Nobelpreis für Grass: Akademie schließt Aberkennung aus
Israels Innenminister hat nicht nur ein Einreiseverbot für Günter Grass verhängt, sondern auch befunden, man müsse dem Schriftsteller den Literaturnobelpreis aberkennen. Nun antwortet der Akademiesekretär Peter Englund: Für eine solche Diskussion sehe er keinen Anlass.
Hamburg/Stockholm - Die Reaktion der Schwedischen Akademie, die den Nobelpreis für Literatur vergibt, ist vielleicht nicht sonderlich überraschend, aber dafür sehr deutlich. Über eine Aberkennung des Preises für Günter Grass wegen seines Gedichtes "Was gesagt werden muss" zu diskutieren, dazu sehe die Akademie "heute wie zukünftig keinen Anlass".
Man müsse Grass eigentlich den Literaturnobelpreis aberkennen, hatte der israelische Innenminister Eli Jischai von der strengreligiösen Schas-Partei im israelischen Rundfunk gesagt. Jischai hatte auch ein Einreiseverbot für den Dichter verhängt.
Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE schreibt Peter Englund, der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie und damit eine Art Sprecher für das Nobelpreis-Komitee: "Unter Bezugnahme auf die jüngste Debatte über Günter Grass' Gedicht 'Was gesagt werden muss' erlaube ich mir festzustellen, dass Herr Grass den Nobelpreis für Literatur des Jahres 1999 aufgrund literarischer Verdienste, und ausschließlich aufgrund literarischer Verdienste, erhalten hat - was, nebenbei gesagt, für alle Preisträger gilt. Die Schwedische Akademie sieht heute wie zukünftig keinen Anlass für eine Diskussion, ihm diesen Preis in irgendeiner Weise streitig zu machen."
Englund veröffentlichte den Text auch in dem Blog der Akademie auf Schwedisch, Deutsch und Englisch.
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