "Superman"-Rechte?

Was am Ende bleibt, ist verbrannte Erde, das handelsübliche Festmahl zum Finale und "viel Lärm um Nichts", wie es Obelix angesichts der Schlacht der Aliens vor den Toren des gallischen Dorfes formulierte.

Viel Lärm machten auch Uderzo und die diversen Verlage, die den Band heute in 28 verschiedenen Ländern gleichzeitig in Millionenauflage in die Läden pressen. Unter Androhung höchster Strafen verdonnerte man alle Beteiligten im Vorwege der Veröffentlichung zum Schweigen. Das erinnert an den Medien-Hype um Harry Potter und sollte wohl vor allem die Gerüchteküche anheizen.

Ob sich das gelohnt hat, wird man an den Verkaufszahlen ablesen können. Bisher war noch jeder neue "Asterix"-Band, egal wie flach und flau, ein Bestseller. Und aufhören, so droht der 78-jährige Uderzo, wolle er noch lange nicht.


Albert Uderzo, René Goscinny: "Gallien in Gefahr". Bd. 33. Egmont EHAPA Verlag; Oktober 2005

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