Pornografie-Vorwürfe Schriftsteller Vladimir Sorokin freigesprochen

Die russische Justiz hat den Strafprozess gegen den Schriftsteller Vladimir Sorokin eingestellt. Er war von einer konservativen Jugendbewegung wegen angeblicher Pornografie in seinem Roman "Der himmelblaue Speck“ angeklagt worden.


Wladimir Sorokin: "Froh, dass dieses absurde Theater vorbei ist"
AP

Wladimir Sorokin: "Froh, dass dieses absurde Theater vorbei ist"

Moskau - "Ich bin froh, dass dieses absurde Theater endlich vorbei ist“, sagte der international bekannte Schriftsteller dem Radiosender "Echo Moskwy“. Auf der Grundlage mehrerer Gutachten führender russischer Literatur- und Sexualwissenschaftler seien die Vorwürfe gegen Sorokin entkräftet worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Moskau am Freitag mit.

In dem Roman "Der himmelblaue Speck“, um den sich die Verhandlungen drehten, beschreibt Sorokin geklonte Sowjetführer, die sich in allerlei sexuellen Praktiken versuchen. Die wegen ihrer Kreml-Nähe auch als "Putin-Jugend" bekannte konservative russische Jugendbewegung "Gemeinsamer Weg" hatte den Autor wegen dieser anzüglichen Darstellungen verklagt. Im vergangenen Herbst hatte die Polizei das Verlagshaus Ad Marginem in Moskau durchsucht und dabei einige Werke Sorokins beschlagnahmt.

In Deutschland wurde Sorokin vor allem durch seine Romane "Obelisk“ und "Die Schlange“ bekannt. Der 1955 geborene Autor gehört zu den so genannten Konzeptualisten, die sich in phantasievoller und oftmals radikaler Weise gegen das sowjetische System richten.



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