Neues Tolkien-Buch: Mittelerde ist zurück

Mehr als 30 Jahre nach dem Tod des "Herr der Ringe"-Schöpfers J.R.R. Tolkien kommt ein neues Buch des Fantasy-Großmeisters in die Läden: Mit "Die Kinder Hurins" will Tolkiens Sohn den Fokus weg von Jacksons übermächtiger Film-Trilogie hin zum geschrieben Wort lenken.

London - Genau 34 Jahre nach dem Tod des "Herr der Ringe"-Schöpfers John Ronald Reuel Tolkien ist es so weit: Das neue - und dem Vernehmen nach letzte - Werk des Fantasy-Großmeisters kommt weltweit in die Buchläden. Tolkiens Sohn und literarischer Nachlaßverwalter Christopher Tolkien rekonstruierte dafür in jahrzehntelanger Kleinarbeit das unvollendete Manuskript seines Vaters.

Neues Tolkien-Werk: Startauflage von satten 500.000 Exemplaren

Neues Tolkien-Werk: Startauflage von satten 500.000 Exemplaren

"Die Kinder Hurins" heißt das Buch, doch ganz neu ist es nicht: Die Geschichte ist in fragmentarischer Form bereits in "Das Silmarillion" enthalten, das bereits 1977 erschienen ist. Das neu editierte Werk soll dunkler sein als "Der kleine Hobbit" und "Der Herr der Ringe", Tolkiens berühmte Bestseller. "Es ist kein Harry Potter", bestätigte David Brawn, Leiter des britischen Verlags Harper Collins, der Tolkien verlegt, gegenüber Reuters.

"Die Kinder Hurins" greift weit zurück: Es spielt lange vor dem großen Ringepos, in einem Teil Mittelerdes, der überflutet wurde, bevor es überhaupt Hobbits gab. Erzählt wird die tragische Geschichte von Turin und seiner Schwester Nienor, die von Morgoth mit einem Fluch belegt wurden.

Laut Verlag kommt das Buch am Dienstag mit einer weltweiten Startauflage von 500.000 Exemplaren auf den Markt. Laut Brawn wollte Christopher Tolkien, der selbst keine Interviews gibt, mit "Die Kinder Hurins" das Interesse wieder mehr auf die Bücher seines Vaters lenken, nachdem Peter Jacksons Verfilmung der "Herr der Ringe"-Trilogie weltweit zum Blockbuster wurde.

Einen angenehmen Nebeneffekt hat so ein neuer Tolkien auch: Er wird, ebenso wie seine Vorgänger, vermutlich zum Mega-Seller. Nach Schätzungen des Verlages wurde "Der Herr der Ringe" weltweit rund 150 Millionen Mal verkauft, davon 50 Millionen Mal, seitdem Jacksons Filme in die Kinos kamen. Dazu kommen noch mal 50 Millionen verkaufte andere Tolkien-Titel. Falls das neue Buch an diese Erfolge anknüpfen kann, wird er sehr viel Geld in die Kassen des Verlages und des Erben spülen.

Den Vorwurf, man zaubere den bereits publizierten Tolkien-Aufguss nur deshalb aus dem Hut, um noch einmal kräftig abzukassieren, versucht der Verlag zu zerstreuen: "Ich hoffe, die Leute glauben nicht, dass wir mit dem neuen Buch lediglich Geld machen wollen, das war nie unsere Absicht", verteidigt sich Brawn. Die Leser sollten das Buch einfach genießen.

Dennoch: Falls sich ein Filmstudio für die Rechte interessieren sollte, wäre man nicht abgeneigt: Im Fall von "Der kleine Hobbit" ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er verfilmt wird. Und auch bei den "Kindern Hurins" würde man nicht Nein sagen: "Wir warten erst einmal ab, wie die Reaktionen sind", so Brawn, "doch dann lassen wir den Dingen ihren Lauf." Allerdings, betont er, lägen die Rechte bei Tolkiens Nachlassverwalter.

Höchstwahrscheinlich wird mit "Die Kinder Hurins" allerdings das letzte "neue" Werk Tolkiens seinen Weg in die Bücherregale finden. Es gäbe zwar noch weitere Geschichten in "Das Simarillion", die sehr gut für sich alleine stehen könnten, so Brawn, aber keine von ihnen sei so weit entwickelt wie "Die Kinder Hurins".

hoc/Reuters

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