Preußler und die Kinderbuchdebatte: Sprachkampf um die "Hexe"

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"Die kleine Hexe" von Otfried Preußler: Geliebt mit oder ohne "Negerlein" Zur Großansicht
Thienemann Verlag

"Die kleine Hexe" von Otfried Preußler: Geliebt mit oder ohne "Negerlein"

Darf man das Wort "Negerlein" heute noch drucken? Der Name des nun verstorbenen Autors Otfried Preußler stand im Mittelpunkt einer Debatte um veraltete Sprache im Kinderbuch. Leidenschaftlich geführt wurde die Auseinandersetzung vor allem aus einem Grund: Alle lieben "Die kleine Hexe".

Wer nichts wusste über Otfried Preußler, wer keines seiner Bücher gelesen oder vorgelesen bekommen hat, der konnte in den vergangenen Wochen den völlig falschen Eindruck bekommen, Preußler sei ein schlimmer Rassist gewesen: Die Feuilletons stritten in der Debatte um Sprache im Kinderbuch am Beispiel der "Kleinen Hexe" von Otfried Preußler darum, ob Kinderbuchklassiker nachträglich verändert werden sollten (oder eben nicht dürften), weil (oder obwohl) sie Vokabeln enthielten, die zur Entstehungszeit der Bücher noch als harmlos und allgemein gebräuchlich galten, nach heutigem Verständnis aber verletzend und ausgrenzend sind.

Ausgelöst wurde diese Debatte durch die Entscheidung des Stuttgarter Thienemann Verlags, in Neuausgaben von "Die kleine Hexe" das Wort "Negerlein" zu streichen, das dort bisher gestanden hatte - in einer Karnevalsszene zur Beschreibung von Faschingsverkleidungen einer Gruppe von Kindern.

Niemand hat Preußler jemals Rassismus unterstellt

Die Debatte wogte hin und her, auf der einen Seite standen jene, die gegen Ausgrenzung und für einen bewussten, kritischen Umgang mit der Sprache sind, auf der anderen Seite die Verteidiger der Kunstfreiheit und der Unverletzlichkeit des Werkes. Zwischendurch wurde auch laut "Zensur!" gerufen und mit dem Grundgesetz gewedelt. Preußler selbst hat sich an dieser Debatte nicht beteiligt.

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Otfried Preußler hatte sich lange gegen eine nachträgliche Änderung seines Werks gestemmt - was aus Sicht eines Schriftstellers durchaus nachvollziehbar ist, denn kein Autor lässt sich gerne Korrekturen diktieren. Mit der Zeit sei bei Preußler aber die Einsicht gewachsen, dass die Authentizität des Werkes der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden muss, sagte der Verleger Klaus Willberg Anfang 2013 der "taz" .

Mit ausschlaggebend für die Zustimmung Preußlers (beziehungsweise der Familie des hochbetagten Autors) zur Streichung war offenbar ein Leserbrief von Mekonnen Mesghena an den Verlag. Mesghena, Leiter des Referats Migration & Diversity bei der Heinrich-Böll-Stiftung, hatte sich über "rassistische und ausschließende" Begriffe in Preußlers Buch beschwert. Darauf gestoßen war er, als er seiner siebenjährigen Tochter aus dem Kinderbuch vorgelesen hatte.

Und das ist an dieser Stelle, nach dem Tod Otfried Preußlers, deutlich hervorzuheben: Niemand hat dem herausragenden Autor Preußler jemals Rassismus unterstellt. Es ging allein um die Anpassung des 1958 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichneten, millionenfach verkauften, gelesenen und vorgelesenen Klassikers an den heutigen Sprachgebrauch - und um deren Zulässigkeit.

Die Debatte wurde denn auch nur aus einem einzigen Grund so leidenschaftlich geführt. Einem Grund, der eigentlich ein Kompliment ist für Otfried Preußler: Ob Befürworter oder Gegner der Änderung - alle lieben "Die kleine Hexe".

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Warum kommt mir bei den Aussagen...
otzer 20.02.2013
des Leiters des Referates "Diversity" (was für ein schöner Neologismus!) bloß das genaue Gegenteil in den Sinn: Monokultur...
2. darf
NilsCA 20.02.2013
Zitat von sysopDarf man das Wort "Negerlein" heute noch drucken?
Ist doch ganz einfach: "darf man Negerlein drucken?", ja. "muss man Negerlein drucken?", nein. Fuer sich zu entscheiden, diese Lauthuelse nicht mehr zu benutzen, ist gut. Drama kann man weglassen.
3.
Matthias Künzer 20.02.2013
... Naturheilwissen." Eher nein. Vielleicht: "Die andersgewachsene Naturheilkundende".
4. Ich konnte nie nachvollziehen,
OlLö 20.02.2013
was daran so schlimm so schein soll, einige wenige Punkte sprachlich an das 21. Jahrhundert anzupassen. Für Kinder verlieren die Geschichten, die sie im Gegensatz zu uns Erwachsenen zum ersten Mal in ihrem Leben hören, in keinster Weise an Bedeutung, nur weil man aus berechtigten Gründen eine Hand voll Wörter bzw. Bezeichnungen ändert. Interessant finde ich dagegen, wie sehr der Mensch an sich in der Lage ist, sich über wirklich jeden "Firlefanz" aufzuregen und zu empören.
5. "Freiwilligkeit"
Peter-Lublewski 20.02.2013
Meiner Anscht wurde Herr Preußler vom Verlag genötigt, den Änderungen in seinen Büchern zuzustimmen. Diskriminierende Sprache bei Preußler: Die Kleine Hexe, ohne Rassismus - taz.de (http://www.taz.de/!108466/) Hinterher wurde dann extra auf die Freiwilligkeit in Herrn Preußlers Handeln hingewiesen. Wahrscheinlich konnte der alte Herr sich kaum noch wehren.
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