Rom - Schon als Kardinal machte der heutige Papst Benedikt XVI unmissverständlich klar, wie sehr ihm der gewiefte Zauberlehrling und seine phantastische, übernatürliche Welt der Magie ein Dorn im Auge sind. "Es ist gut, dass sie die Menschen in Sachen Harry Potter aufklären, denn dies sind subtile Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen, ehe es überhaupt recht wachsen konnte", heißt es in einem Schreiben Ratzingers an die deutsche Potter-Kritikerin Gabriele Kuby ("Harry Potter - Gut oder Böse?") aus dem Jahr 2003, das die christliche Autorin auf ihrer Website zitiert.
Offiziell hat sich der Vatikan nie zum Phänomen Potter geäußert, aber im selben Jahr sagte Peter Fleetwood, Mitglied des Päpstlichen Kulturrates, auf einer Pressekonferenz: "Ich glaube, es gibt keinen in diesem Raum, der ohne Märchen, Magie und Engel in einer imaginären Welt aufgewachsen ist." Rowlings Zauberer und Hexen seien nicht "böse" und wollten keine "anti-christliche Ideologie" verbreiten, meinte der britische Geistliche. Rowling sei eine "überzeugte Christin, vielleicht nicht in dem Sinn, wie sich ein Bischof das wünscht", aber sie helfe den Kindern, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.
Schon gar nicht, wenn Harry Potter, dessen sechstes Abenteuer "Harry Potter and the Half-Blood Prince" am kommenden Samstag in englischer Sprache erscheint, demnächst erneut die Bestsellerlisten dominiert. Nach der Ernennung Ratzingers zum Papst im vergangenen April schoss sein aktuelles Buch "Das Salz der Erde" kurzzeitig an den Langzeitbestsellern aus der Potter-Reihe vorbei. Papst schlägt Potter - damit dürfte es nun wieder vorbei sein. Die noch unbetitelte deutsche Ausgabe erscheint am 1. Oktober.
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