Plagiatsvorwurf gegen Historiker C.H.-Beck-Verlag stoppt Auslieferung der "Großen Seeschlachten"

Wieviel Wikipedia steckt im Buch "Große Seeschlachten"? Der renommierte Wissenschaftsverlag C.H. Beck hat auf die Plagiatsvorwürfe gegen zwei seiner Autoren reagiert - und jetzt die Auslieferung des historischen Werks gestoppt.

Cover des Buches "Große Seeschlachten": Entschuldigung des Verlags C.H. Beck
DPA/Verlag C.H. BECK

Cover des Buches "Große Seeschlachten": Entschuldigung des Verlags C.H. Beck


Hamburg - Mit zwei Plagiat-Suchprogrammen hat der Verlag C.H. Beck eigenen Angaben zufolge das historische 429-Seiten-Werk "Große Seeschlachten. Wendepunkte der Weltgeschichte von Salamis bis Skagerrak" untersucht. Jetzt liegt das Ergebnis vor: "Aufgrund der Prüfung hat der Verlag beschlossen, das Buch nicht weiter auszuliefern."

Ausgelöst worden war die Untersuchung von einem Facebook-Post. Der studierte Historiker Arne Janning hatte behauptet, die Autoren Arne Karsten und Olaf Rader hätten große Teile ihres Werkes bei Wikipedia abgeschrieben, Janning führte vier Beispiele an. Der Verlag begann daraufhin die Überprüfung; dabei ergab sich laut der Stellungnahme folgendes Bild:

  • In den sechs von Arne Karsten verfassten Kapiteln lässt sich demnach kein einziges nicht nachgewiesenes Zitat finden - mit Ausnahme von zwei von Olaf Rader verfassten Bildtexten. Die Plagiatsverdächtigungen gegen Karsten hätten sich damit als haltlos erwiesen.

In den von Olaf Rader verfassten Kapiteln sowie im Epilog lassen sich laut Beck-Verlag allerdings "eine Reihe von nicht nachgewiesenen Zitaten" finden. Eine Auswahl:

  • "Im Kapitel '1. Salamis' sind das auf 29 Druckseiten rund 13 Stellen mit insgesamt 3000 Zeichen, was etwa 1,5 Druckseiten oder rund 5 Prozent des Textes entspricht. Die meisten dieser nicht kenntlich gemachten Zitate stammen aus dem Wikipedia-Artikel zur Schlacht bei Salamis", heißt es in der Mitteilung des Verlags.
  • In den Kapiteln 2 bis 5 finden sich Beck zufolge deutlich weniger nicht kenntlich gemachte Zitate.
  • Als "besonders problematisch" habe sich jedoch das neunte Kapitel zum Thema Trafalgar ergeben. Dort werde der Schlachtablauf angelehnt an den 2003 von Thomas Siebe im Internet publizierten Artikel "Mythos Trafalgar" erzählt. "Die Quote der sehr ähnlichen Formulierungen beläuft sich hier auf rund 10 Prozent", heißt es in der Stellungnahme.

Der Verlag entschuldigte sich für "die nicht kenntlich gemachten Übernahmen aus Wikipedia-Artikeln und insbesondere für die Anlehnung an den Trafalgar-Artikel von Thomas Siebe". Auch Olaf Rader bedaure die nicht nachgewiesene Nutzung fremder Texte zutiefst, heißt es. Die Vorwürfe gegen ihn hätten sich zwar teilweise bestätigt. Es sei aber unklar, ob sie urheberrechtlich relevant seien. Zudem habe sich Rader mit Thomas Siebe über die Nutzung des Artikels "Mythos Trafalgar" verständigt. Rader lehrt als Professor an der Berliner Humboldt-Universität.

DFG weist Vorwürfe zurück

Neben dem Verlag C.H. Beck hat sich auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit den Plagiatsvorwürfen von Arne Janning befasst. In seinem ursprünglichen Facebook-Post hatte er behauptet, die DFG hätte den Autoren des Buches Forschungsreisen finanziert. Das stimmt nicht, wie die DFG inzwischen mitgeteilt hat.

"Die Überprüfung hat ergeben, dass keinerlei DFG-Bezug zu dem Buch 'Große Seeschlachten' von Arne Karsten und Olaf B. Rader besteht. Insbesondere hat die DFG das Buchprojekt nicht gefördert", heißt es in der Erklärung. "Die DFG legt daher Wert auf die Feststellung, dass sich die von Herrn Janning aufgestellte Behauptung als unrichtig und nicht nachvollziehbar herausgestellt hat."

