Romancier und Kinderbuchautor Peter Härtling ist tot

Zwischen Gesellschaftspolitik und fantasievollen Stoffen: Der Schriftsteller Peter Härtling ist im Alter von 83 Jahren gestorben.

Peter Härtling
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Peter Härtling


Romane, Erzählungen, autobiografische Schriften und Kinderbücher - der Schriftsteller Peter Härtling war in allen Sparten der Literatur aktiv. Er war Herausgeber, Journalist und von 1967 bis 1973 Mitglied der Geschäftsleitung des S. Fischer Verlags. Sowohl Gesellschaftspolitik als auch fantasievolle Stoffe fanden Eingang in seine Arbeit.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Eine Frau" (1974), "Theo haut ab" (1977), "Briefe an die Kinder (1986) und "Leben lernen" (2003). 2015 erschien sein letzter Roman "Verdi - Ein Roman in neun Fantasien". Zentral in Härtlings Werk ist das Thema Erinnerung. Dies bedeutete für ihn die Auseinandersetzung mit der Geschichte und politischen Vergangenheit.

1933 in Chemnitz geboren und dann mit der Familie nach Mähren übergesiedelt, flüchtete Härtling nach Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen mit seiner Mutter vor der Roten Armee. Der Vater, ein Rechtsanwalt, starb 1945 in russischer Gefangenschaft. Über Österreich kam die Familie 1946 ins schwäbische Nürtingen. Die Mutter nahm sich im selben Jahr das Leben. Härtling blieb mit seiner jüngeren Schwester bei Verwandten zurück. Der Maler Fritz Ruoff (1906-1986) wurde sein Mentor in Nürtingen.

Härtling arbeitete zunächst als Journalist, bevor er 1967 Cheflektor beim S. Fischer Verlag in Frankfurt wurde. 1974 ließ er sich als freier Schriftsteller nieder. Seinen Ruf als Romanbiograf großer Künstler erwarb er mit dem 1976 erschienenen Buch "Hölderlin" - der große Dichter der Romantik verbrachte seine Kindheit und Jugend ebenfalls in Nürtingen. Danach schrieb Härtling über Schubert, Schumann, Mozart, E.T.A. Hoffmann und Fanny Hensel-Mendelssohn. Auch mit vielen Gedichtbänden wurde er bekannt.

Auch unter Heranwachsenden war Härtling als Autor beliebt, die den "Hirbel" oder "Ben und Anna" liebten. Rund 20 Schulen in Deutschland sind nach Peter Härtling benannt. Bis zuletzt erhielt er von Kindern zahlreiche Zuschriften, die er alle beantwortete.

Härtling erhielt für sein Werk viele Auszeichnungen, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis, den Hölderlin-Ring und den Hessischen Kulturpreis.

Wie sein Verlag Kiepenheuer & Witsch mitteilt, starb Peter Härtling nach kurzer schwerer Erkrankung an diesem Montag. Er wurde 83 Jahre alt.

Lesen Sie hier ein Interview aus dem Jahr 2016:

cbu/cpa/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
t_mcmillan 10.07.2017
1. Schade
Was ich von ihm gelesen habe, hat mich immer beeindruckt.
GinaBe 10.07.2017
2. Menschenfreund!
Oh Peter Härtling, Deine lange Reise ist zu Ende. ich wünsche SO, daß Du am Ende leicht loslassen konntest, Dein Leben keine Flucht mehr war.
christian.steinmetz 10.07.2017
3. Meine Mittelstufen-Literatur.
Er konnte sehr genau in Kinderseelen schauen, Gefühle des Erwachsenwerdens nachempfinden. Sonst hätte er nicht so gut für sie schreiben können. Ohne autoritären Zeigefinger, um dennoch Autoritäten verstehen zu lernen. Vor allem die eigenen. Mit viel größerem Schmerzen in seinem Innern, hat er ihre kleinen Schmerzen genauso ernst genommen. Völlig unspektakulär, ganz behutsam. Ein Teil meines Leseverständnisses verdanke ich ganz ihm.
Argi 10.07.2017
4. Ein sanfter Beeinflusser
Wir haben ihm vor über dreißig Jahren mit der Klasse geschrieben, und natürlich hat er geantwortet. Wenn jemand - nicht nur bei mir - derartige Erinnerungen hinterlässt, ist es gut, dass er gelebt hat.
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