Nach Terroranschlägen Paris-Hommage von Hemingway wird Bestseller

Ernest Hemingway beschrieb in einem fast vergessen Klassiker die Stadt Paris. Nach den Anschlägen vom 13. November ist "Paris - ein Fest fürs Leben" in Frankreich plötzlich zum Bestseller geworden. Und zum Symbol.

"Paris - ein fest fürs Leben": Ausgaben des Klassikers von Ernest Hemingway
AFP

"Paris - ein fest fürs Leben": Ausgaben des Klassikers von Ernest Hemingway


Ein Buch kann Trost spenden, Hoffnung geben oder zum Symbol werden. So war es in Frankreich schon nach den Anschlägen auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar dieses Jahres. Damals war es "Le Traité sur la tolérance" von Voltaire, einem Aufruf für Toleranz zwischen den Religionen, der zum Bestseller wurde. Nun verarbeiten viele Franzosen den Terror wieder literarisch, mit "Paris - ein Fest fürs Leben" von Ernest Hemingway.

Der Klassiker des US-Schriftstellers hat sich vergangene Woche in Frankreich tausendfach verkauft. Täglich sollen es bis zu 500 Ausgaben sein, die über den Ladentisch gehen - vorher waren es laut "Le Figaro" zehn am Tag. Der Literaturnobelpreisträger schildert in dem Werk aus den Sechzigerjahren autobiografisch gefärbte Szenen und Erinnerungen an sein Leben in Paris zwischen 1921 und 1926.

Mitauslöser für den Hemingway-Boom war ein TV-Beitrag des französischen Fernsehsenders BFMTV, in dem eine Frau die Lage in Paris reflektierte und dabei das Buch erwähnte. "Es ist sehr wichtig, 'Paris - ein Fest fürs Leben' von Hemingway mehrmals zu lesen, denn wir sind eine sehr alte Zivilisation und wir tragen unsere Werte sehr stolz", sagte die 77-Jährige kurz nach den Anschlägen.

Mit Blick auf Frankreich sagte sie: "Wir verbrüdern uns mit den fünf Millionen Muslimen, die ihre Religion frei und friedlich ausüben. Und wir werden kämpfen gegen die 10.000 Barbaren, die angeblich im Namen von Allah töten."

Bei Amazon in Frankreich war Hemingways Klassiker am Freitag das meistverkaufte Buch. Das unter dem englischen Titel "A Moveable Feast" posthum veröffentlichte Meisterwerk musste vielerorts nachbestellt werden.

cor/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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mielforte 20.11.2015
1. Auch Hemingway ist am Krieg zerbrochen
und er litt bis zu seinem Selbstmord unter den Greuel des Krieges, der auch aus ihm einen Mörder werden ließ. Und das ist die wichtigste Message. Wehret dem Krieg!
auweia 20.11.2015
2. Quatsch
Hemingway hat sich selbst getötet - soweit richtig. Aber seine Tat (immerhin 16 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg in dem er Berichterstatter war als Soldat, 24 Jahre nach dem spanischen Bürgerkrieg in dem er Kriegsberichter war und 43 Jahre nach seiner Verwundung als Sanitäter im ersten Weltkrieg) hat deutlich weinger mit dem Krieg als mit persönlicher mentaler Verfassung, physischen Schmerzen aufgrund eines Flugzeugabsturzes und auch Alkohol zu tun. Hemingway hat den Krieg eher genossen (er hat sogar seine eigenen Anti-U-Boot-Patrouillen gefahren) und ist somit kein geeigneter Zeuge gegen bewaffnete Konflikte.
taglöhner 20.11.2015
3. Old man and the sea
Zitat von mielforteund er litt bis zu seinem Selbstmord unter den Greuel des Krieges, der auch aus ihm einen Mörder werden ließ. Und das ist die wichtigste Message. Wehret dem Krieg!
Blöde weltanschauliche Instrumentalisierung Hemmingways. Seine Depressionen waren mit Sicherheit nicht monokausal. Als "zerbrochen" erkenne ich ihn zudem auch als Selbstmörder nicht, im Gegenteil.
w.k.t. 20.11.2015
4.
Die Bücher und Kurzgeschichten Hemingways verherrlichen Kriegserlebnisse eher. Ich schätze seine Werke sehr, aber als Botschafter für Frieden und Gewaltlosigkeit taugt er wohl eher nicht.
Newspeak 20.11.2015
5. ...
Hemingway hat doch den Krieg gesucht. Sein ganzes Leben ist durchzogen von der Verherrlichung von Gewalt, z.B. auch bei der Jagd, beim Stierkampf, beim Recht, eine Waffe besitzen zu dürfen. Das ist nicht mal als Kritik zu verstehen, aber es erscheint mir daher doch zumindest zweifelhaft, ob er am Krieg zerbrochen ist, wie Forist #1 meint. Leute wie Hemingway zerbrechen an ihren Egos, daran, daß diese mit zunehmendem Alter keine ausreichende Bestätigung mehr finden. Paris braucht jedenfalls kein Buch von Hemingway, oder von irgend jemand sonst, um etwas darzustellen. Der Terror verdient keine Aufwertung, indem man ihm Trauerkitsch und Heldensagen entgegenstellt. Am sympathischsten sind mir die Menschen, die nicht trauern und sich nicht ängstigen, außer eben, wenn sie wirklich einen Menschen verloren haben oder wirklich dabei waren. Diese Menschen haben einen Grund dafür. Alle anderen nicht.
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