aar

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
StörMeinung 29.04.2014
1.
Zitat von sysopDPA/Verlag C.H. BECKWieviel Wikipedia steckt im Buch "Große Seeschlachten"? Der renommierte Wissenschaftsverlag C.H. Beck hat auf die Plagiatsvorwürfe gegen zwei seiner Autoren reagiert - und jetzt die Auslieferung des historischen Werks gestoppt. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/plagiatsvorwurf-c-h-beck-verlag-stoppt-grosse-seeschlachten-a-966835.html
"jetzt die Auslieferung des historischen Werks " .... dies ist ein neues Buch, und daher mitnichten ein historisches Werk.
caecilia_metella 29.04.2014
2. Recht so
Derartige Historiker bringen ihre Berufsgruppe nur in Verruf. Sie haben schon genug mit Lügengeschichten zu kämpfen, was jeder merkt, der sich etwas ernsthafter in ein beliebiges Thema einarbeitet.
Nancy_mit_Ford 29.04.2014
3. Schuster, bleib bei Deinen Leisten
Der Fall wirft ein bezeichnendes Licht darauf, wie schludrig heute selbst bei seriösen Verlagen gearbeitet wird. Manuskripte werden umstandslos abgenickt und durchgewinkt, wenn der Verfasser nur einigermaßen bekannt ist. Hat es bei C.H. Beck niemanden stutzig gemacht, daß sich ein Mediävist und Experte für die Geschichte des Hochmittelalters wie Olaf Rader plötzlich mit Seeschlachten und der Geschichte der Seekriegsführung beschäftigt? Auch der Frühneuzeithistoriker Arne Karsten ist bisher nicht als Marinehistoriker aufgefallen.
rkjeld 29.04.2014
4. Sehr interessant
Ich habe gerade die Stellungnahme von C.H. Beck durchgelesen. Sehr aufschlussreich, wie sich das Bild konkret ausnimmt. Jannning hatte also Recht, wenn er behauptete, dass erhebliche Übernahmen vorliegen. Demnach ergibt sich aber kein Plagiatsverdacht gegen Arne Karsten. Das ist wichtig, hier muss man UNBEDINGT trennen! Arne Janning hat auf etwas Wichtiges aufmerksam gemacht. Dennoch gebührt ihm meiner Meinung nach ein juristischer Denkzettel. So Recht er hat, wenn er Plagiate anprangert - und das auch mit drastischen Formulierungen - so hat er verleumderische Vorwürfe über den Gebrauch oder besser Missbrauch von DFG-Mitteln in die Welt gesetzt und behauptet, das Buch sei durchgehend zusammenkopiert. Beides sind Lügen, mithin Rufmord. Wenn man Online-Enzyklopädien ernstgenommen sehen will, muss man auch für das eigene, für die ganze Welt sichtbare, online geschriebene Wort geradestehen. Man versetze sich nur probehalber in Arne Karstens lage: nicht plagiiert, keine Standards verletzt, und dann so etwas. Völlig unnötig. Hier müssen zwei Exempel statuiert werden: Eines gegen des wirklichen Plagiator, eines gegen den Hetzer, der einen gerechtfertigten Vorwurf mit abstrusen Beschuldigungen vermischt. So etwas geht am Stammtisch, aber nicht in der digitalen Öffentlichkeit. Die Publikationsform macht keinerlei Unterschied und ist keine Entschuldigung. Weder darf man online geistiges Eigentum stehlen noch Verleumdungen in die Welt setzen. Eine reine Dokumentation der Beispiele und der Hinweis auf weitere Plagiate im Buch hätten völlig genügt; Rader und C.H. Beck wären auch so in genau dieselbe Bredouille geraten, denn die DFG und andere sehen solche Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis gar nicht gern und belegen solche Vergehen mit Drittmittelsperren der betreffenden Person (Ausschluss von Antragsberechtigung). Das führt bereits zum Karriereknick, und das ist auch richtig so. Als Wissenschaftler regt es mich auf, wenn Plagiatsdebatten ständig ausufern zu Generalabrechnungen mit der betreffenden Person. Gebraucht man das Schwert des Plagiatsvorwurfs zum Zwecke der Demontage von Menschen, wird es stumpf. Verhaltensweisen wie diejenige Jannings, aber auch der Presse, die gerne zuspitzt, schwächen auf Dauer die Position der Plagiate-Dokumentierer, die eine wichtige Kontrollfunktion haben. Kurzum: Bitte sachlich bleiben!
marypastor 30.04.2014
5. Na und ?
Zitat von sysopDPA/Verlag C.H. BECKWieviel Wikipedia steckt im Buch "Große Seeschlachten"? Der renommierte Wissenschaftsverlag C.H. Beck hat auf die Plagiatsvorwürfe gegen zwei seiner Autoren reagiert - und jetzt die Auslieferung des historischen Werks gestoppt. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/plagiatsvorwurf-c-h-beck-verlag-stoppt-grosse-seeschlachten-a-966835.html
Ist doch egal: Das Buch hat einen enormen Unterhaltungswert mit hervorragenden Reproduktionen. Dabei ist es doch egal, ob der Grossmast zuerst umfiel oder nicht. Seeschlachten hatten nie die gewuenschten politischen oder militaerischen Ergebnisse produziert, sie waren im Grunde ubeber- fluessig ,haben aber zur Freude der Industrie irre Mengen an Geld gebracht.
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