Palästinensische Dichterlegende Mahmud Darwisch gestorben

Das literarische Leben in Palästina war eng mit seinem Namen verknüpft: Der Dichter Mahmud Darwisch galt als poetische Stimme seines Volkes. Mit nur 67 Jahren starb der Schriftsteller nach einer Herz-OP in den USA.


Ramallah - Sein Tod reist eine große Lücke in das intellektuelle Leben der Palästinenser. Nach dem Tod des Schriftstellers Mahmud Darwisch, der als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren arabischer Sprache galt, ordnete Präsident Mahmud Abbas eine dreitägige Staatstrauer an.

Dichter Darwisch: Poetische Stimme des palästinensischen Volkes
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Dichter Darwisch: Poetische Stimme des palästinensischen Volkes

Darwisch verstarb am Samstagabend nach einer Herzoperation. Dies berichtete das palästinensische Fernsehen. Der 67-Jährige war am Mittwoch in einem Krankenhaus der US-amerikanischen Stadt Houston operiert worden. In der Vergangenheit hatte sich Darwisch bereits zweimal einer Herzoperation unterzogen.

Der Dichter wurde als ein herausragender Dichter in der arabischen Welt und als die poetische Stimme des palästinensischen Volkes bezeichnet. Seine 30 Gedichtbände sind in 30 Sprachen übersetzt. In seinen Werken machte er den Unabhängigkeitskampf der Palästinenser und ihren Traum von einem eigenen Stadt wiederholt zum Thema. Auch das Exil-Schicksal vieler Palästinenser kam immer wieder zur Sprache.

Dabei war der Lyriker ein gleichermaßen scharfer Kritiker sowohl der israelischen Politik als auch der palästinensischen Führung.

Darwisch wurde in einem Dorf nahe der nordisraelischen Stadt Akko geboren. In Haifa arbeitete er als Chefredakteur der arabisch-kommunistischen Zeitung "Al-Ittihad". Im Jahr 1970 verließ er Israel und lebte zuletzt zwischen Amman und Ramallah. 1987 wurde der Dichter in den Zentralrat der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO des gestorbenen Palästinenserführers Jassir Arafat gewählt, trat aber 1993 aus Protest gegen die Unterzeichnung der Osloer Friedensabkommen aus der Organisation aus.

Zusammen mit dem israelischen Psychologie-Professor Dan Bar-On wurde Darwisch 2003 mit dem Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Auf Deutsch sind von ihm mehrere Lyrik-Bände erschienen, darunter "Weniger Rosen" (2002), "Wo du warst und wo du bist" (2004) und "Belagerungszustand" (2006).

In Ramallah im Westjordanland versammelten sich am späten Samstagabend Dutzende Menschen, um des Verstorbenen zu gedenken. Zu seinen Ehren hielten sie eine Nachtwache bei Kerzenlicht.

hoc/AP/dpa



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