Nobelpreisträger Pinter "Ich muss jetzt aufhören, sprachlos zu sein"

Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Harold Pinter zeigte sich sprachlos und überwältigt von seiner Auszeichnung. Dass die Entscheidung der Schwedischen Akademie etwas mit seinem politischem Engagement zu tun hat, glaubt der englische Dramatiker nicht.


London - "Ich habe seit rund 50 Jahren Stücke geschrieben und ich war auch immer recht stark politisch engagiert", zitierte die BBC den 75-Jährigen. "Ich bin mir aber keineswegs sicher, in welchem Maße diese Tatsache irgendetwas mit dem Preis zu tun gehabt hat."

Pinter fügte hinzu: "Ich bin sehr stark engagiert in der Kunst und sehr stark engagiert in der Politik. Manchmal begegnen sich diese beiden und manchmal auch nicht." Der Dramatiker hatte sich unter anderem sehr kritisch zum Irak-Krieg und zur Politik des US-Präsidenten George W. Bush geäußert.

Auch der britische Regierungschef Tony Blair musste sich Kritik von Pinter gefallen lassen: "Unser Premierminister, bei dem es sich um einen ernsthaften und aufrichtigen Christen handeln soll, erwägt neue Bombenangriffe auf den Irak... Das wäre Mord, vorsätzlicher Mord, denn man tötet nicht nur Saddam Hussein", sagte er im August 2002. "Die amerikanische Außenpolitik ist 'Küss meinen Arsch oder ich schlage Dir den Schädel ein'", urteilte Pinter im April 1999 über die US-Politik im früheren Jugoslawien.

Dem Sender Sky News sagte Pinter heute, er sei überwältigt von der Preisentscheidung "und sprachlos, aber ich muss jetzt aufhören, sprachlos zu sein". Reportern, die vor seinem Haus in London warteten, erzählte der Autor, er habe zunächst gemeinsam mit seiner Frau bei einer Flasche Champagner gefeiert. Der an Kehlkopfkrebs leidende Dramatiker erschien mit einem Wundverband über einem Auge. Er sei gefallen, sagte Pinter zur Begründung.



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