Nobelpreis für Grass: Akademie schließt Aberkennung aus

Israels Innenminister hat nicht nur ein Einreiseverbot für Günter Grass verhängt, sondern auch befunden, man müsse dem Schriftsteller den Literaturnobelpreis aberkennen. Nun antwortet der Akademiesekretär Peter Englund: Für eine solche Diskussion sehe er keinen Anlass.

Grass bei Nobelpreis-Verleihung 1999: "Ausschließlich aufgrund literarischer Verdienste" Zur Großansicht
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Grass bei Nobelpreis-Verleihung 1999: "Ausschließlich aufgrund literarischer Verdienste"

Hamburg/Stockholm - Die Reaktion der Schwedischen Akademie, die den Nobelpreis für Literatur vergibt, ist vielleicht nicht sonderlich überraschend, aber dafür sehr deutlich. Über eine Aberkennung des Preises für Günter Grass wegen seines Gedichtes "Was gesagt werden muss" zu diskutieren, dazu sehe die Akademie "heute wie zukünftig keinen Anlass".

Man müsse Grass eigentlich den Literaturnobelpreis aberkennen, hatte der israelische Innenminister Eli Jischai von der strengreligiösen Schas-Partei im israelischen Rundfunk gesagt. Jischai hatte auch ein Einreiseverbot für den Dichter verhängt.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE schreibt Peter Englund, der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie und damit eine Art Sprecher für das Nobelpreis-Komitee: "Unter Bezugnahme auf die jüngste Debatte über Günter Grass' Gedicht 'Was gesagt werden muss' erlaube ich mir festzustellen, dass Herr Grass den Nobelpreis für Literatur des Jahres 1999 aufgrund literarischer Verdienste, und ausschließlich aufgrund literarischer Verdienste, erhalten hat - was, nebenbei gesagt, für alle Preisträger gilt. Die Schwedische Akademie sieht heute wie zukünftig keinen Anlass für eine Diskussion, ihm diesen Preis in irgendeiner Weise streitig zu machen."

Englund veröffentlichte den Text auch in dem Blog der Akademie auf Schwedisch, Deutsch und Englisch.

feb

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1. Unsäglich...
adam68161 10.04.2012
die Forderung der israelischen Regierung! Sie demaskiert sich endlich selbst. Da komme mir bloß keiner mehr mit der besonderen Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland für die Taten dieser Klique!
2.
*fantasy* 10.04.2012
Zitat von sysopAPIsraels Innenminister hat nicht nur ein Einreiseverbot für Günter Grass verhängt, sondern auch befunden, man müsse dem Schriftsteller den Literatur-Nobelpreis aberkennen. Nun hat der Akademiesekretär Peter Englund geantwortet: Für eine solche Diskussion sehe er keinen Anlass. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,826558,00.html
Klare und richtige Worte !
3.
mr.andersson 10.04.2012
Zitat von sysopAPIsraels Innenminister hat nicht nur ein Einreiseverbot für Günter Grass verhängt, sondern auch befunden, man müsse dem Schriftsteller den Literatur-Nobelpreis aberkennen. Nun hat der Akademiesekretär Peter Englund geantwortet: Für eine solche Diskussion sehe er keinen Anlass. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,826558,00.html
Schade, ich hätte es lustiger gefunden, wenn man ihm den Nobelpreis aberkennt. Danach vielleicht noch zur Verbrennung seiner Bücher aufrufen. Zusammen mit der Tatsache, dass die SPD nicht mehr mit ihm Wahlwerbung machen will, und dem Einreiseverbot in Israel hätte man damit der Welt dann mal klar gemacht, was in "unserer demokratischen Wertegemeinschaft" mit Künstlern passiert, die das "falsche" Gedicht schreiben. Immer dran denken, wir sind die Guten. Wir ("wir" im Sinne von "westliche demokratische Wertegemeinschaft) haben zwar als einzige jemals die Atombombe auf bewohnte Städte geworfen und wir wollen unsere Kritiker gerne gesellschaftlich erledigt wissen, aber die anderen, die Ihre Kritiker mundttot machen und theoretisch mal eine Bombe bauen könnten, dass sind die Bösen.
4. Tsk, tsk -
PrinzEisenerz 10.04.2012
Zitat von sysopAPIsraels Innenminister hat nicht nur ein Einreiseverbot für Günter Grass verhängt, sondern auch befunden, man müsse dem Schriftsteller den Literatur-Nobelpreis aberkennen. Nun hat der Akademiesekretär Peter Englund geantwortet: Für eine solche Diskussion sehe er keinen Anlass. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,826558,00.html
alles Antisemiten, die man in Zukunft boykottieren sollte ! Der Nobelkreis, äh Preis sollte in Zukunft weder von SPD-Mitgliedern noch anderen politisch korrekt denkenden HumanistInnen zur Kenntnis genommen werden - Meister Obama müßte jetzt eigentlich seinen (er hat doch einen ?) wieder zurückgeben, schließlich muß er im Wahlkampf auf Lobbies achten. Nein, das war nicht nobel - diese Schweden tun, was sie wollen. Geht doch nicht. Ein unglaublicher Vorgang, von dem ich mich in aller Form distanziere, auch als Nicht-SPD-Mitglied. Hoffentlich fallen deswegen recht viele Mehlsäcke auf aller Welt um.
5.
Tommi16 10.04.2012
Zitat von sysopAPIsraels Innenminister hat nicht nur ein Einreiseverbot für Günter Grass verhängt, sondern auch befunden, man müsse dem Schriftsteller den Literatur-Nobelpreis aberkennen. Nun hat der Akademiesekretär Peter Englund geantwortet: Für eine solche Diskussion sehe er keinen Anlass. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,826558,00.html
Wenigsten die Schweden springen nicht gleich über jedes Stöckchen, dasdie Bestimmer hinhalten. Die Haltung nenn ich NOBEL.
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