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Nobelpreisträgerin Alexijewitsch: Weißrussischer Schullehrplan wird erweitert 

Literaturnobelpreis: "Collage von menschlichen Stimmen" Fotos
AFP

Laut eigener Aussage wird Literaturnobelpreisträgerin Alexijewitsch in ihrer Heimat totgeschwiegen. In der Schule sollen ihre Bücher künftig Pflichtlektüre sein, verkündet nun aber der weißrussische Bildungsminister.

Rehabilitierung durch Nobilitierung? Das autoritär regierte Weißrussland nimmt die Werke der neuen Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch in den Schullehrplan auf. Für Schüler der oberen Klassen (10. und 11.) sollten die Werke künftig Pflichtlektüre sein, sagte Bildungsminister Michal Schurawkow am Donnerstag. Für jüngere Schüler seien die Bücher thematisch nicht geeignet. Dagegen sei Alexijewitsch an weißrussischen Hochschulen schon immer gelesen und behandelt worden, sagte er nach Angaben der russischen Agentur Interfax.

Die Nobelpreisträgerin, 67, spürt in ihren dokumentarischen Büchern wie "Secondhand-Zeit" den bitteren Folgen der Sowjetherrschaft nach. Sie beklagte vergangene Woche, dass sie in ihrer Heimat Weißrussland totgeschwiegen und nicht gedruckt werde. Sie ist auch eine engagierte Kritikerin von Präsident Alexander Lukaschenko. Ihre auf Russisch geschriebenen Bücher werden in Russland verlegt, aber auch in Weißrussland gelesen. In der Hauptstadt Minsk waren ihre Bücher in den Tagen seit Bekanntgabe des Nobelpreises weitgehend vergriffen.

Mit Swetlana Alexijewitsch wurde zum 14. Mal seit 1901 eine Frau mit der weltweit höchsten Literaturauszeichnung für ihr Werk belohnt. Es war im Umfeld der Stockholmer Jury mit einer weiblichen Preisträgerin gerechnet worden, da diese 2015 erstmals von einer Frau, der Literaturwissenschaftlerin Sara Danius, als ständiger Sekretärin geleitet wurde. Zudem ist Alexijewitsch die erste hauptberufliche Journalistin unter den Geehrten.

tha/dpa

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Ehrung mit Weltrang - die Nobelpreise
Der Stifter
Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet.
Die Auszeichnungen
Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 Kronen auf zehn Millionen Kronen (eine Million Euro), wurde 2012 aber wegen der Wirtschaftskrise wieder auf acht Millionen Kronen gesenkt. Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen. Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.
Die Kategorien
Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt. Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.
Die Alternativen
Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet. Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

AP
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