Literaturauszeichnung: Olga Martynova gewinnt Bachmann-Preis

Der Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der wichtigsten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum, nun geht er an Olga Martynova. Die Jury schwärmt von einem "souveränen, luftigen und hintersinnigen" Text - ganz leicht ist ihr die Entscheidung aber nicht gefallen.

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Olga Martynova: Sie gewinnt in diesem Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis

Wien/Klagenfurt - Es blieb spannend bis zuletzt und brauchte mehrere Stichwahlen, doch jetzt stehen die Gewinner des 36. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs fest: Haupt-Preisträgerin ist Olga Martynova. Der Kelag-Preis geht an den gebürtigen Polen Matthias Nawrat, die Freiburgerin Lisa Kränzler erhält den 3Sat-Preis.

Martynova setzte sich mit dem Text "Ich werde sagen: Hi!" gegen Matthias Nawrat durch und bekam damit 25.000 Euro Preisgeld. Der Juror Paul Jandl bezeichnete ihren Text als "Geburt eines Dichters durch die Erotik", Daniela Strigl lobte den "hintersinnigen, anarchischen Witz" in der Erzählung, die Kritikerin Meike Feßmann sprach von einem "souveränen und luftigen" Text.

Weitere Juroren waren in diesem Jahr: Burkhard Spinnen, Hildegard Elisabeth Keller, Hubert Winkels und erstmals Corina Caduff. Sie diskutierten über 14 unveröffentlichte Prosatexte, die die Autoren seit Donnerstag vorgestellt hatten. Sie konkurrierten damit um eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Literatur im deutschsprachigen Raum. Der Ingeborg-Bachmann-Preis wird seit 1977 vergeben. Gestiftet wurde die Auszeichnung von der österreichischen Stadt Klagenfurt im Gedenken an die 1973 verstorbene, aus Klagenfurt stammende Schriftstellerin und Lyrikerin Ingeborg Bachmann.

Cornelia Travnicek gewinnt den Publikumspreis

Die 50-jährige Gewinnerin Olga Martynova wurde in Russland geboren und lebt heute in Frankfurt am Main. In ihrem Text schildert sie das doppelte Erwachen ihres jungen Protagonisten während der Ferien - Dichtung und Mädchen ziehen ihn gleichermaßen an. Die Jury beeindruckten vor allem kunst- und humorvoll eingeflochtene kulturgeschichtliche Bezüge. Sie sah den Text als einen von wenigen Beiträgen im Wettbewerb, die über private Themen hinausreichten und Welthaltigkeit zeigten.

Martynova, die sowohl Texte auf Russisch als auch auf Deutsch schreibt, verließ Anfang der neunziger Jahre ihre Heimat und zog nach Deutschland. Sie verfasst unter anderem Artikel für die Wochenzeitung "Die Zeit" sowie die Tageszeitungen "Frankfurter Rundschau" und "Neue Zürcher Zeitung".

Matthias Nawrat gewann nach vier Abstimmungsrunden mit dem Text "Unternehmer" den mit 10.000 Euro dotierten Kelag-Preis. Nawrat wurde 1979 in Polen geboren und lebt heute in Bamberg und in Biel in der Schweiz. Die Jury lobte seinen satirischen Text "Unternehmer" als "kluge Satire auf den Literaturbetrieb". Er schildert mit sprachlichen Einschüben aus der Wirtschaftswelt das merkwürdige Treiben einer desolaten Altmetallhändler-Familie, die vom Auswandern nach Neuseeland träumt.

Lisa Kränzler gewann - ebenfalls nach vier Runden - den mit 7.500 Euro dotierten 3Sat-Preis, sie wurde 1983 geboren und lebt in Freiburg im Breisgau. Kränzler überzeugte mit dem Text "Willste abhauen". Die Berlinerin Inger-Maria Mahlke gewann den Ernst-Willner-Preis der Verlage in Höhe von 5.000 Euro und die Zuschauer kürten in der Internetabstimmung die Niederösterreicherin Cornelia Travnicek mit der Geschichte "Junge Hunde" zur Trägerin des Publikumspreises, der mit 7.000 Euro dotiert ist.

fln/dpa/dapd

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