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Weißrussische Autorin: Literaturnobelpreis für Swetlana Alexijewitsch

Literaturnobelpreis: "Collage von menschlichen Stimmen" Fotos
AFP

Die weißrussische Journalistin und Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch bekommt den Literaturnobelpreis 2015. Das Komitee zeichnet die 67-jährige Autorin für ihr Werk aus, "das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt".

Sie war seit Jahren als Kandidatin gehandelt worden, in diesem Jahr lag sie in den Ranglisten der Wettbüros ganz vorne - nun bekam Swetlana Alexijewitsch, 67, tatsächlich den Nobelpreis für Literatur zugesprochen. Dies verkündete die Schwedische Akademie am Mittag in Stockholm.

Die Jury würdigte "ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt". Fast ihr ganzes Werk stützt sich auf Gespräche mit Zeugen. Das literarische Verfahren von Alexijewitschs Büchern bestehe darin, "durch eine Collage von menschlichen Stimmen unsere Kenntnis einer historischen Epoche zu vertiefen", so die Akademie.

Swetlana Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 in Iwano-Frankiwsk in der Ukraine geboren als Tochter eines weißrussischen Vaters und einer ukrainischen Mutter. Sie studierte in Minsk Journalistik und arbeitete auch in diesem Beruf, zunächst aber wegen ihrer oppositionellen Ansichten bei einer Provinzzeitung in Brest.

Ihr erstes Buch erschien 1985: Für "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht" hatte sie Interviews mit Hunderten von Frauen gesammelt, die am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatten. Mit dieser Oral-History-Methode näherte sich Alexijewitsch in den folgenden Jahren auch der Kraftwerk-Katastrophe von Tschernobyl ("Tschernobyl - Eine Chronik der Zukunft") und der sowjetischen Besatzung Afghanistans an ("Zinkjungen - Afghanistan und die Folgen").

Auch nach dem Ende der Sowjetunion arbeitete Alexijewitsch weiter an ihrem journalistisch-literarischen Lebensprojekt: "Der Sowjetmensch hat in Weißrussland überlebt", sagte sie 2013 dem SPIEGEL. Es ist das Thema ihres jüngsten Buches "Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus". In jenem Jahr wurde ihr in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.

Mit Swetlana Alexijewitsch wurde zum 14. Mal seit 1901 eine Frau mit der weltweit höchsten Literaturauszeichnung für ihr Werk belohnt. Es war im Umfeld der Stockholmer Jury mit einer weiblichen Preisträgerin gerechnet worden, da diese 2015 erstmals von einer Frau, der Literaturwissenschaftlerin Sara Danius, als ständiger Sekretärin geleitet wurde. Zudem ist Alexijewitsch die erste hauptberufliche Journalistin unter den Geehrten.

feb/AP

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1. Super Entscheidung
moleblind 08.10.2015
des Nobel-Komitees für diese großartige, zutiefst humanistisch geprägte Schriftstellerin und Journalistin.
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Ehrung mit Weltrang - die Nobelpreise
Der Stifter
Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet.
Die Auszeichnungen
Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 Kronen auf zehn Millionen Kronen (eine Million Euro), wurde 2012 aber wegen der Wirtschaftskrise wieder auf acht Millionen Kronen gesenkt. Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen. Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.
Die Kategorien
Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt. Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.
Die Alternativen
Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet. Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

AP
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